Faymann vs. Failmann
Der Social Media-Auftritt des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann sorgt nunmehr schon seit Wochen für ein kräftiges Rauschen im Blätterwald; kein Wunder angesichts der Tatsache, dass auf dem Weg zur Faymann'schen Online-Präsenz wieder mal kein einziges der vielen möglichen Fettnäpfchen ausgelassen wurde. So kam es, dass bereits im Vorfeld dieses lange angekündigten Web 2.0-Auftritts diverse Satire-Teams ihre Chance wahrnahmen und das Füllhorn des Spottes über die höchst unbeholfen wirkenden Schritte des Kanzlers und seiner Medienberater auszuschütten begannen.
Zu relativ großer Berühmtheit brachte es dabei Werner Failmann; das dreiköpfige Team hinter diesem „virtuellen Schattenkanzler“ hat sich dabei nicht nur durch eine sehr kreative Namenswahl (Engl. „to fail“ = fehlschlagen, ausfallen, nicht bestehen) hervorgetan, sondern auch durch eine Kompetenz in Sachen digitaler Medien, von der die sicher sehr gut bezahlten „Medienfachleute“ rund um den echten Werner Faymann nur träumen können; ein kurzer Vergleich der Anzahl der Freunde, der "Likes" und der "sprechen darüber" verschafft Klarheit darüber, wer bei den Österreichern besser ankommt. Dabei gehen alle drei Köpfe, die hinter „Werner Failmann“ stehen, natürlich weiterhin ihren Brotberufen nach und kriegen von niemandem auch nur einen Cent für ihre „Arbeit“ bezahlt.
Nicht so der echte Werner Failmann; denn laut einem Bericht des Standard wurden bereits 99.000 Euro für die Online-Präsenz des österreichischen Bundeskanzlers ausgegeben; die Gesamtsumme der für diesen Web-Auftritt vorgesehenen Geldmittel wird – je nach Quelle – mit 180.000 bis 200.000 Euro angegeben.
Geld, das selbstverständlich von den österreichischen Steuerzahlern kommt.
Da bleibt einem als halbwegs online-versiertem Menschen die Spucke weg: So viel Geld kosten also ein Facebook-Auftriff, ein Twitter-Kanal und eine sogenannte „Kanzler-App“, wozu immer diese auch gut sein soll. Und das heutzutage, wo doch wirklich schon jedes Kind ein Facebook-Profil anlegen und einen Twitter-Kanal betreiben kann. Sogar Heinz-Christian Strache, der Führer der rechtsgerichteten FPÖ, betreibt sein Facebook-Profil seit Jahren selber und bringt es auf über 106.000 „Likes“ und mehr als 6.500 „sprechen darüber“. Eine detaillierte Auflistung der Online-Aktivitäten österreichischer Politiker gibt es hier.
Doch zurück zu Faymann und seinen Medienexperten, die es mit spielerischer Leichtigkeit schaffen, sich immer weiter weiter lächerlich zu machen: Schnell kam nämlich heraus, dass sich in des Bundeskanzlers' Freundeslisten eine ganze Menge falscher Existenzen tummelten. Ob diese gefälschten Facebook-Existenzen jetzt wirklich gegen bare Münze gekauft wurden um die Freundeslisten des Kanzlers ein wenig zu pimpen oder ob sich da ein Übereifrige aus der Kanzler'schen Media-Taskforce ein paar Nächte um die Ohren geschlagen haben, wird sich vermutlich erst noch herausstellen. Doch im Zuge dieser „falschen Freunde-Causa“ folgte auch prompt gleich der nächsten Wirbel – dubiose Leserbriefe tauchten auf, von denen niemand in der SPÖ-Zentrale etwas wusste, die sich jedoch zu einer SPÖ-eigenen IP-Adresse zurückverfolgen ließen.
Inzwischen wird aus den Kreisen rund um den Kanzler heftig dementiert, relativiert und abgewiegelt, wovon man sich auf der offiziellen Homepage von Bundeskanzler Werner Faymann überzeugen kann. Im Moment wird sogar die gesamte Hauptseite ausschliesslich zu einer recht hilflos wirkenden Rechtfertigung genutzt - Doch halt, noch eine Homepage? Ganz genau, die wurde natürlich auch im Zuge dieser ganzen Online-Offensive aus dem Boden gestampft; immerhin kann man die jetzt dazu verwenden, das ganze, bereits arg verwackelte Bild wieder ein wenig zurechtzurücken. Ob's was nutzen wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln – zu sehr erinnert dieses "Media-Gate" bereits an eine andere, schon etwas weiter zurückliegende Homepage-Affaire . . .
Und immer blutet dabei der Steuerzahler.
References: derstandard.at, diepresse.com, salaminews.at, wirtschaftsblatt.at, bundeskanzler.at


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