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Auto, Motor, Schrott

Auto, Vespa oder Motorrad - was ist im Wiener Stadtverkehr am sinnvollsten?

Vor kurzem startete ich eine Versuchsreihe. Ziel war es, die Unterschiede vollkommen verschiedener Fahrzeug-Typen im Wiener Stadt-Verkehr zu analysieren. Hierzu verwendete ich drei Fahrzeuge, die Unterschiedlicher kaum sein könnten:

1. Das Auto. Ein Fiat; einer der besonders hässlichen, ein Multipla. Mit 75 PS und irgendwo um die 13 sek auf 100 km/h.

2. Der Roller. Eine uralte 49 ccm Vespa mit 1 ½ PS und Hand-Schaltgetriebe. Höchstgeschwindigkeit 45 km /h. Von 0 auf 100 km/h in.... „Hust.“

3. Das Motorrad, eine 204 kg schwere Yamaha mit 600 ccm, 105 PS und weniger als 4 sec auf 100 km/h.

Ich hasse das Wiener Ampel-System, es stiehlt mir unfassbar viel Zeit und Nerven. Seit längerer Zeit versuche ich das Wiener Ampel-System richtig zu interpretieren. Ich möchte verstehen worauf es ausgelegt ist. Was ist der gemeinsame Kurs, die interne Linie auf die beim Erhalt und der Verbesserung des Systems wert gelegt wird? Um unsere Testfahrzeuge nun in einem konkreten Vergleich gegeneinander antreten zu lassen, sehen wir uns ihr Können im speziellen anhand der Ampel-Phasen in Wien an.

Betrachten wir das Auto

Ich vermeide es eigentlich nach Möglichkeit in Wien, und vor allem im Zentrum mit dem Auto unterwegs zu sein. Das Testfahrzeug ist ja, mit über 2 m Breite, auch etwas platz-aufwendiger. Nachdem ich mich hier mühselig durch enge Gassen bis in die Nähe meines Ziels gequält habe, rechne ich schon damit noch einmal so viel Zeit aufwenden zu müssen, um einen Parkplatz zu finden. Dort muss ich es dann auch noch hinein schaffen - gar nicht so einfach, bin ich doch im einparken etwa so gut wie meine Mutter. Nun hoffe ich einen Parkschein dabei zu haben, damit ich dann bis in die späte Nacht (22:00) hinein 1,70€ je Stunde parken blechen darf. Im Heimatbezirk darf man sich ja ein Parkpickerl leisten. Quasi. Blöd jedenfalls, hätte ich mal wieder keinen Parkschein im Auto. Trotzdem halb so schlimm, man kann die ja seit neustem an jeder U-Bahn Station erwerben. Na dann.
Wie verhält es sich an den Ampeln?

Schnell zeigt sich, dass die Beschleunigung-Kraft des Fiat´s nicht ausreicht, um alle Ampeln zu erwischen. Aber brauche ich denn etwa Beschleunigung, um rechtzeitig in dem normalen 50 km/h Stadt-Verkehr Ampeln zu erreichen? Ja, erstaunlicher Weise. Es ist absurd, aber so ist es! An vielen normalen Straßen in Wien reicht es nicht 50, 55, 60 km/h Stunde zu fahren, nein, man muss sich kurzzeitig und vor allem schnell auf 70 km/h katapultieren können. Biege ich beispielsweise am Schwedenplatz auf die Lände ein, brauche ich eigentlich kein Gas mehr zu geben. Die nächste Ampel wird in wenigen Sekunden zu blinken beginnen, die 200 Meter schaffe ich nicht, keine Chance sie zu erwischen.

Wie verhält sich denn die Vespa im Wiener Stadt-Verkehrt?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine Vespa, beziehungsweise auch die anderen billigeren und hässlicheren Plastik-Mopeds z.B.: aus Fern-Ost, die besten Fortbewegungsmittel für den Innerstädtischen Verkehr sind. Sie sind sparsam, kosten kein Parkpickerl, keine Parkscheine, wenig Versicherung und fast keine Steuern. Sie sind wesentlich kleiner, das heißt einerseits keine Parkplatzsuche, und andererseits, dass wesentlich mehr von ihnen unterwegs sein können. Ich kann ja vom Motorrad aus nur den Kopf schütteln, wenn ich mich in einem Stau befinde – in dem ich als einer der wenigen ja noch voran komme – mich umblicke und feststelle, dass in in Zwei Dritteln aller Autos nur ein Mensch drin sitzt. Welch eine Verschwendung!
Die hier verwendete Vespa fällt vor allem dadurch auf, dass Beschleunigung, und das meine ich ernst, NICHT existiert. Wenn ich mit Höchstgeschwindigkeit, also ca 45 km/h, über den Ring tuckere und die nächste Ampel zu blinken beginnt, kann ich nur die Hand vom Gas nehmen und ausrollen. Es gibt keinen Unterschied in der Gasannahme, nur Gas oder kein Gas. Zum bildlichen Verständnis, das hört sich dann so an: Brrrrrrrrrrrr oder Bssssssssss...

Nichtsdestotrotz ist es eine interessante Erfahrung, dass die Geschwindigkeit der Vespa eigentlich ausreicht. Zwar wird man permanent von hupenden und schimpfenden Autofahrern überholt und geschnitten, doch steht man dann an der nächsten Ampel wieder neben ihnen oder rollt ganz gemütlich und süffisant grinsend an ihnen vorbei. Oder Kopfschüttelnd, über das Maß an unnötiger Gefährdung und Mangel an Respekt gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Der Mangel an Respekt, den einem die Wiener Autofahrer entgegenbringen, ist ernsthaft erschütternd! Einmal bin ich auf der Zweier-Linie entlang geknattert, als mich ein schwarzer 1er BMW mit zwei, aus dem offenen Fenster heraus feixenden Jugendlichen, brutal von rechts schnitt.  Dank meinem IPod verstand ich deren Witze nicht genau. Jedenfalls absolut erbärmlich, so ein Verhalten auf der Straße. Zu komisch, dass ich später herausfinden sollte, wer die beiden waren. Ja, Kennzeichen haben schon etwas für sich.

Welche Erkenntnisse gewinne ich auf der Yamaha?

Nun, interessant ist beispielsweise, dass es einen schnell den Führerschein kosten kann, über die Beschleunigungskraft eines Super-Sport-Wagens zu verfügen. Letzte Woche erst düse ich nach Neustift. Auf der Pötzleinsdorfer-Alee lande ich plötzlich hinter einer Garnitur der Straßenbahn 41. Ein schneller Blick zeigt eine leere Gegenfahrbahn. Ich bin im zweiten Gang und gebe Gas. Innerhalb eines Wimpernschlags ziehe ich an der Bim vorbei. Das klingt dann eher nach NIIRRRIIIUEEMMM.. So weit, so gut. Dann ein kurzer Blick auf den Tacho: 110 km/h. Ja, diese Geschwindigkeit kostet den Führerschein. Mehrmals.
Auf die Ampel-Phasen eingehend, möchte ich anmerken: Nun, alle Porsche Besitzer werden wissen was es heißt, eine in der Ferne blinkende Ampel erwischen zu können. Blos muss man darauf achten, nicht wieder aus versehen die 100 km/h Grenze zu brechen. So ein Motorrad ist überhaupt ein ziemlicher Gegner der STVO. Geschätzte 55 Mal breche ich mit der Yamaha die Straßen-Verkehrsordnung. Täglich.
Im Vergleich mit der Vespa offenbart sich aber doch, dass die Versicherung die des Mopeds um das sechs-Fache übertrifft. Bei dem Verbrauch verhält es sich ähnlich. Die Vespa muss ich ein, bis maximal zwei Mal pro Woche voll tanken. Die Yamaha drei Mal. Klingt nach keinem großen Unterschied? Wenn man vergisst, dass der Tank der Vespa 5 Liter, der der Yamaha hingegen 17 Liter fasst, vielleicht.
Im Vergleich mit einem Auto ist das aber natürlich noch immer wenig. Und im Vergleich mit dem Fiat - nun wahrlich keine Edelkarosse - kostet die, mit der Vespa verglichen unfassbar teurere Versicherung, noch immer weniger als die Hälfte.

Ein anderer Vorteil offenbart sich im Test allerdings für die Vespa: Auf dem Motorrad erwatet man von dir einen Nierengurt, Handschuhe, feste Stiefel, einen Voll-Visier-Helm und am besten noch das Ganzkörper-Kondom, den Ganzkörper-Leder-Schutzanzug. Auf einer Vespa kann man aber sehr geschmackvoll im Anzug und Krawatte reisen. Ein Halbschalenhelm reicht vollkommen und gemütlicher ist es auch.

Das Konklusio?

Es gibt in der Stadt nichts schnelleres als ein Motorrad. Jeder der etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung. Das klügste ist ein Moped. Stil-halber eine Vespa. Jeder Autofahrer ist ein Idiot. Außer es regnet, schneit, hagelt, man etwas transportieren muss, oder zu mehreren ist. Ansonsten ist Auto fahren - gerade in der Stadt - unökonomisch, unökologisch und dumm.
Und jetzt kommt mir bitte nicht mit dem Argument der Sicherheit. Offensichtlich habe ich die Testreihe unbeschadet überstanden. Übrigens hat es seinen Grund, das Motorrad-Fahrer, statistisch bewiesen, die besserer Autofahrer sind. Man lernt halt für die anderen Mitzudenken. Irgendwo klar, wenn man sich immer vor Augen hält, das der Fahrfehler keine Alu-Felge, sondern ein Bein kostet. Seid halt nicht solche elendigen Pussys!

last time modified: July 14, 2011, 2:05 p.m.

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