Rechte Recken und ihre Angst vor Weicheiern
Man ist stolz auf 3000 WKR-Ballbesucher, auch wenn die vielen leeren Tische eine andere Sprache sprechen, aber darum geht es ohnehin nicht. Wichtiger sind die exhibitionistisch zur Schau getragenen Schmisse – sind sie neu und noch gepflastert, müssen die Pflaster durchsichtig sein – und die gedeckelten Hirne.
Journalisten sind nicht zugelassen, ein paar sind trotzdem da. Frauen sind zugelassen, trotzdem sind kaum welche da. Woran das wohl liegt?
Gesprächsthema ist die Schlacht gegen die Demonstranten. Die werden zwar nicht nur als „linkslinke Faschisten“, sondern auch als „Schwule und Weicheier“ bezeichnet, doch fühlt man sich verfolgt, wie dazumal die Juden. Goliath – oder sollte man eher sagen Wotan – zittern die Knie. Trotzdem gibt man vor, „ein wundervolles kulturelles Fest“ (O-Ton Strache) zu haben. Schließlich wären sie "anständige Demokraten". Die Gegner des Balles nannte Strache "antidemokratische Gewalttäter", von solchen "undemokratischen Mechanismen" wolle man sich aber nicht ablenken lassen. Aber das kennen wir ja: Alles, was nicht den Willen der FPÖ erfüllt, ist rechts-widrig und antidemokratisch.
Die Angst wurde schon im Vorfeld aufgebaut: Gegner würden zu Gewalt gegen die Ballbesucher aufrufen. Schon vor der Schlacht erwog man daher Anzeigen – unter anderem gegen den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant – das werde geprüft, so der Dritte Nationalratspräsident, Martin Graf.
Für den Symbolvirtuosen Strache, der schon mit Kreuz und dem erhobenen Zeigefinger des Stephansdoms gespielt hat, ist der Ball kurzerhand "zum Symbol geworden – nicht für stolz gedeckelte Verwundete, sondern "für Demokratie und Meinungsfreiheit".
Als er sich unbeobachtet glaubt, schlüpft Strache wieder einmal in die geliebte Opferrolle, diesmal auf widerlichste Art sich selbst übertreffend: "Wir sind die neuen Juden", erklärt er Ballgästen, ohne zu wissen, dass Journalisten mithörten. Die Angriffe auf Burschenschafter-Buden vor dem Ball seien "wie die Reichskristallnacht gewesen". Klaus Nittmann, Chef des FPÖ-„Bildungsinstituts“, assistiert: "Unternehmen, die für den Ball arbeiten, bekommen den Judenstern aufgeklebt."
Die gedeckelten Burschen meinen das ja gar nicht so unfreundlich, ihre neuen Opfer sind ja heute längst die Moslems. Der unsägliche Vergleich mit den verfolgten Juden ließe sich aber satirisch bestens ausschlachten, was einem anständigen Journalisten aber die Achtung vor den Juden verbietet.
Dass man derartige FPÖ-Sager zum Kotzen findet, darf man aber trotzdem zum Ausdruck bringen. Geradezu typisch ist es auch, dass sich die Rechten als Goliath aufspielen – aber schon prophylaktisch panische Angst vor David haben. Die eigene Angst mit jener der Juden zu vergleichen, die nicht von Weicheiern, sondern von Nazis verfolgt wurden, ist allerdings ein innenpolitischer Höhepunkt und kultureller Tiefpunkt. Erst recht, wenn man die Nähe/Ferne der FPÖ von den einen und den anderen vergleicht.
Für alles weitere gilt: Worüber man nicht reden kann, weil hier bereits alle Grenzen des Geschmacks, der Kultur und des Anstands weit überschritten sind, darüber kann man nur mehr schweigen…
Quellen:
Strache auf WKR-Ball: "Wir sind die neuen Juden", derstandard.at
WKR-Ball begann verspätet, Demo blieb "generell ruhig", kurier.at
Bildnachweis: Daniel Rennen / pixelio.de
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