Der Einzelgänger
Nicht als Filmkritikerin, sondern als resignierte Besucherin unterwegs zu Tom Ford
- Lifestyle Fashion
- 16/05/2010
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Obwohl es den Film mittlerweile schon seit einiger Zeit im Kino spielt, erlaube ich es mir nun verspätet, eine Art Rezension darüber zu verfassen. Und da wir hier ja generell über Mode zu philosophieren versuchen, handelt es sich erwarteter Weise um den Film, den der amerikanische Designer Tom Ford gemacht hat. A Single Man.
Der Film spielt zu jener Zeit, in der Tom Ford gerade einmal ein Jahr alt gewesen ist. In die Rolle des Hauptdarstellers und in Tom Fords knapp geschnittene Filmkostüme ist Colin Firth geschlüpft. Während manche bei dieser Wahl über eine Fehlbesetzung reden, schwärmen andere über Colin Firths Herzerweichung des Mannes und der Frauen.
Den Film in kurzen Stichwörtern zu beschreiben, ist eine einfache Aufgabe. Die Farbe des Filmes ist braun. Die Krawatten sind schmal, die Melancholie groß und schwer, eine träumerische Illusion dabei wunderbar und beinahe glaubwürdig leicht. Ein Universitätsprofessor in seinen besten Jahren - das sei zwar nun dahingestellt - lernt mir nichts, dir nichts auf der Straße oder in dunklen Bars junge Männer kennen, die auf Anhieb wunderbar romantisch, die Sterne vom Himmel versprechend, verführerisch (wo soll man da aufhören mit seinen Aufzählungen?), ... sind. Ein junger Student, der sich besonders für Colin Firth, im Film George, interessiert, soll dem Film die nötige Wendung geben. Heutzutage würde man ihn korrekterweise als Stalker bezeichnen, denn dem eigenen Haus auflauernde und einen verfolgende junge Burschen sind nicht ungefährlich, wäre das das 21.Jahrhundert. Aber in diesem Fall darf es der Hauptfigur fast das Leben retten -oder besser gesagt: den letzten Lebenstag versüßen und salzen.
Kurzum, es geht um George, der sich wegen einer nie überwundenen, großen, ja wahrscheinlich sogar größten Liebe seines Lebens, umbringen möchte und sich penibel darauf vorbereitet. Nicht ganz ohne Augenzwinkern wird sein letzter Tag geschildert. Und am Ende, wegen des aufdringlichen Studenten, möchte der gute George seine Geschichte umschreiben und den letzten Tag verschieben. Doch die eigene Biologie macht ihm am Ende einen Strich durch die Rechnung... Er stirbt glücklich, aber dennoch stirbt er und der junge Student, dessen Leidenschaft zu ihm gerade erst entfacht ist, wird einem professorlosen Leben überlassen, von dem man im Film nicht mehr erfährt, wie es weitergeht.
Dies war Tom Fords Filmdebut.
Groß geworden ist er mit Gucci, später mit Yves Saint Laurent gewachsen und mittlerweile als Filmregisseur und Modemacher seit 2006 unter eigenem Namen ausgewachsen sozusagen. Die Kleidung zum Film, ganz im Stile der frühen Sechziger, unterstreicht mit den sauberen, in vielen Szenen gut sichtbaren Details an Krägen, perfekt sitzenden Ärmeln, etc. die bis ans Ende vollführte Korrektheit des lebensunwilligen George Falconer. Braun wird zur Farbe der Trauer, der unausweichlichen Gedämpftheit und alternativlosen Klarheit, die im Film an den Tag gelegt wird, auch wenn sie sich am Ende im ironischen Widerspruch verfängt. Die Bilder des Films entsprechen einer schweren, aber einer nicht unbedingt Trübsal blasenden Ästhetik, die dem Ende hin bunter wird. Der Regisseur begründet es so: "Je mehr Momente von Schönheit er erlebt, desto mehr Farben kommen ins Spiel".
Ob und wann Tom Ford den nächsten Film machen wird, bleibt an dieser Stelle offen. Fest steht nach A Single Man eigentlich nur, dass nicht nur mehr Frauen Colin Firth unbedingt heiraten wollen...
last time modified: July 15, 2011, 12:25 p.m.


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