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Der Mord an Osama Bin Laden

Mit der Tötung des Terrorpaten Bin Laden wurde ein Menschenleben ausgelöscht. Das ist ein Grund für Erleichterung, aber kein Grund, zu feiern.

Groß war der Jubel in den USA. Vor dem Weißen Haus in Washington D.C. feierten hunderte US-Amerikaner, ebenso am Ground Zero in New York. Obama:1, Osama:0 war dort auf einem Transparent zu lesen. Auch in muslimischen Ländern freuten sich die Menschen. Die Staatschef der Welt gratulierten den USA zu diesem Coup.

Das waren die Reaktionen, nachdem US-Präsident Barack Obama verkündet hatte, Terrorführer Osama Bin Laden sei in Pakistan bei einem Feuergefecht getötet worden. In der Stadt Abottabad, knapp 100 km nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, nicht wie lange vermutet im Gebirgsland zwischen Afghanistan und Pakistan, wurde der Unterschlupf des spirituellen Führers der Al-Kaida entdeckt. Ein Spezialteam aus 25 Soldaten der Navy Seals hat nach monatelanger, akribischer Planung das Haus gestürmt, nach einem 40-minütigen Feuergefecht wurde Bin Laden getötet. Die Mission war erfolgreich. Präsident Obama konnte den ganzen Ablauf direkt per Video im Weißen Haus ansehen. Nach seinem Tod wurde die Leiche von Osama Bin Laden im Meer "nach islamischen Riten" beigesetzt. Das war das Ende des Terrorpaten. 

Die Welt atmet auf. zu Recht. Doch darf man sich über den Tod eines Menschen so freuen, wie es die Amerikaner getan haben? Gewiss, der Fanatiker Osama Bin Laden ist für den Tod von Tausenden unschuldigen Menschen verantwortlich.  Aber sind US-Soldaten befugt, ihn zu töten? Er wurde in Pakistan erschossen. In diesem Land herrscht kein Krieg. Die "Operation Geronimo", wie der Einsatz genannt wurde, war also keine Kriegshandlung.Objektiv gesehen wurde Osama Bin Laden ermordet. Er war unbewaffnet, es war also keine Notwehr. Den Tod hat er verdient, und ob! Aber jeder Mensch hat das Recht auf Leben, wie der österreichische Menschenrechtsexperte Manfred Nowak betont, so auch Osama Bin Laden. "In keinem Fall ist es ein Grund zu feiern", so Nowak weiter.

Es ist verständlich, dass die USA mit Osama Bin Laden reinen Tisch machen wollten, zu lange haben sie ihn schon gejagt. 2001, als er in dem Höhlensystem von Tora Bora fast geschnappt worden wäre, entwischte er, indem er die afghanischen Söldner der Amerikaner bestach. Jetzt in Pakistan hatten die US-Soldaten die Gelegenheit, Osama zu töten, und die Sache ein für allemal zu beenden. Obwohl die Misson keine "Killing Mission", also die Tötung nicht das primäre Ziel war, wurde Osama mit Kopfschüssen ermordet. Gewiss, hätte man versucht, den Terrorpaten festzunehmen, hätte er sich massiv gewehrt. Ein Prozess hätte sich zum Leid der Angehörigen von Opfern, die bei den zahlreichen Anschlägen des Terroristen ums Leben kamen, in die Länge gezogen. Doch auch ein Osama Bin Laden muss die Möglichkeit haben, vor ein Gericht gestellt zu werden.

Es bleibt dabei, der Tod Osama Bin Ladens ist für viele Menschen ein Grund zum Aufatmen. Aber ein weiteres Menschenleben wurde gewaltsam beendet. Es ist in keiner Weise ein Grund zu jubeln.

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last time modified: July 14, 2011, 5:20 p.m.

Comments

Mzungu_Mdogo

Mzungu_Mdogo

26/10/2011 · report · direct link · reply

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"Laden-Schluss" titelte die taz. Gewagte Überschrift zu einer brutalen Meldung.
Ein Mord, um andere Morde zu verhindern. Die Amerikaner haben einen Terroristen weniger auf ihrer Liste, die Fundamentalisten (also die anderen, nicht die Amerikaner) einen Märtyrer mehr. Lebenslange Haft in Pakistan wäre sicher eine härtere Strafe für Bin Laden gewesen als ein kurzer Kopfschuss.

paper.meedia.de/titelgallery_d…

Demetrios

Demetrios

15/05/2011 · report · direct link · reply

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Die Ermordung (das du das Wort "Mord" benutzt finde ich übrigens toll!) war langfristig gesehen sicherlich falsch. Ein beispielhafter Prozess, der die Welt an Bin Ladens Greueltaten erinnert hätte, wäre vermutlich taktisch klüger gewesen. Dass es nicht möglich war ihn gefangenzunehmen nimmt der USA sowieso keiner ab...

Sam

Sam

10/05/2011 · report · direct link · reply

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"kein Grund zu feiern" lässt sich leicht sagen, wenn man in Deutschland sitzt und keinen Angehörigen am 11. September (o.ä. Vorfällen) verloren hat.
Das rechtfertigt vielleicht nicht die überschwängliche Freude der Amerikaner aus Deutscher Sicht, macht sie aber nachvollziehbar.

Man muss auch bedenken, dass in Teilen Amerikas die Todesstrafe praktiziert wird und die Menschen dort anders denken als viele Deutsche. Dort sieht man dann eben Menschenrechte ein wenig anders: "Wer das Leben eines anderen auslöscht, hat sein Recht zu leben verloren"

Matthias Fuchs

Matthias Fuchs studiert Journalismus

11/05/2011 · report · direct link · reply

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ich sitz zwar in österreich, aber hier lässts sich genauso leicht sagen.^^
Wie geschrieben, es ist klarerweise ein Grund zur Erleichterung, aber eben keiner, um zu feiern.
Hat man selbst Angehörige verloren, ist das natürlich schwer, aber ich bin der Meinung, das wir nur weiterkommen, wenn wir allen Rachegedanken abschwören und auch nicht in Siegestaumel verfallen, schließlich macht das die Toten nicht lebendig.
Mit der Todesstrafe sprichst du was wichtiges an. "Dort sieht man dann eben Menschenrechte ein wenig anders: 'Wer das Leben eines anderen auslöscht, hat sein Recht zu leben verloren'"
Das man das in den USA anscheinend anders sieht, ist das Problem. denn Menschenrechte müssen für alle Menschen gelten, egal was immer sie getan haben! Wir haben nicht das Recht, Menschen zu töten, also auch nicht solche, die dagegen verstoßen haben.

Matthias Fuchs

Matthias Fuchs studiert Journalismus

06/05/2011 · report · direct link · reply

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ja habe ich jetzt auch gelesen, die verbindung war für 25 min unterbrochen, ich habe meine information zuerst der "Presse" entnommen, da stand nichts davon.

thehyder

thehyder

05/05/2011 · report · direct link · reply

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Wäre es korrekter gewesen, ihn gefangen zu nehmen, ihm den Prozess zu machen und ihn für den Rest seines Lebens einzusperren? Ja. Wäre es fair gewesen? Nein. Osama bin Ladens Tod IST ein Grund zu feiern.