Der teure Sargnagel
So sexy war Rauchen noch nie...
- Culture
- 26/09/2010
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6 Sekunden. Ein Mensch stirbt an den Folgen von Tabakkonsum. Während Sie diesen Satz lesen sind wieder sechs Sekunden vergangen: noch ein Toter.
Die Weltgesundheitsorganisation, WHO, sagt, "Tabak entwickelt sich zu einer der größten Gesundheitskatastrophen der Menschheitsgeschichte. Wir müssen jetzt handeln, um die weltweite Tabak-Epidemie einzudämmen und Millionen Leben zu retten." Die Zahlen sprechen für sich: Im 20. Jahrhundert sind über 100 Millionen Menschen an Krebs, Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen gestorben, die durch den blauen Dunst verursacht wurden. Das sind mehr als bei Tuberkulose, Malaria und AIDS – zusammen.
Bei all diesen deprimierenden Fakten gibt es immerhin auch eine „erfreuliche“ Zahl, zumindest für die Manager von „Phillip Morris“: 7 Milliarden US-Dollar. Das war der Umsatz im letzten Quartal des Tabakproduzenten, der zu den größten weltweit zählt. Das spühlt immerhin wichtige Steuerbeiträge in leere Staatskassen, die dann Krankenhausrechnungen für Krebspatienten begleichen können... der harmonische Kreis einer Profitgier, die über Leichen geht. „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.“ Oder nicht?
In Österreich sterben mehr als 14 000 Menschen jährlich an den Folgen des Rauchens. Wer soll uns vor dieser Plage schützen? Ein neues Nichtraucherschutzgesetz? In Lokalen über 50 Quadratmetern muss es seit 1. Jänner 2009 getrennte Raucher- und Nichtraucherräume geben. Abgesehen davon, dass Nichtraucher immer noch in keine „kleineren“ Lokale gehen können ohne ihre Gesundheit zu riskieren, ist es Tatsache, dass sich der Rauch nicht von (manchmal) geschlossen Türen aufhalten lässt. In vielen Fällen halten sich die Lokalbesitzer generell nicht an Nichtraucherschutzbestimmungen. „Wer soll das auch kontrollieren?“ Die Ärztekammer bezeichnet das Gesetz als "halbherzige, typisch österreichische Lösung". Und das ist es auch. 600 000 Menschen sterben weltweit an den Folgen von Passivrauchen.
Länder wie Frankreich, mit strengen Nichtraucherschutzgesetzen und absolutem Rauchverbot an öffentlichen Plätzen, beweisen, dass die Kundschaft der Gastronomie nicht fernbleibt, sondern sich den Veränderungen anpasst. In Österreich schützt man lieber verunsicherte Wirte, die gegen jede Faktenlage, einen existenzbedrohenden Gewinneinbruch erwarten. Außerdem gehört es doch zur Tradition bei Kaffee und Zigarette die Zeitung durchzublättern. Das fördert auch das soziale Miteinander, vor allem wenn man sich nach zehn Jahren nicht mehr im Kaffee- sondern im Krankenhaus bei der Chemotherapie wieder trifft.
Rauchen ist teuer und tödlich. Man verkürzt seine Lebenserwartung um durchschnittlich zehn Jahre, Zeit, die man verwenden könnte um den Enkelkindern bei ihren ersten Schritten zuzusehen.
Interessanterweise hat noch niemand gesagt, dass die erste Zigarette gut geschmeckt hat. Man muss sich zu den ersten Zügen zwingen, erst dann kommt der Geschmack. Das Aufhören ist weitaus schwieriger. Der Körper hat sich an die Nikotinzufuhr gewöhnt und reagiert mit Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen oder Schlafstörungen. Mark Twain sagte: „Aufhören zu Rauchen ist das leichteste Unterfangen der Welt. Ich habe es schon dutzende Male getan.“
Man tut sich selbst und seinem Umfeld einen unschätzbar wertvollen Gefallen, wenn man das Rauchen aufgibt. Hier noch eine letzte Zahl: Während Sie diesen Text gelesen haben, sind, je nachdem wie schnell man war, ungefähr 120 Sekunden vergangen. 20 tote Menschen mehr.
last time modified: July 15, 2011, 12:05 a.m.

Comments
thehyder
30/06/2011 · report · direct link · reply
Darf ich fragen, woher du die Zahlen hast? Bezüglich 600.000 Tote Passivraucher und so. Der Artikel würde überzeugender wirken, wenn die hard facts durch eine genaue Quellenangabe fundiert wären.
Der_Stein
01/07/2011 · report · direct link · reply
Comment deleted 01/07/2011
Der_Stein
01/07/2011 · report · direct link · reply
alle Zahlen sind vom letzten weltweiten Gesundheitsbericht der WHO (außer die 14 000 Toten in Österreich - das ist vom ORF)...
KHG
29/06/2011 · report · direct link · reply
Toller Beitrag, genau so und nicht anders! Anmerken möchte ich noch, dass, zum Beispiel, in G.B. nicht nur die Tabaksteuer doppelt so hoch wie in Ö. ist (was im übrigen noch immer nicht ausreicht um den auf Rauchen zurückzuführenden Volkswirtschaftlichen Schaden zu decken), sondern auch so Sachen wie Nikotinkaugummis gefördert werden.
Konkret heißt das, dass diese Kaugummis in G.B. in jedem Supermarkt um 10£ für 94 Stück erhältlich sind. Zum Vergleich: In Österreich muss man dafür in eine Apotheke gehen (!) und 37€ bezahlen.
Haben doch alle einen Schaden, diese Wappler von Politikern ^^
Julia Switak BA Media Student
29/06/2011 · report · direct link · reply
Dem muss ich leider zustimmen.. Bin zwar selbst Nichtraucherin, aber die heuchlerische Art und Weise mit der in Österreich über "Nichtraucherschutz" debattiert wird, die Raucherbestimmungen in Lokalen, oder so eine Glawischnig die die Verbannung von Tabak-Automaten als oberstes Ziel setzt, ist leider ausschließlich populistisch motiviert und besonders kurzsichtig.
Onatcer student, amateur photographer, blogger
29/06/2011 · report · direct link · reply
Aber man muss das eben auch aus der Situation der Politik sehen.... Kein Politiker will mit so einer Aktion zehntausende von Stimmen verlieren... also machen wir mal ein Gesetz das nicht wirklich duchgezogen wird und schaun obs die Leute schlucken
Noch dazu kommen eben wie erwähnt extrem viele Steuern die eingenommen werden.... ein absolutes Rauchverbot ist natürlich nicht von heute auf morgen umsetzbar und es sollte ja jedem gestattet sein aber nicht in öffentlichen Gebäuden bzw. Lokalen....