„Hauptsache sie Reden!“ Bullshit | Teil 1: featuring VW/Greenpeace
Vor Kurzem spielte VW die virale Karte aus, indem der Autokonzern einen kleinen Jungen ins Darth Vader Kostüm steckte und vermeintlich „the Force“ auf einen 2012er Passat anwenden ließ.
Genial, lustig und mit 40.715.474 Aufrufen am 10. Juli eine der erfolgreichsten Autokampagnen im Netz.
Greenpeace hatte eine geniale Idee, der Kampagne eine virale Kehrtwende zu verpassen. Wie viele große NGOs ist Greenpeace geschult darin, mit guten Ideen, das mangelnde Werbebudget zu umgehen und im Netz hohe Wellen zu schlagen.
Man entschied sich für eine Fortsetzungsgeschichte, in welcher Darth Vaders Ursprungsdasein herangenommen wird und der Cuteness Faktor von den grünen Webveteranen systematisch demontiert wird.
Dem bösen Vader stellt sich eine Armee von Mini-Rebellen gegenüber. Ein großer Todesstern trägt das VW Logo und beschießt unsere Erde mit dem Weltenzerstörer-Strahl usw. usf.
Dem Konzern wirft der Spot schlussendlich vor, Beschränkungen für CO2 Emissionen entgegenzuwirken und fordert auf der beworbenen Webseite den Besucher auf, eine Petition für eine aus drei Schritten bestehende Veränderung der Konzern-Roadmap zu unterzeichnen:
- Greenpeace vordert VW auf, Lobbying gegen ein CO2-Reduktionsziel der EU von 30 Prozent bis 2020 einzustellen
- Lobbying gegen Druck der EU, für nachhaltigere Autos einzustellen
- Bis 2040 nur noch Autos herzustellen, die ohne Benzin laufen.
Die ganze Kampagne brachte es mittlerweile auf knapp 206.000 Unterschriften und diverse Awards beim Werbefilmfestival in Cannes.
Was mich aber mehr an der ganzen Sache interessiert, ist dieses regelmäßige runterbeten von „VW profitiert von dieser Kampagne, hauptsache sie reden!“ vom Zeit-Artikel bis in diverse Foren. Jedes Mal wenn ein Konzern oder sonst irgendein Produkt einen medientechnischen Schlag vor den Latz bekommt, glauben Pseudo Werbekenner, sie können Hollywood zitieren.
Konsequenzen
Das Video wurde mittlerweile von Youtube entfernt, ist jedoch (Das Internet vergisst bekanntlich nicht) von Usern wieder hochgeladen worden. Greenpeace ist derweil auf einen anderen Videoanbieter ausgewichen und hat durch die Löschung nur noch mehr Publicity gewinnen können (Ihr wisst schon, "gute publicity" funktioniert ja Gott sei Dank noch).
VW ist auf jeden Fall in ein schlechtes Szenario hineingeraten: Sie kämpfen gegen einen NGO, der sie attackiert, indem er auf ihren eigenen "Statements" bzw. Konzepten aufbaut. Dies versteht man als den Inbegriff von Guerilla Marketing: Sich durch Geschick die Nachteile des größeren Gegners zum Vorteil machen.
In diesem Fall ist der Angriff bisher nur ein Streifschuss gewesen. VW gilt nicht nur als ein recht umweltfreundlicher Autobauer, der kommunizierte Vorwurf von Greenpeace ist auch nur sehr dürftig. "XY tötet 500.000 Katzen jedes Jahr für neue Pelzmode!" - Das versteht man. "Unterstütze die Rebellion. Unterzeichne das Manifest und verlange Veränderungen von VW." - verlangt bereits ein Scrollen des Users auf der angebotenen Seite um genauere Erklärungen zu bekommen.
Volkswagen hat auf jeden Fall zur Mitte des Jahres einen medientechnischen Brocken zu schlucken bekommen, gegen das Image von General Motors und Toyota wird der Riese aber wohl derzeit noch ankommen.
Der Konter
Nicht dass ich eine Bewegung im Sinne unserer Gesundheit und Umwelt nicht unterstütze (ich hab sogar unterzeichnet!) aber sich in die Schuhe der Marketing-Abteilung VWs zu begeben, konnte ich mir nicht nehmen lassen. Die Idee, auf die ich kam:
Die Antwort auf die Antwort.
Darth Vader Boy fragt in Richtung der Kinder: "Warum die ganze Aufregung"
Luke Skywalker Boy antwortet: "Mein Papi sagt, das Auto deines Vaters zerstört unseren Planeten"
Darth Vader Boy: "Echt, was fährt denn deiner für ein Auto?"
Luke Skywalker Boy: "Einen Hummer"
Alle schauen Luke Skywalker Boy erschrocken an, dieser senkt seinen Kopf.
Darth Vaders Song kommt wieder und man sieht den neuen Passat mit dem Untertitel:
Informier dich besser, Greenpeace! Der neue Passat, jetzt günstiger mit Förderung in der Öko-Version.
Oder so ähnlich...
Beim nächsten Mal: Demontage der Redensart und Beispiele
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