Abgesang21 - Pt.2 : Ein antiquiertes Modell
"Zwei Hauptmotive leiten die Menschen:
Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung."
Friedrich II. (König von Preußen)
Modell: Steinzeit
Die heute vorherrschende Ordnung ist ein Relikt aus der Zeit, in der noch das Recht des Stärkeren herrschte. Als Stärkster galt, wer genug Anderen mit dem Knüppel die Birne eingehauen hatte, so dass sich keiner mehr traute ihn anzugreifen. Der hatte dann das Sagen, und das Recht sich als erster von den vorhandenen Ressourcen zu bedienen.
Normalerweise sammelt so ein Alpha eine Clique um sich, das sind machthungrige Typen die ihm helfen seine Interessen (Nahrung, Frauen, etc.) durchzusetzen, im Gegenzug bekommen sie auch ein wenig mehr von den Ressourcen als alle anderen. Hurra, die Diktatur war geboren!
Das mag in steinzeitlichen Kulturen ja mal ganz nützlich gewesen sein, denn im Notfall (Angriff durch feindliche Stämme, wilde Tiere etc.), beschützten diese Alphas mit ihrer Stärke dann den Rest der Gruppe.
Instrumente der Macht
Mit Erfindung des Geldes und der fortschreitenden Entwicklung der Zivilisation veränderten sich die Anforderungen. Wirtschaft und Handel wurden über immer weitere Gebiete vernetzt, plötzlich waren es die Fähigkeiten der Schlauen und zugleich Skrupellosen, die gefragt waren um sich Ressourcen/Vorteile zu verschaffen.
Die früheren Alphas (die körperlich kräftigen und zugleich brutalen) wurden von diesen neuen Herrschern als Militärs/Geheimdienst engagiert. Ihnen (und ihren Familien) wurde besserer Zugang zu Ressourcen (höhere Bezahlung) als allen anderen versprochen und schon waren sie bereit den Wohlstand ihrer Herren zu verteidigen und eventuell auftretende Aufstände der benachteiligten Masse brutal niederzuschlagen, Unkooperative gefügig zu machen und Kritiker zum Verstummen zu bringen.
Religionen wurden instrumentalisiert, um den Ansprüchen der Herrschenden mit dem Nachdruck „göttlicher Hilfe“ Geltung zu verschaffen. Mit der Christianisierung Europas erreichte die Ausbeutung der menschlichen Spiritualität durch traurige Höhepunkte. Durch profunde Unterstützung eines bis ins Mark hinein korrupten Klerus wurden die Völker jahrhundertelang von Bildung ferngehalten und nach Strich und Faden belogen, mit Schaudermärchen von Gott und dessen unergründlichem Willen wurde ihnen Gehorsam und Unterwürfigkeit eingetrichtert. So lebte es sich dunkle Jahrhunderte lang unter klerikal-feudalem Joch dahin.
Revolution
Zwischendurch hatte man es dann aber schon auch mal zu weit getrieben – 1789 hatten die Franzosen genug davon, sich von ihren in Saus und Braus lebenden Feudalherren weiter kleinhalten zu lassen. Die Bastille wurde gestürmt, die Goulliotine lief heiß im Takt der Enthauptungen. Die Feudalherrschaft wurde durch die Demokratie ersetzt und die sogenannten Eliten hielten sich erstmal eine Weile bedeckt, um nicht auch versehentlich auf einmal den Kopf zu verlieren. Vermutlich wurde damals schon im stillen Kämmerlein gebrütet, wie denn das verdammte Volk wohl wieder unter Kontrolle zu bringen sei. Und man fand ein Mittel. Denn im Schatten des ganzen Dramas dieser fast zweitausend Jahre Geschichte hatte sich das Wirtschafts/Finanzsystem indes vom einfachen Tauschhandel bis hin zu einer komplizierten Form der angeblichen freien globalen Marktwirtschaft entwickelt, ähnlich der, die wir heute kennen.
Der Fehler im System
Dass damals zwar das politische System, nicht jedoch das Wirtschafts/Finanzsystem grundlegend verändert wurde, sollte den Menschen noch früh genug auf den Kopf fallen. Doch wer konnte sich damals schon vorstellen, dass Geld einmal als Waffe gegen ganze Volkswirtschaften benutzt werden könnte?
Out of control!
Finanzkrisen gab es ja schon seit es Geld gibt; doch trotz all dieser Krisen, die sich durch die Jahrhunderte ziehen, kam kein Herrschender jemals auf die Idee, dieses System entweder zu reformieren oder gleich durch ein effektiveres zu ersetzten – vielmehr war es so, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit (zu) laut genau darüber nachdachten, dazu tendierten auf rätselhafte Weise zu verschwinden. Zugleich wurde das Wirtschafts- und Finanzsystem stetig erweitert und immer komplizierter. Unter der unseligen Regierung Reagans in den 80er Jahren wurden schließlich die später als „Reaganisms“ bekannt gewordenen Gesetze verabschiedet – Gesetze, die es den Besitzenden wesentlich erleichterten, ihren Besitz weiter zu vermehren während sie gleichzeitig eine gewaltige Masse von wirtschaftlich schlecht gestellten Menschen sukzessive immer weiter in die Existenznot drängten.
Die moderne Finanzindustrie ist ein Kriegswerkzeug:
Sie dient dazu Territorium zu erobern, Infrastruktur zu übernehmen und ganze Völker mittels Zinssklaverei in eine Leibeigenschaft zu knechten.
Spätestens mit dem Projekt EU fielen dann auch hier in Europa die Hemmschwellen, und wo zuvor noch Ansätze einer humanistischen Gesellschaft erkennbar waren, herrschte bald nur noch die pure Habgier. Im Zuge der Globalisierung wurde das System natürlich noch weiter verkompliziert, und so haben wir heute ein Konstrukt, bei dem der einzelne Bürger nicht einmal mehr ansatzweise durchblickt – von den sogenannten „Volksvertretern“ ganz zu schweigen.
Ein Konstrukt mit all seinen Vorteilen wie z.B. Südfrüchten im Winter und all seinen Nachteilen wie z.B. Ölkatastrophen im Naturschutzgebiet. Ein Konstrukt, das jedoch gerade in den letzten Jahren massive Zerfallserscheinungen aufweist – was auch von weiten Teilen der Bevölkerung so wahrgenommen wird.
Langsam sollte man ernsthaft die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass diese antiquierten (Herrschafts)Strukturen angesichts der vollkommen neuen Voraussetzungen im 21. Jhdt. komplett revolutioniert werden müssen.


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Gerd Salvadori [◘ 47]
JA
Martin Glogger [◘ 43]
Ingenieur und Unternehmer