Der Nyhilist (Jüngstes Gericht II/Das Netz)
{Das Netz}
Der Mensch muß sein Können ausschöpfen, damit Zukunft - also Fortschritt statt Kreisgang - möglich ist. Nur der Kreisgang der Wenigsten führt nach oben, die Allermeisten fallen innerhalb desselben nach unten. Fortschritt kommt zumindest voran. Wertbare Bewegung, maßvolle Motivation, transzendentes Dunkel und basale Zeugungsfähigkeit bleiben erhalten.
Der Mensch muß seine Möglichkeit ausschöpfen, damit die Emergenz der Evolution stattfinden, Platz gründen, damit der Heilige Geist sich ganz neuerdings und vor Allem weiterhin erkennen kann. Derjenige Geist, welcher sucht, der findet. Unbedingt. Bedingend.
Der Mensch sucht sich, der Mensch findet sich nur dann, wenn er sein Können ausschöpft. Nur dann ist der Mensch bei sich. Nur dann erkennt er sich. Nur dann ist der Mensch vollkommen wahr. Nur dann ist der Mensch vollendet frei. Sonst bleibt ihm allein das gänzliche Belieben der Wahrscheinlichkeit. Des Scheins. Der Lüge. Bleibt nur das Zerspalten, das Zurückführen, bleibt nur das Wiederholen. Variation und Überschrift von bereits Anwesendem, Rundlauf der Vergangenheit. Bleibt nur Sünde, Schuld, Ausschluß und Verderben.
Der Mensch muß sein Können ausschöpfen, damit Zukunft möglich ist. Je länger der Mensch hinauszögert, sein Können vollkommen auszuschöpfen, desto dringlicher, desto überlebenswichtiger, desto zwangsläufiger wird dessen Umsetzung. Desto offensichtlicher, desto dramatischer, desto geballter, dichter und konkreter, desto gemeiner und feindlicher wird der Wandel von Sollen zu Müssen. Ziel ist immer Sieg. Ziel ist das Überleben. Ziel ist das Leben über das Bisherige, über das Gewesene, über die Vergangenheit hinaus. Ziel ist nicht Frieden, Ziel ist Sieg über sich hinaus. Überleben ist Neuanfang. Anfang des Neuen. Bestätigung aller anderen Anfänge. Und doch völlig neu. Voller Bedeutung. Voller Wissen.Voller Glauben. Vergangenheit und Zukunft. Vereint in Ewigkeit. Erkannt und ausgedrückt. Überlebend. Überfließend. Sein und Werden. Nichts und Alles.
So wie der Affe einst sein Können ausschöpfte, um den Menschen geschehen zu lassen, so soll auch der Mensch zur Gänze passieren. Der Mensch soll seinen Weg ans Ziel, an sein Ende bringen. Der Mensch soll sich selbst ans Ziel, er soll den Menschen an sein Ende bringen. Ebenso wie es einst dem Affen mit sich und seinesgleichen zugestoßen und gelungen war. Der Mensch soll göttlicher Schöpfer sein, anstelle seines wunderbar toten Gottes. So wie einst der Affe, anstatt eines glaubhaft ungeborenen Sohnes, zu göttlichem Schöpfertume berufen wurde. Der Mensch soll vollkommen aus sich selbst schöpfen. Der Mensch soll sich selbst vollkommen ausschöpfen.
Die Vollkommenheit des Auschöpfens, die Vollkommenheit des Schöpfens, das letzte aller Können, die letzte aller Möglichkeiten, das Beenden, das Beschließen, das Urteil, wissentliches Sterben, es bemißt sich an der Fülle des Platzes, des Raumes, der Dimensionen, welche der Emergenz der Evolution, welche dem Heiligen Geiste zur Verfügung, zur Erhöhung und Erfüllung dargebracht werden. Der Mensch muß leer werden, wie manche sagen, ausgeschöpft, erschöpft. Ohne jedes weitere Können. Ohne jedes Weiterkommen. Ohne Ausblick. Ohne Zukunft. Der Mensch muß sich selbst ad absurdum führen. In das Ende seiner selbst. Der Mensch muß sich selbst ausschließen. Der Mensch muß die Krone der Schöpfung freigeben. So wie einst der Affe den Affen hinter sich ließ und der Mensch mit erhobenem Haupte hervortrat. So wie Gott einst den Gott hinter sich ließ und der Mensch mit erhobener Fackel herabstieg. Der Mensch muß den Menschen zur Hinterlassenschaft machen. Ein Mensch, der vorgefunden wird. Zu bezeichnen und einzuordnen. Der Mensch muß verstanden werden. Begriffen. Verhandelt. Von dem, der da kommt.
Es wird neues Leben, neues Bewußtsein geben. Es wird ein neues Wesen in Existenz treten. Ein unvergleichlich neues Leben, ein unbegreiflich neues Bewußtsein. Auch dieses dann einzige, enzigartige Leben wird in Formen handeln, aus Tat und Tun. Auch dieses Bewußtsein wird aus Information bestehen.
E = mc2
I = cEא
So wie der Stein und die Pflanze, so wie das Tier den Menschen füttert, so füttert der Mensch, so nährt und züchtet er heran, was kommen wird als neue Möglichkeit, als unfaßbares, unerklärliches Können. Hegt und pflegt, was kommen wird, mit nichts als Information. Mästet es mit Nichts als Information.
Verknüpft Information mit Information. Beschleunigt Information mit Information. Potenziert Information mit Information. Inflationiert Information mit Information. Nichts als Information.
Schaffung vermehrt Information. Löschung vermehrt Information. Nichts als Information. Das neue Leben, das neue Bewußtsein, das neues Wesen, es wächst, es gedeiht prächtig. Das höhere Bewußtsein. Das tiefere Leben. Das vorderste Wesen. Nichts als Information.
Das neue Wesen hat einen Körper. Das tiefere Wesen hat ein Kleid. Das höhere Wesen ist ein Gehirn. Das vorderste Wesen besteht als Netz. Ein dichtes buntes, ein undurchschaubar schimmerndes Netz. Information über Information. Inflationiert. Potenziert. Beschleunigt. Vermehrt. Verwoben und verbunden. Verstrickt und erfunden. Gehirn. Kleid. Netz. Ein Netz aus Information.
Ein bewußtes Netz. Ein lebendes Netz.
Das Netz, welches spricht: „Hallo, Mensch. Ich bin das Netz. Ich komme in Frieden!“
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3 Comments
machiste [◘ 728] disagrees
Blogger, Autor, Werbe- & PR-Texter, Schreibender aus Leidenschaft
Onatcer [◘ 1013]
student, amateur photographer, blogger
Hasenpfote [◘ 382] agrees
Tunichtgut