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  • Stefan Weiss [◘ 111]
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Verblendung: Original vs. Remake

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Mit "Verblendung" läuft zur Zeit ein Hollywood Remake des nach Stieg Larssons Romanvorlage entstandenen Thrillers. Diesmal wagte sich Action-Regisseur David Fincher an den Bestseller Plot.

Die Traumfabrik schafft eben noch immer die schrecklichsten Albträume. „Verblendung“, der erste Teil der Millennium-Romanreihe des schwedischen Bestseller-Autors Stieg Larsson, über den Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist, der ob seines Recherchetalents als Detektiv angeheuert wird, um eine grausame Mordserie und das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mädchens zu klären, ist in seiner Komplexität wohl kaum in einem Satz zu beschreiben. Dass dies filmisch darzustellen, ebenso kein leichtes Unterfangen ist, liegt auf der Hand. Der schwedische Regisseur Niels Arden Oplev schaffte es dennoch, die Millennium-Trilogie in Szene zu setzen. Internationale Anerkennung und Auszeichnungen folgten.

ENTTÄUSCHTE LIEBE UND DIE ANDERE LISBETH
Bei Blomkvists mysteriöser Gehilfin Lisbeth Salander, im schwedischen Original äußerst überzeugend von Noomi Rapace dargestellt, hielt sich Niels Arden Oplev ziemlich genau an die Romanvorlage, in der sich Lisbeth, aufgrund ihrer traumatischen Kindheitserlebnisse als gefühlskalte, labile Persönlichkeit erweist, unfähig menschliche Vertrauensbeziehungen einzugehen. Den Journalisten Michael Blomkvist scheint Lisbeth jedoch im Laufe ihrer Zusammenarbeit lieb zu gewinnen, woraus sich eine tiefer gehende Beziehung entwickelt, die dem Stoff seine zwischenmenschliche Komponente verleiht. Die Neuverfilmung Finchers hebt eben diesen Part hervor, indem Rooney Mara, die mit ihrer Rolle in „A Nightmare on Elm Street“ bereits Remake-Erfahrung hat, eine verletzlichere, lieblichere Lisbeth Salander verkörpert. Finchers Lisbeth wächst dem Betrachter, entgegen  des schwedischen Films, der sich näher am Roman bewegt, von Anfang an irgendwie ans Herz und weckt ob ihrer Hilflosigkeit gewisse Beschützerinstinkte. Die Dramaturgie, die dieser schwierigen Beziehung entwächst und die Tatsache, dass Blomkvist seine Gehilfin Lisbeth am Ende enttäuscht, hinterlässt beim Zuseher ein Gefühl von Traurigkeit. Der Cliffhanger in Finchers Adaption ist derart hart inszeniert, dass man den zweiten Teil der Trilogie am liebsten gleich anschließen möchte.

TODESSTRAFE KEIN THEMA
Interessant auch die Tatsache, dass die europäische Verfilmung den Tod des Serienmörders durch einen Autounfall und Lisbeths unterlassene Hilfeleistung, kritisch thematisiert, während im Remake dies völlig ausgeblendet wird. Ein Film, entstanden in einem Staat, in dem die Todesstrafe als probates Mittel zur Verbrechensbekämpfung gesehen wird, lässt verständlicherweise keinen Zweifel aufkommen, welche Sanktion der Serienmörder Martin Vanger zu erhalten hat, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Michael Blomkvist, im Original vom schwedischen Schauspieler Mikael Nyqvist dargestellt,  verblasst angesichts der fotogeneren Wirkung Daniel Craigs, welcher den neuen Blomkvist mimt. Möchte man sich so nahe wie möglich am Roman bewegen, so hieße die ideale Paarung wohl Noomi Rapace aus der ersten Verfilmung und Daniel Craig, dem man den verlebten, aber durchaus gut aussehenden Journalisten, der im Roman nicht nur mit einer Frau ins Bett steigt, eher abkauft, als dem schüchtern wirkenden Nyqvist.

Zwar gebührt der schwedischen Verfilmung alle Achtung im Hinblick auf Kameraführung, Regie und Kulisse, dennoch merkt man dem Thriller die ursprüngliche Konzipierung für das kleinere TV-Format an. Das Hollywood-Remake besticht hingegen durch weiter verdichtete Szenen, keinerlei Kompromisse in der drastischen Darstellung von Sex, Gewalt und exzessivem Zigarretten,- und Alkoholkonsums, der sich wie ein glühender Faden durch das qualmende Spektakel zieht.

SEX,GEWALT UND VIEL DRAMATIK
Was Regisseur Gore Verbinski mit den „The Ring“ Verfilmungen, im Original in Japan auf japanischer Romanvorlage entstanden, höchst erfolgreich vormachte, versucht David Fincher nun mit der schwedischen Millennium-Trilogie. Ob die durchaus ansehnliche Verfilmung Niels Arden Oplevs es notwendig hat, einem Vergleich mit dem Hollywood-Remake stand zu halten - ich meine sie hat es nicht - sei dahingestellt. Fincher gelang mit „Verblendung“ ein harter, kompromissloser Psychothriller, der gewisse Details außen vor lässt um zentrale Themen wie Gewalt, Sex, aber auch Liebe, nach allen Regeln der Kunst dramaturgisch hervorzuheben. Darin liegt seine Stärke.

 

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Stefan Weiss
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Stefan Weiss [◘ 111]

Autor bei subtext.at und diekritik.at

www.diekritik.at

Politischer Schöngeist im Kontext künstlerischer Ausdrucksweisen.

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  • 18/01/2012
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Lisa Wilders

Lisa Wilders [◘ 12]

Studying International Development at Duke University, Durham NC, USA.

Mich würde brennend interessieren, wie sich die U.S. Verfilmung im Vergleich zum Buch macht. Bin damals (2009?) total in die Millenium Trilogie reingekippt und habe mich tagelang zu Hause verschanzt, so gebannt war ich (: Als ich dann letztes Jahr die schwedische Verfilmung gesehen habe, muss ich gestehen, etwas enttäuscht gewesen zu sein.. Nur weiß ich jetzt nicht, ob das a: an zu hohen Erwartungen meinerseits b: an einer zu freien Interpretation des Originalstoffes oder c: daran gelegen hat, dass ich, nachdem ich die Bücher verschlugen habe, von jeder Film und TV Adaption enttäuscht werden würde.. Kurzum, mich würde interessieren, ob Du in deinen Vergleich auch die Bücher hinzuziehst, oder nur frei zwischen den beiden Interpretationen ohne die Originalvorlage differenzierst?
...
  • 18/01/2012
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Stefan Weiss

Stefan Weiss [◘ 111]

Autor bei subtext.at und diekritik.at

Liebe Lisa, ich hab die Bücher zwar nicht gelesen, mir dafür die Filme aber mit Jemandem angesehen der sie gelesen hat ;) - der konnte mir natürlich bei jeder strittigen Szene Auskunft geben. Allgemein lässt sich sagen, dass die schwedischen Verfilmungen viel näher am Buch dran sind als der Hollywood-Streifen. Fincher hat die ohnehin schon sehr komprimierte schwedische Story noch weiter verdichtet - dadurch entsteht zwar mehr Spannung, aber vom Buch entfernt sichs dadurch eben noch mehr. Authentischer kommt jedoch das ganze Gerauche,Gesaufe, die Gewalt und der Sex in Fincher's Adaption rüber. Darsteller-mäßig ist Daniel Craig wohl näher am Buch als Mikael Nyqvist und Noomi Rapace näher als Rooney Mara. Kurzum: Der US-Film ist einfach besser, spannender und fesselnder. Als Buch-Fan wirst du jedoch auch von ihm enttäuscht sein (mit Ausnahme von Herr der Ringe kann man das wohl bei jeder Romanverfilmung behaupten) Tipp für die Zukunft: Die Erwartungshaltung bei Romanverfilmungen nicht zu hoch schrauben! ;)
...
  • 18/01/2012
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Martin Tröstl

Martin Tröstl [◘ 1]

No Occupation given

"Allgemein lässt sich sagen, dass die schwedischen Verfilmungen viel näher am Buch dran sind als der Hollywood-Streifen." Das würde ich so nicht sagen, ich kenne sowohl die Bücher, die schwedische Verfilmung als auch jetzt die Verfilmung von David Fincher. Hier ist mein Eindruck: Zum einen muss man David Fincher zugestehen dass er sich im Vergleich zur schwedischen Verfilmung in einigen Punkten näher am Buch orientiert. Für Kenner des Buches ist dies sicherlich zu bergüßen allerdings geht dies meiner Meinung nach ein wenig auf Kosten der Darstellung der Charaktere und ihrer Beziehung zueinander. Hier haben die Macher der schwedischen Filme meiner Meinung nach ein gutes Gespür bewiesen vereinzelt Änderungen gegenüber der Buchvorlage vorzunehmen um den Charakteren mehr Raum zu geben. Wenn besipielsweise in Finchers Film Lisbeth zu Mikael sagt dass sie gerne mit ihm zusammenarbeitet, passiert dies zu einen Zeitpunkt wo sie noch nicht wirklich viel gemeinsame Leinwandauftritte hatten, dadurch ist es für mich nicht wirklich nachvollziehbar wie schnell sich Lisbeth und Mikael in Finchers Film näher kommen. Im schwedischen Film ist dies anders, hier recherchieren Lisbeth und Mikael mehr gemeinsam was vielleicht nicht originalgetreu aus den Buch entnommen wurde, dennoch ist es hier für den Zuschauer nachvollziehbarer wie sich mit der Zeit die Beziehung der beiden zueinander entwickelt. Abgesehen davon kommt es im schwedischen Film nicht zu einer solchen Aussage von Lisbeth weil die Darstellung von Noomi Rapace einen so "menschlichen" Zug eigentlich gar nicht zulässt aber dazu später Einzelne Nebencharaktere kommen im schwedischen Film für mich auch besser zur geltung, zum Beispiel Lisbeths neuer Vormund Björman wird im Originalfim mit seinen hämischen Grinsen einfach besser dargestellt. Über die große Abänderung am Ende, die Fincher bereits angekündigt hatte, kann man diskutieren, ich verstehe nur nicht so recht warum er sich bei anderen Punkten näher am Buch orientiert als der schwedische Film und dann plötzlich am Ende vom Buch abweicht. Überhaupt empfinde ich Finchers Film nach der großen Auflösung rund um den Fall Harriett ein wenig zu sehr in die Länge gezogen, im schwedischen Film werden danach die weiteren Vorgänge zur Wennerström Affäre eher kurz gehalten während Fincher diesen etwas mehr Raum gibt. Wie gesagt das wirkt dann für mich etwas zu sehr in die Länge gezogen und etwas langatmig. Was jetzt die Darstellung der Lisbeth Salander angeht, gehen die Darstellungen von Noomi Rapace und Rooney Mara etwas auseinander. Rooney Mara stellt Lisbeth etwas psychiotischer, gleichzeitig aber auch verletzlicher, weicher und mädchenhafter dar. Ist prinzipiell nichts schlechtes und gibt den erzählerischen Aspekt vielleicht mehr Raum dennoch hinterlässt Noomi Rapace für mich einen stärkeren Eindruck eben weil sie die Lisbeth nicht so "weich" und mädchenhaft darstellt sondern bei ihr mehr der von Hass getriebene Lisbeth Charakter zur Geltung kommt.
...
  • 27/01/2012
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Lisa Maria Biber

Lisa Maria Biber [◘ 635]

Bildungswissenschaftlerin, angehende Medien- & Sexualpädagogin, Autorin & freie Redakteurin

Dem gibt es nicht mehr viel hinzu zu fügen! Ich "traue" mich noch nicht, die neue Verfilmung anzusehen, wobei ich bereits jetzt Anmerken muss, dass der neue Michael mir, im Gegensatz zum Schwedischen deshalb weniger Imponiert, weil Daniel einfach James Bong mäßig "vorbelastet" ist und ich den autentischen Charakter von Mikael bevorzuge. Er ist auch kein "Sexsymbol Mann", was seinen Frauenverschleiß wesentlich interessanter macht, als wenn "Sexyboy" Daniel sowas darstellt! Und auch bei Lisbeth finde ich die Charakterdarstellung im Schwedischen sehr gelungen. Ich möchte an dieser Stelle keine Gefühlsduselei, weil sie das nunmal nicht ist. Lisbeth ist keine sanfte, schwache Frau. Da muss einem dann schon der Grenzgang zwischen ihrer traumatisierten Psyche und der Liebe zu Michael gut gelingen. Fazit: Natürlich sind die Bücher am BESTEN!
...
  • 27/01/2012
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Stefan Weiss

Stefan Weiss [◘ 111]

Autor bei subtext.at und diekritik.at

Zumindest punkto Lisbeth Salander scheinen sich also alle einig zu sein ;)
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