Das trügerische Hitlerbärtchen
Wer am 15. und 16. April die Google-Hauptseite öffnete, traute seinen Augen nicht, bis sich alles in Wohlgefallen auflöste.
- Politics & World Affairs Education
- 16/04/2011
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Wer am 15. April die Startseite von Google geöffnet hat, war zunächst verblüfft über das was man da sah. Ein halbes Gesicht mit einem schwarzen „Hitlerbart“, darunter das Google- Logo in gotischer Schrift. „Hä?“ dachten sich wahrscheinliche viele, als sie das sahen, „Oarg, was ist das bitte?“ oder so ähnlich. Was ist passiert? Haben die Neonazis jetzt aus Rache dafür, dass ihre „Heimseite“ alpen-donau.info gesperrt wurde, gleich Google gecrackt, um dort ihrem toten Idol zu huldigen? Oder ist einfach Google komplett durchgedreht? (Nachdem was derzeit in den USA passiert, eigentlich eh nicht so verwunderlich, wie Critics- Redakteur Thehyder berichtete).
Des Rätsels Lösung fand, wer den als Schnauzer stilisierten Play- Button anklickte. Man konnte ein Hommagevideo an Charlie Chaplin sehen, zu Ehren seines 112. Geburtstages am heutigen 16. April (in den USA, wegen der Zeitverschiebung konnte man das Video bei uns am 15. sehen. eh schon wissen.)
Was lehrt uns das? Wir denken bei einem Oberlippenbart sofort an das neben dem Seitenscheitel, wohl das berühmteste Styling der Welt. Wir können gar nicht anders. Aber zum Glück und gab und gibt es in Form von Filmen einen Charlie Chaplin, der mit seinem eigenen typischen Bart und nicht zuletzt mit „Der große Diktator“ ein willkommener Gegenpol gegenüber dem Massenmörder mit dem gleichen Bart ist.
Zuviel an Bildern und Wörtern haben die Nazis so missbraucht, dass an ihnen wohl für immer ein negativer Beigeschmack haften bleiben wird. Abgesehen vom „Hakenkreuz“, wofür Hitler die Swastika, ein indisches Sonnensymbol verwendet hat, Man denke nur an das an sich vollkommen wertfreie Wort „Führer“ früher auch bei Pfadfinder (Nicht HJ) und Reisegruppen (Nicht Kraft durch Freude) verwendet, wird es jetzt höchstens mit rollendem Bruno Ganz- R ausgesprochen, wie im Film „Der Untergang“.Von den Nazis für immer stigmatisiert ist auch der Gruß „Heil“, obwohl es im Zusammenhang mit „Ski“ oder Waidmanns“, noch Verwendung findet und das ist gut so. Trotzdem muss sich die deutsche Band Rammstein wieder einen Vorwurf des Rechtsextremismus gefallen lassen, wenn sie in einem Lied „Waidmannsheil“ gröhlen.
Solche Wortverhunzungen ziehen weite Kreise. Die Heimat der Hobbits im Tolkien-Epos heißt im englischen Original „The Shire“, soviel wie eine kleine Grafschaft, ein Verwaltungsbezirk. Die wörtliche deutsche Übersetzung wäre „Gau“. Da man das aber aus offensichtlichen Gründen nicht verwenden konnte, das Wort ist eben viel zu negativ behaftet, entschied man sich für den Namen „Auenland.“ Die Reihe ließe sich noch weiter fortsetzen.
Aber zum Glück gab es einen Charlie Chaplin, vor seinem Bart müssen wir uns nicht fürchten. Die Nazis können uns nicht alles verderben. Für diese Erkenntnis: Danke Google, und Alles Gute, Charlie Chaplin!
last time modified: July 15, 2011, 12:55 a.m.

Comments
thehyder
17/04/2011 · report · direct link · reply
sehr schöner Artikel, muckraker! thehyder bedankt sich für die Erwähnung ;-)
Matthias Fuchs studiert Journalismus
20/04/2011 · report · direct link · reply
danke, war mir ein vergnügen! :D