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Das Popfest 2011

Eine fast Live-Berichterstattung

Nach einem Härtepunktesammeln beim Popfest, das sich über die letzte Hälfte vergangener Woche erstreckte, resigniere ich zu Beginn der neuen Woche im Bett. Schmerzender Hals, dröhnender Kopf, sich scheinbar zusammenrollender Magen. War es das wert? Ein Popfestmarathon mit festivalähnlichen Wetterumschwüngen und Dixieklosituationen?

 

Tag 1. Donnerstag Nachmittag, spontaner Ausflug zum Karlsplatzgewässer. Sich ankündigende Musik, mitgebrachte Werkstücke von der Universität, die zu praktischen Zwecken zu Sonnenhüten umfunktioniert werden (bzw zu späteren Bezeichnungen und Anlehnungen an den Sonnenkönig Louis XIV. veranlassen –siehe Bild: es ist übrigens eine Goldradhaube aus Stroh. Zitat: „Nennt mich Sophie Quatorze!“). Und Wein. Und Hitze. In einem Falter-Interview bestreitet der Organisator und Kurator Robert Rotifer zwar, dass das Popfest ein Donauinselfest für Bobos sei, diese Bezeichnung trifft es aber nach einiger Überlegung doch ganz gut. Denn –so Rotifers stärkstes Differenzierungsmerkmal – geht es auch beim Popfest nicht nur hauptsächlich um die Musik, es herrscht trotz Bemühungen in andere Richtungen volksfestähnliche Stimmung. Lange vor den Konzerten sammeln sich die Bobo-Gruppen um das Karlsplatzgewässer, in dem auch Entenkinder Platz finden. Auch auf den Stufen der barocken, monumentalen Kirche erhaschte man Trauben von entweder zwischen den Vorlesungen Pause machenden TU StudentInnen, oder einfach das Ambiente genießende andere Jünglinge, die sich in den spätfrühlingshaften Sonnenstrahlen frönen.

Musikalischer Auftakt dann von einem, dem typischen Bild des Bobos nicht ganz entsprechenden Interpreten. Skero. Trotzdem bewegten die FM4 Hörer zu Kabinenparty den Kopf im Takt. Später bestritt Gustav, die mit fast schon Lady Gaga allürenhaften Bewegungen tanzte, die sogenannte Seebühne. Catchy Tunes in H&M Leiberl. Ungrazile Schritte neben productgeplaceten Applegeräten. Aber ok.

Später im Brut: Crazy Bitch In A Cave. Crazy as Fuck indeed.

Und dann taumelt man, angestiftet von der Festivalstimmung, zufrieden nachhause.

 

Tag 2. Ohne Pause, geschweige denn viel Schlaf vom Vortag auch wieder direkt nach der Uni (diesmal nicht aus Hetzendorf anreisend, sondern direkt von der Gußhausstraße, dem TU Gebäude für Elektrotechnik) zur Bühne schlendernd. Schnell ein Energydrink, schnell noch eine Flasche Wein kaufen, sich schnell in die Masse drängen und die 20 Leute suchen, die man treffen sollte, wollte, etc.

Und an diesem Tag war neben dem insgesamt an die 50 000 Zuschauer anlockenden Popfest ein anderes, an diesem Tage anscheinend gut besuchtes Fest im Gange. Zwischen Trouble Over Tokyo, Coshiva und Violetta Parisini wagt man dann doch auch einen Abstecher zum lang ersehnten Mathematikfest im Freihaus neben der TU Bibliothek. Schlechtere Musik, aber weitaus billigere Getränke. Klebriger Boden, ein Sichsehenlassen und Sehen der neuen und alten Analysis-Nerds und sogar ein weit gereister Besuch aus Deutschland. Aber noch bevor das Popfest mit seinem Open Air Auftritten zu Ende ist, ist der Höhepunkt der Mathematikparty auch schon überschritten. Überfüllung! Dass es sowas bei einer Festivität der technisch angewandten Naturwissenschaften gibt, war selbst den integrierten neu. Niemand mehr wurde reingelassen und die, die unbedingt zum Mathefest wollten, stießen nacheinander wie Lemminge gegen die von Securities bewachten Türen, die sich nicht mehr öffnen ließen. Also wieder zurück zum Popfest. Oder, wer einen um nur einige Meter weiteren Weg zurück legen wollte, zum Museumsquartier, wo an diesem Abend ebenfalls Anlass gegeben wurde, ein besonderes Event zu gestalten. 10 Jahre Museumsquartier! Mit Auftritten von u.a. Stermann und Grissemann.

Die Massen verstreuten sich.

 

Tag 3. Endlich Samstag. Ausschlafen. Und nach dem Frühstück am späten Nachmittag mit noch immer leicht müden Augen zum Selbstexperiment gleich wieder zum Karlsplatz. Dass morgen Muttertag ist und man hätte Geschenke besorgen sollen /können, verdrängt der Gedanke an das persönliche Highlight des Popfestes. Ja, Panik! Mit neuem Album, neuen Inhalten, neuer Heimat.

Am dritten Tag hat man auch schon die Essensoptionen des Popfestes erprobt. Eine Crêperie, ein Buritostand und ein Wokzelt bieten kulinarisch internationale Alternativen zu nächtlichen Kebapstandbesuchen oder Hotdogs. Schlussendlich landet der Besucher, der von den Massen, die sich ins Brut oder um den Ja,Panik Tourbus drängen, genug hat, jedoch all den Angeboten zum Trotz beim nahe gelegenen McDonald's. Mitsamt anderen Popfestbesuchern, denen einfach kalt ist oder denen der Wein und das Geld ausgegangen ist.

Mit steigender Kälte, Müdigkeit und alkoholspiegelbedingter Kälteresistenz verlässt man auch das Junkfoodlokal knapp vor Sperrstunde und spaziert auf umständlichem Wege nachhause. Dass das Rad an unvorteilhaftem Platz bei der TU angekettet ist, macht einstweilen noch keine Sorgen. Man denkt nur an Ja,Panik, ihr sich der CD-Chronologie sehr gut fügendes neues Album und deren wunderbar wahre Texte. Man denkt an Chickenburger und Sourcream Dip, effizientere Heimwege und schlussendlich wieder an erhabene Auftritte von Andreas Spechtl und seinen Kompanen.  

 

Tag 4. Muttertag, Halsweh, Kopfweh, es bahnt sich die Erkältung, die sich an den darauffolgenden Tagen noch genüsslicher ausbreitete, schon an. Trotzdem. Man ist in Festivalfieber. Vielleicht sogar ganz wörtlich genommen. Man sammelt Härte- und Coolnesspunkte. Immerhin kann man Ginga nicht verpassen (nachdem man ohnehin schon den so hochgepriesenen Legendenbrunch verpasst hat!), die live immer um Klassen besser sind, als die brav aufgenommenen Tonträger vermuten lassen. Und da, wo gestern noch perfekt projizierte Bilder Ja,Paniks die Größe der Band ahnen ließ, klebt jetzt auf der weißen Leinwand ein schief aufgehängtes, kleines Stoffposter mit dem heutigen Bandhighlightnamen. Handbesprayt. Und nach einem Regenstörfall sind die guten Plätze heute weniger bedrängt, als in den Tagen davor. Man merkt, ein Fest ist ausgepowert, neigt sich dem Ende zu. Die Wokpfannen vor der Karlskirche werden nicht mehr neu gefüllt, die Dixieklos ächzen immer dringlicher unter ihrer Last und die Augenringe der Dauergäste sind nicht nur verronnene Schminke, sondern echte Müdigkeit. Dennoch. Gummistiefel wie bei anderen Festivals braucht man nicht.

Nur Ersatzreifen fürs Fahrrad hätte man mithaben können. Denn das konnte man als Gutgläubige nachhause schieben, nachdem im Hinterreifen die Luft rausgelassen wurde. Gemeinheit! Die Vertrauensbasis der TU gegenüber taucht in Zwielicht.

 

Und hat sich das alles nun ausgezahlt? Sophie sagt ja. Auf ein nächstes Mal. Boboville rocks.

last time modified: July 15, 2011, 10:50 a.m.

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