Bilder, ihr Libyer, wir wollen Bilder!
Oder was hält uns davon ab, so vehement solidarisch zu sein wie in den Wochen zuvor mit den Ägyptern?
- Politics & World Affairs
- 22/02/2011
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Eigentlich traurig, dass wir uns alle mit Anspruch und Wirklichkeit der Moral eines politischen Blenders befassen, statt gebannt nach Libyen zu blicken, wo schon hunderte von Demonstranten ihren Ruf nach Freiheit mit dem Tod bezahlt haben. Wo sind die zahlreichen Stimmen wegen ausbleibender Sondersendungen in ARD und ZDF? Wo sind die sympathischen Modem-Sammler für das derzeit internet-lose Libyen und überhaupt die ganzen Solidaritätsaktionen wie etwa der Anruf-zu-Podcast-Service mit Twitter-Anschluss von Google? Am strauchelnden Minister liegt das wohl kaum. Vielleicht daran, dass Libyen kein so bekanntes Urlaubsland ist und man auch niemanden kennt, der dort je war? Oder vielleicht daran, dass man ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein in Libyen doch nur zivilisationsferne, gewalttätige Extremisten vermutet, und nicht diese freundlichen, hemdsärmeligen Typen wie in Kairo, die man sich so prima als Facebook-Freunde vorstellen kann?
Ja, es sind wohl wirklich die fehlenden Bilder, die fehlende, medial vermittelte Lebensnähe. Wenn, dann sieht man typischerweise nur undeutliche Bilder, die ein verschwommenes Inferno zeigen, mit ein paar vermummten Gestalten vielleicht, aber keine offenen Gesichter, in denen man deutlich den Wunsch nach Bürgerrechten und Freiheit lesen kann. Ein Beispiel: die Flickr-Suche nach "Ägypten Demonstration" ergibt hunderte von Treffern und liefert die gewohnten Bilder, mit denen wir uns alle so prima identifizieren konnten. Die entsprechende Flickr-Suche nach "Libyen Demonstration" findet dagegen ...? Nichts, gar nichts.
Auch aus einem Land, in dem das Internet gekappt wurde, sollten eigentlich irgendwelche Bilder nach außen dringen. Bilder, mit Mobiltelefonen aufgenommen, die uns Menschen hier draußen zeigen, was wir ohne solche Bilder offenbar viel schwerer imstande sind zu empfinden: nämlich echte, nachbarschaftliche Solidarität. Bitte, ihr Libyer, werdet euch unserer menschlichen Defizite diesbezüglich bewusst und lasst uns Bilder sehen. Bilder von ganz normalen Menschen, möglichst mit Kindern, gerne auch mit Fähnchen, und ihr wisst schon - diese witzigen Plakate, wo irgendwas Arabisches drauf steht und in großen lateinischen Lettern FACEBOOK dazwischen. Hey, ihr wollt unsere Solidarität? Dann müsst ihr lernen, euch zu verkaufen! Denn das ist die Sprache, die wir verstehen. Nehmt euch ein Beispiel an unserem strauchelnden Minister. Der versteht diese Sprache wie kein anderer!
[Titelbild: Libyan Arabs from Al Bayda city]
last time modified: July 15, 2011, 7:40 a.m.

Comments
Eva Schumann
22/02/2011 · report · direct link · reply
LOL.
Ein weiterer Grund, warum jetzt im Fall Libyen weniger Echo in den Social Media/Medien festzustellen ist, ist vermutlich, dass Ägypten, Tunesien und Marokko beliebte deutsche Reiseziele sind und jeder schon mit Menschen zu tun hatte, die aus diesen Ländern stammen, selbst wenn er/sie noch nicht dort war. Vermutlich stumpft man außerdem langsam ab nach ein paar Wochen Revolution in den Nachrichten. Aber ich bin zuversichtlich, dass wirklich viele Menschen mit dem "gemeinen Libyer aus dem Volk" mitfühlen und ihm/ihr Erfolg wünschen. Ich tue es jedenfalls.
PS: Aber Ägypten war schon besonders: diese stoische Friedfertigkeit, dieses verblüffende Vertrauen in das Militär, Hartnäckigkeit gepaart mit einer gewissen Naivität - Schritt für Schritt, Tag für Tag diese Massen - bis zum Erfolg (jedenfalls sieht das jetzt so aus) war extrem beeindruckend.
Stefan Münz
25/02/2011 · report · direct link · reply
Ja, in Libyen ist alles anders. Mehr Bürgerkrieg als friedliche Revolution. Und erhöhrt haben sie mich jetzt auch:
www.rp-online.de/politik/ausla…
Leider ist vieles davon wohl nur für hartgesottene Erwachsene.