Ein Anruf von der SPÖ
Gestern vormittag, kurz nach neun Uhr, erhielt ich einen Telefonanruf von der SPÖ. Und zwar von SPÖ.Direkt, das ist vermutlich die Propaganda-Leitstelle der sich selbst immer noch als „sozialdemokratisch“ bezeichnenden Partei. Wie ich wohl dazu komme, von SPÖ.Direkt angerufen zu werden?
Die Hintergrundgeschichte dazu ist ganz nett: Am 23. Dezember wurde per Pressemeldung Niko Pelinka als zukünftiger Büroleiter von ORF-Chef Alexander Wrabetz verlautbart. Niko Pelinka, Sohn des Journalisten Peter und Neffe des Politikwissenschaftlers Anton Pelinka, 25 Jahre alt, laut diversen Pressemeldungen gut mit SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas befreundet, verfügt über eine Matura und den Abschluss eines „Berufsbegleitenden Universitätslehrganges in politischer Kommunikation“, kolportiertes Einstiegsgehalt: 5.200,- brutto. Sollte da ein "Sohn", noch dazu eindeutig aus dem SPÖ-Parteinachwuchs, in Warteposition auf die Schaltstellen der öffentlich-rechtlichen Medienmacht gebracht werden?
Als einer der Ersten tat ZiB2-Anchorman Armin Wolff per Twitter seinen Unmut über diese Entscheidung kund, und dankenswerterweise griffen einige Medien, allen voran der Standard, diese Meldung auf und präsentierten sie der erstaunten Öffentlichkeit. Das Erstaunen hielt nicht lange an und verwandelte sich sehr schnell in Wut. Die Österreicher witterten Verhaberung und Postenschacher übelsten Ausmaßes und reagierten dementsprechend empfindlich.
Beim ersten Leitartikel wurde innerhalb von nicht mal 72 Stunden die Grenze von 2000 User-Postings überschritten – ein beispielloser Shitstorm erhob sich. Die von Korruption und Freunderlwirtschaft gepeinigten Österreicher nutzten die Feiertage, um ihren Unmut via Internet kund zu tun. Von politisch aktiven Usern wurden ORF- und SPÖ-Email-Adressen gepostet, damit alle die Möglichkeit haben, sich direkt zu beschweren und alternative Demokratie-Plattformen Bürgerbewgungen konnten sicher einiges an zusätzlicher Traffic auf ihren Servern verzeichnen.
Auch jetzt, knapp drei Wochen später, kommen fast täglich neue Artikel zu diesem Themen-Cluster hinzu, welche dann auch intensiv von den Usern diskutiert und kommentiert werden. Und mit jedem neuen Tag kamen neue, peinliche Details zum Vorschein: Dass die Stelle laut den Statuten des ORF offiziell ausgeschrieben gehört hätte, zum Beispiel . . . natürlich hat der Generaldirektor (Wrabetz) das Recht sich seinen Büroleiter selbst auszusuchen, jedoch wäre der Gang des offiziellen Weges über eine Stellenausschreibung hier wirklich ratsam gewesen, zumindest um den Schein einer demokratischen Entscheidung zu wahren.
Natürlich ließen auch die Dementis der ORF- und SPÖ-Granden nicht lange auf sich warten; mit besonders peinlichen, abgehobenen und weltfremden Wortmeldung taten sich hier vor allem Medienstaatssekretär Josef Ostermayer, einmal mehr die SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas und neuerdings auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl hervor. Wenn man sich die einzelnen Wortmeldungen durchliest bekommt man den Eindruck, dass diese politischen Vertreter unter irgendeinem klinischen Symptom leiden müssen, das ihnen die Realität verzerrt oder ihre Wahrnehmung gravierend eintrübt. Vermutlich der Stress, obwohl, beim Häupl hätte ich da auch noch eine andere Theorie . . .
Jedenfalls, mir reichte es schon kurz nach Weihnachten, und ich habe mich an direkt@spoe.at und an kundendienst@orf.at gewandt, um meinen Unmut kundzutun. Ich habe etliche Mails an beide Adressen verschickt, zwar bissig aber nicht unfreundlich formuliert, und habe einige Fakten aufgelistet die mich an dieser ganzen Sache stören. Und prompt kam ein Mail von SPÖ.Direkt zurück, in welchem ich um ein persönliches Gespräch gebeten wurde. Natürlich habe ich zugesagt, man ist ja für jeden Spaß zu haben.
Gestern war es dann soweit: Eine freundliche weibliche Telefonstimme meldete sich und erkundigte sich vorsichtig, was ich der SPÖ mitzuteilen habe. Ich war natürlich vorbereitet und hatte mir auf einem Block einige Fragen und Argumente aufgeschrieben – was sich sogleich als sehr nützlich erweisen sollte. Denn quasi schon nach meiner Einleitung versuchte die nette Dame mir mit dem Argument, Wrabetz habe sehr wohl das Recht sich seinen Büroleiter selbst auszusuchen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Damit war natürlich zu rechnen, die Standard-Floskeln um das in Wallung gekommene Gemüt des Bürgers mit sanftem propagandistischem Vielreden-Nichtssagen einzulullen. Das habe ich dann ganz schnell mit dem Verweis aus die ORF-Statuten ausgekontert, und von da an kam praktisch kaum noch Gegenwehr.
Nun ja, Vorteil für mich, es gibt definitiv schwierigere Aufgaben als die Unfähigkeit der SPÖ-Führung zu argumentieren.
Als ich auf das Faymann'sche Media-Gate und die 200.000 verbratenen Euro zu sprechen kam, bekam ich zu meiner großen Überraschung sogar recht von der Dame – das könne sie auch „nicht nachvollziehen“ und erscheine ihr auch „etwas übertrieben“. Ich habe auch angeboten, den Job den dieser neun Medienexperten, die Faymanns Web-Auftritt betreuen allein zu übernehmen – ich wäre auch mit dem gleichen Einstiegsgehalt zufrieden, wie Pelinka es beim ORF erhalten sollte. Befremdlicherweise kicherte die nette Dame an dieser Stelle des Gespäches kurz, doch dann sagte sie mir, dass sie „leider nicht für die Stellenausschreibungen zuständig sei“ ich mich jedoch „sehr gerne bewerben könne“. Schon klar, wahrscheinlich gehört die nette Dame am Telefon zu eben diesem Media-Team.
Zu so gut wie allem anderem – von meiner Entrüstung über die unverhohlenen Frechheiten von Ostermayer und Rudas, die Höhe des Einstiegsgehaltes Pelinkas, die gotterbärmliche Lügerei und Sich-Rauswinderei aus dieser Affäre, den Postenschacher im Allgemeinen und die absolute Unfähigkeit der gesamten Politik, auf die Sorgen, Ängste und Nöte der Bürger einzugehen – kam dann eigentlich nur betretenes Schweigen, unterbrochen von einem gelegentlichen „Ja ich kann ihren Ärger verstehen“ oder einem „Na, da kann ich leider auch nichts machen“.
Ja, was habe ich mir denn eigentlich anderes erwartet, frage ich mich.
Weiters habe ich gefragt, ob Strache sich bei der SPÖ-Spitze eigentlich schon bedankt hat für diese pausenlose Negativwerbung, die diese für ihre Partei betreiben - er kann sich praktisch seine komplette Wahlwerbung sparen, das machen alles Faymann, Rudas und Konsorten für ihn. Da hat die nette Dame hörbar durchgeschluckt am anderen Ende der Leitung.
Nach etwa 20 Minuten sind wir dann so verblieben, dass ich der Dame dringend empfohlen habe, meine Kontaktdaten an all diese betroffenen Herren und Damen (also Faymann, Rudas, usw.) weiterzuleiten, nun mit der Bitte meinerseits um ein Gespräch. Sie „würde schauen, was sich machen lässt“, wurde mir zugesichert, jedoch „kann ich Ihnen das natürlich versprechen, dass die Sie auch wirklich anrufen“.
Da musste dann ich, trotz des Ernstes der Lage, doch auch noch ein bisschen schmunzeln.
(Titelfoto: http://www.antiqbuyer.com)


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Christina Klöber [◘ 8]
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