Datenjournalismus - Alles nur ein Trend?
Angehende Journalisten sollten nicht nur Grammatik und Rechtschreibung beherrschen, sondern auch im Datenjournalismus bewandert sein. Aber warum?
- Digital
- 01/02/2012
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- http://ngrap.es/pBXv
Nach einigen politischen Themen rund um Medien (die Gleichschaltung in Ungarn sowie die durch Inserate erkaufte Politik Österreichs) zurück zum Grund, warum ich meinen Blog hier gestartet habe: neue Entwicklungen im Medienbereich. Und da darf natürlich der Datenjournalismus nicht fehlen. Ich habe die vergangenen Stunden und Tage etwas in diesem Bereich recherchiert und möchte nun in verständlichen Worten erklären, was man sich darunter vorstellen kann. Und warum es für zukünftige Medienmenschen von nicht zu verachtender Bedeutung sein wird.
Was ist Datenjournalismus?
Ganz einfach erklärt: Heutzutage reicht es nicht mehr, nur Informationen zu beschreiben und dem Medienkonsumenten bestmöglich verständlich zu machen. In Zeiten von Open Data (offen zugängliche Daten aus verschiedensten Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft) müssen Journalisten versuchen, aus den offengelegten Datenbanken relevante Informationen herauszufiltern und diese dann zu visualisieren.
Ein Trend zeichnet sich immer deutlicher ab: ein Journalismus, der Datensätze anschaulich visualisiert – nicht nur in zweidimensionalen Infografiken, die in den 90er Jahren entwickelt wurden, sondern vor allem in interaktiven Grafiken, in denen die Nutzer navigieren und sich die Daten auf eigene Weise erschließen können. (Journalistik 3.0 Trend Datenjournalismus)
Das bedeutet also, dass man in Berichten als Journalist nicht mehr einen, dem Verständnis angepassten, kurzen Überblick bietet, sondern als Nutzer sich selbst ein Bild verschaffen kann. Dadurch entkommt man dem Vorwurf, subjektiv zu schreiben, zu viel Interpretation hineinzulegen und somit das "wahre Ergebnis" zu verfälschen.
Best Practice-Beispiele
Die Zeit-Online visualisiert sehr gerne. Beispiele gibt es über die Todesopfer rechter Gewalt oder das Umfeld von Kernkraftwerken. Ein gutes Beispiel ist auch das ZDF-EUparlameter. Mittels offengelegtem Abstimmungsverhalten wird so ersichtlich, wer sich bei welchen Entscheidungen wie entschieden hat. Aber heißt das nun, dass nur die Besten der Besten (bzw. große deutsche Wochenzeitungen oder ein öffentlich-rechtlicher TV-Sender) Datenjournalismus betreiben können? Bleiben da jene außen vor, die zwar die Daten studieren, sie sogar visualisieren könnten, denen aber ganz einfach die finanziellen Mittel zur Umsetzung fehlen?
Auch du kannst Datenjournalist sein!
So oder so ähnlich hat es derStandard.at beschrieben: die Instrumente um Daten zu erfassen, zu bereinigen und zu visualisieren stehen jedermann zur Verfügung.
"Hinter Datenjournalismus steckt keine große Wissenschaft, das kann sich jeder selbst beibringen", verwies Kayser-Brill beim "Data Journalism Lunch" auf sich selbst. "Man kann beispielsweise Google Form verwenden, um die Daten zu sammeln und Google Refine, um sie zu säubern. Dazu sind keine besonderen Fertigkeiten notwendig." - Der Standard
Es sind also (wie hier im Beispiel) kostenlose Programme, die dafür notwendig sind. Doch warum ist das heutzutage interessant? Und warum komme ich gerade jetzt darauf zu sprechen? Mich hat das Thema schon immer interessiert, doch in den vergangenen Tagen las ich wieder häufiger darüber in meinem Twitterstream. Somit nehme ich mir vor, im Laufe dieses Jahres selbst Datenjournalist zu werden. Beziehungsweise zumindest ansatzweise erste Schritte wage. Wir werden sehen! Ich persönlich finde es interessanter, durch visualisierte Daten zu klicken, als nur einen Artikel darüber zu lesen. Das könnte hier wirklich die Zukunft sein.
Auf Prezi und Slideshare habe ich noch zwei interessante Präsentationen zum Thema gefunden. "Data-driven journalism and data visualization" von Jojo Malig und "Datenjournalismus - Meilensteine und Charakteristika" von Julian Ausserhofer. Dort findet man alle wichtigen Informationen, noch weitere Best Practise-Beispiele und Links zu interessanten Seiten.
Auch auf datenjournal.de sollte man bei Interesse mal blicken. Dort wurde ein Dossier erstellt, in dem alle notwendigen Informationen vorhanden sind, um Datenjournalist zu werden. Und für alle, die jetzt schon aktiv dabei sind: Noch bis Mitte April kann man sich mit seinem Projekt für den ersten internationalen "Data Journalism Award" bewerben.
References
- http://derstandard.at/1326503878106/Premiere-Paris-beherbergt-die-ersten-internationalen-Data-Journalism-Awards
- http://derstandard.at/1318725993190/World-Editors-Forum-Datenjournalismus-kann-sich-jeder-beibringen
- http://www.datenjournalist.de/
- http://www.datenjournal.de/
- http://www.slideshare.net/julianausserhofer/datenjournalismus-meilensteine-und-charakteristika-11021907
- http://prezi.com/falihonlr1in/data-driven-journalism-and-data-visualization/

Comments
Machiste
01/02/2012 · report · direct link · reply
"Ich persönlich finde es interessanter, durch visualisierte Daten zu klicken, als nur einen Artikel darüber zu lesen." Die Kombi aus beidem wäre das Um und Auf, finde ich. Danke für die umfangreiche Linksammlung im Artikel!
Dominik Leitner Medienmanagement-Student an der FH St. Pölten
02/02/2012 · report · direct link · reply
Natürlich. Ohne Text versteht man die Visualisierung nicht. Aber ich finde es schön, dass in Zukunft mehr Daten mit Visualisierungen verständlicher gemacht werden sollen. :)
Stefan Weiss Autor bei subtext.at und diekritik.at
04/02/2012 · report · direct link · reply
Ein visualisierter Grasser-Akt, um den sich ja aktuell wieder einmal alles dreht, wäre zum Beispiel schon sehr spannend. Bei den ganzen Kontobewegungen, Provisionszahlungen und anderen Geschäftereien verliert man langsam aber sicher völlig den Überblick.