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Title Image Of An der schönen, blauen Techno Donau

An der schönen, blauen Techno Donau

Eine unscheinbare Fassade birgt eines der außergewöhnlichsten Locations der Stadt!

Donau Techno

Ich erntete Hohn und Spott, als ich vergangenen Samstag nach einer Partynacht vor die Wahl gestellt wurde (es war viel mehr eine Frage des Gruppenzwangs), ob ich mit meiner "Crew", wie man auf neudeutsch zu sagen pflegt, noch ins "Donau" gehen wolle und erwiderte, das besagte Lokal nicht zu kennen. Offensichtlich ist dieser Fleck auf meiner Landkarte des Wiener Nachtlebens völlig unerforscht weiss gelieben, so entschloss ich mich in diese für mich ungeahnten Tiefen des Fragezeichens zu begeben.
Nachdem wir also, zu fünfzigst, den Hinterausgang des MQs nahmen und uns in Richtung Mariahilfer bewegten, und sich der Zerbrochenes-Fenster-Effekt an den Hauswänden bemerkbar machte, stieß ein mir mittelbekannter Mensch plötzlich in die vollgetaggte Wand hinein, die sich später als Tür entpuppte.

Und dann waren wir drin. Mein erster Gedanke: Wo zur Hölle bin ich hier gelandet?! Es war so eine Art Gruft, mit gewölbten Balustraden und schön verzierten Säulen. Wie ich später erfuhr, war dieser Ort einmal eine Synagoge. Von den Decken hingen länglich geformte Styroturvierecke, alles tapeziert von mindestens 8 Beamern die ein flashiges Standbild zeigten, gehülllt in dunkel, dunkel und nochmal dunkel. Ich fühlte mich so, als ob ich in irgendeinem New Yorker Underground-Club (Bild vermittelt von amerikanischen Filmen) gelandet wäre, und noch dazu in einem, der so underground ist, dass er wieder mainstream ist.
Wer also sich einmal so richtig Underground fühlen möchte, ohne dem schicki-micki-sehen-und-gesehen-werden-Kram zum Opfer fallen zu müssen (denn im Donau reicht die Beleuchtung nicht dafür aus), der möge hereinspazieren.

Wie bereits schon erwähnt versteht sich das Lokal von außen als ein dreckiges und muffiges Loch. Das ist es quasi auch, aber das Publikum ist für dieses Image noch nicht bereit, sprich sehr konventionell. Dieser Umstand schafft im Endeffekt eine etwas komische Atmosphäre, in der man deutlich spürt, dass Ort und Mensch nicht 100%ig harmonieren. Man konzentriert sich lieber auf das Trinken und auf die große gelbe Leinwand, auf der eine Illustration aus einem englischen Kinderbuch abgebildet ist (diese Überraschung möchte ich euch nicht vorwegnehmen, werdet ihr erraten wie das Buch und der Autor heissen?).

Ersteres, auf das man sich konzentrieren sollte, entpuppt sich als eine wichtige Aufgabe, zumal Barkeeper und Kellner den Freundlichkeitsgrad einer Adlermutter, die ihre Adlerküken beschützt, kaum zu toppen vermögen und Preis und Qualität der Getränke genausowenig harmonieren wie Location und Gäste. Ergattert man erstmal liquide Erfrischung, so lässt man sich auf einen von den Plätzen auf einen von den Kinositzbankreihen, die entlang den Wänden aufgestellt sind, nieder und schaut in die Umgebung und fühlt sich im Prinzip sehr angenehm.
Die Musik, meistens Techno (Bevor eure Alarmglocken läuten, lasst euch sagen: es gibt auch guten Techno!), massiert das Trommelfell so ölig, sodass noch genug Dezibel für eine Unterhaltung übrig bleiben.
Viele bekannte und talentierte DJs der heimischen Technoszene legen hier regelmäßig auf. Es gibt aber auch Abende, an denen softe Dub- und Raggatunes ins Bewusstsein dringen, oder Drum and Bass euer inneres Metronom anspornt.
Ein Highlight ist auch der Hauseigene Würstelstand, wobei fraglich ist, ob die Würstel um 3-4 Uhr in der Früh, quasi die normale Zeit, in der man ins Donau geht, noch den Statuten der WHO (World Health Organisation, pfoah hab ich ein Wissen!) gerecht werden.

Am Ende muss ich trotz Allem ausdrücklich hinzufügen, dass man allein wegen des visuellen Staunens, in das man sofort nach dem ersten Schritt in das Lokal versetzt wird, ins Donau gehen sollte. Einmalig in Wien!

last time modified: July 15, 2011, 3:05 p.m.

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