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Das Ende für Einser-Schüler

Die Grünen fordern die Abschaffung von Noten in den Volksschulen. Auch von Bildungsexperten wird dies immer wieder propagiert. Viele Eltern sind dagegen. Vielleicht weil sie nicht wissen, wie Schule ohne Noten überhaupt funktionieren soll.

Schule ohne Noten? Wie soll das gehen? Die (immer wieder auftauchende) Debatte um die Schulnoten-Abschaffung erhitzt die Gemüter. Weltuntergangsähnliche Szenarien werden dann heraufbeschwört. Wie etwa: Wenn die Kinder in der Schule keine Noten bekommen, dann leisten sie nichts. Dann können sie sich nicht eingliedern in unsere Leistungsgesellschaft. Und wir haben dann ganze Generationen von faulen jungen Leuten, die nie erfahren haben, was es heißt, zu arbeiten.

 Bestseller alternative Leistungsbeurteilung

Was dabei viele vergessen: In vielen österreichischen Volksschulen wird bereits jetzt schon die sogenannte „alternativen Leistungsbeurteilung“ eingesetzt. Schüler und Schülerinnen erhalten anstatt Noten beispielsweise ein verbales Feedback oder Lernzielkataloge, in denen ihre Leistungen eingetragen und mit Kommentaren von der Lehrperson ergänzt werden. Allen der Noten-Abschaffung gegenüber kritisch Gestimmten sei gesagt: Die (Schul-)Welt ist deswegen nicht zusammengebrochen. Schule ohne Noten funktioniert.

Diese Erkenntnis ist allerdings noch nicht bei allen in Österreich angekommen. Derzeit dürfen nur die Volksschulen (erste und zweite Klasse) die alternative Leistungsbeurteilung einsetzen, und auch nur im Rahmen eines Schulversuchs. Dieser Schul- „versuch“ dauert schon fast 40 Jahre an; 1974 wurde er eingeführt. Die Nachfrage vonseiten der Schulen ist jedoch noch immer ungebrochen: An den rund 3.300 österreichischen Volksschul-Standorten laufen etwas mehr als 1.500 dieser Schulversuche zur alternativen Form der Leistungsbeurteilung. Auch wenn die Schulen sich darum reißen, so scheint sich der Großteil der österreichischen Bevölkerung nicht vom System der Schulnoten trennen zu wollen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IMAS zeigt, dass sich mehr als die Hälfte der 1.000 Befragten gegen eine Abschaffung der Noten aussprechen. Vor allem Eltern scheinen skeptisch gegenüber der neuen Form der Leistungsbeurteilung zu sein. So waren Dreiviertel der 30-39 Jährigen gegen die Abschaffung von Schulnoten. In jüngeren bzw. älteren Altersgruppen gab es deutlich weniger Gegner.

Bildungsexperten teilen die Ablehnung der Eltern nicht. Laut Johannes Mayr, Professor für Qualitätsentwicklung und –Sicherung im Bildungsbereich, könne man die alternativen Leistungsbeurteilungen problemlos in das bestehende  österreichische Schulsystem integrieren, ohne an der bisherigen Struktur viel ändern zu müssen. Georg Koenne, Bildungsreferent der Grünen, beseitigt auch die letzten Bedenken. So wäre der Übergang von der Volksschule zu einer weiterführenden Schule kein großes Problem. Natürlich wäre es weiterhin notwendig, dass die Volksschule der nächsten aufnehmenden Schule eine Information zum Leistungsstand des Kindes liefere. Dies könne allerdings laut Koenne zukünftig durch ein Portfolio geschehen, also eine Mappe mit gesammelten Leistungen des Kindes.

 „Mir geht es sehr schlecht mit dem derzeitigen System“

Viel wichtiger als solche organisatorischen Fragen sind Mayr die Probleme im derzeitigen Schulalltag. Das gegenwärtige Beurteilungssystem hemme Schüler und Schülerinnen, Fehler zu machen. Oft würden die Eltern die Hausübung mit den Kindern gemeinsam erledigen, damit das Kind mit einer fehlerlosen Aufgabe in die Schule komme. „Wenn ich das höre, dann geht es mir sehr schlecht damit.“, so Mayr. Die Lehrkraft müsse wissen, wo das Kind Schwächen habe, um es in seiner Kompetenzentwicklung unterstützen zu können. Deshalb spricht Georg Koenne sich für einen geregelten Zeitplan in der Schule aus. Es müsse bestimmte Zeiten geben, in denen die Kinder Leistung erbringen sollten. Doch in gewissen Phasen müsste es den Schülern und Schülerinnen möglich sein, Fehler zu machen, die sich nicht auf die Beurteilung auswirkten. Die derzeitige Dauerbeobachtung der Kinder durch die Lehrer sei eine „Katastrophe“. An gewissen Punkten im Schuljahr müsse laut Koenne natürlich überprüft werden, wie weit die Kinder in ihren Fähigkeiten seien. Dazu könne man selbstverständlich auf das bisherige System mit Tests und Schularbeiten zurückgreifen. Johannes Mayr fordert allerdings, dass die Leistungsüberprüfung realitätsnäher gestaltet wird. So sei es seinen Studenten erlaubt, bei Prüfungen auch Unterlagen zu verwenden, denn: „Genau das tue ich in meinem Arbeitsalltag. In der Realität schaut man nach, wenn man etwas nicht weiß und lernt nicht alles stur auswendig.“

Johannes Mayr findet, dass Eltern durch Noten nur abgelenkt sind. „Kommt ihr Kind mit einem Einser nachhause, sind sie zufrieden. Das betreffende Fach ist abgehakt. Ich wünsche mir aber, dass sich Eltern für das Lernen ihrer Kinder interessieren und nicht nur für die Note."

last time modified: July 14, 2011, 12:05 a.m.

Comments

KHG

KHG

27/06/2011 · report · direct link · reply

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Das Problem ist doch nicht ob Noten oder keine Noten (von mir aus auch Sternchen), das Problem liegt doch wesentlich tiefer, in der ganzen Art und Weise unseres Systems:

1. Es ist Schwachsinn, Kinder nach Alter zu sortieren - man stelle sich mal vor, wie es in Unternehmen aussähe, wenn die Hierarchie nach Alter gegliedert wäre. Richtig, stattdessen geht man nach Leistung, Talent und Stärken. Selbiges müsste auch in der Schule passieren.

2. Der Unterricht selbst und seine Art der Lehrstoff Vermittlung. Unser Schulsystem (die Uni teilweise auch) basiert darauf, dass man sich innerhalb von ein Paar Tagen eine riesige Stoffmenge einpaukt, dann kurz abruft, und anschließend wieder vergisst.

Eigentlich gibt es noch viel mehr, aber der Ansatz mit den Noten ist vielleicht gar nicht so schlecht.. für den Anfang!

Dreiheit

Dreiheit

26/06/2011 · report · direct link · reply

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Das größte Problem ist ja wirklich die derzeitige Einstellung der Eltern. Die Kronen Zeitung hat es mittlerweile erfolgreich geschafft: Der Lehrer ist zum Feindbild geworden. Kriegt der Schüler einen Brief mit nach Hause, wird dieser seltener von den Eltern bestraft als dass diese zum Lehrer laufen, um mit diesem "ein Hühnchen zu rupfen".