Die Malteser auf dem Scheide-Weg
Der 29.Mai ist ein geschichtsträchtiger Tag für den katholischen Inselstaat Malta. Per Volksabstimmung gibt er der Scheidung als letzter aller EU Staaten das Ja-Wort.
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- 29/05/2011
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Maria Shriver wäre noch an Arnold Schwarzeneggers unappetitlichen steirisch-amerikanischen Dialekt gebunden. Sie hätte noch kein „Hasta la vista baby“ von ihm vernommen. Ein „I’ll be back“ wohl noch öfter, als sie es ohnehin schon über sich ergehen hat lassen müssen. Nicolas Sarkozy würde noch mit Marie-Dominique verkehren müssen und würde, wie wohl viele seiner Landsleute, von einer Beziehung zu Carla Bruni nur feucht träumen können. Die Liste ist lang .Mick Jagger, Paul McCartney, Roman Abramovic, Michael Jordan, Harrison Ford, Steven Spielberg und noch viele mehr. Sie alle wären noch um viele Millionen reicher, als sie es ohnehin noch sind. Doch das alles nur bis heute und wenn sie maltesische Staatsbürger gewesen wären.
Heute am 29.Mai hat sich das Gros der maltesischen Bevölkerung entgegen den Empfehlungen der Kirche, der Regierung und des Heiligen Geistes für eine Trennung vom Scheidungsverbot ausgesprochen. Insofern mutig, wenn man bedenkt, dass die maltesischen Bischöfe in einem Schreiben an die Priester ihres Landes von irreparablen Konsequenzen für jene sprechen, die für das Scheidungsverbot stimmen. Das klingt nach einem religiös motivierten Überwachungsstaat, der immerhin EU-Mitglied ist. Aber keine Sorge, nach erfolgloser Drohung haben die Bischöfe ihre jungfräulichen (man kann nur hoffen) Schwänze wieder eingezogen und sich bei der Bevölkerung entschuldigt. Es ergibt also durchaus Sinn, dass der Anführer der Ja-zur-Scheidung-Bewegung Jeffrey Pullicino Orlando von einer neuen Ära spricht, in der Staat und Kirche endlich voneinander getrennt sind. Die erste wichtige Scheidung des Landes vollzieht sich somit gerade auf hoher Ebene von selbst.
Die heimische Haupstadt Wien hat im Jahr 2009 eine Scheidungsrate von 46 % vorzuweisen. 2004 lag sie gar bei 49%. Es lohnt sich also einen Blick auf die Geschichte der Scheidung zu werfen um die Erfolgsstory besser zu verstehen.
Während es in den Jahrhunderten davor relativ problemlos war eine eheliche Verbindung zu beenden, wurde die Ehe im Jahre 1184 zum siebten Sakrament erklärt und damit unkündbar. Die erste berühmte Scheidung ereignete sich 1190 zwischen Friedrich Barbarossa und seiner ersten Frau Adela von Vohburg. Um sie durchzubringen, musste Adela ihren Liebsten entweder betrügen (und sich dabei erwischen lassen), unfruchtbar sein oder gar mit ihm verwandt. Um die Scheidung auch ganz sicher durchzubringen legte Friedrich der Kirche alle drei Gründe vor. Diese entschied zu Gunsten des Kaisers, wobei nur das nahe Verwandtschaftsverhältnis ihm erlaubte ein weiteres mal zu heiraten. Seine spätere Ehe frau Beatrix von Burgund war übrigens, so wie Adeala, ebenfalls eine Verwandte vierten Grades. Es kann also mit Stolz behauptet werden, dass Inzest in unserem Kulturkreis eine weitaus längere Tradition als die Beendigung einer Ehe besitzt. Warum wir inzestuösen Menschen auf eine längere Geschichte des Scheidungsrechts als die Malteser zurückblicken können? Weil wir nicht nur gerne mit Familienmitgliedern schlafen, sondern dazu auch noch Nazis sind. Scheidungen gibt es in Österreich seit 1938 mit der damaligen Einführung des deutschen Ehegesetzes.
Der letzte Staat, der die Scheidung ermöglichte war Chile 2003. Das letzte Mitglied der EU vor Malta war Irland, dass die Scheidung erste seit 1995 durch die 15.Verfassungsänderung erlaubt. Malta war neben den Philippinen und dem Vatikanstaat das einzige Land der Erde, das mit keinem zivilrechtlichen Scheidungsrecht ausgestattet war.
Zwar ist der Ausgang des Referendums für das maltesische Parlament rechtlich nicht bindend, doch Ministerpräsident Gonzi verkündete in Interviews, sich an das Ergebnis halten zu wollen. In diesem Sinne kann man der maltesischen Bevölkerung zur neu gewonnenen Freiheit nur gratulieren. Es ist begrüßenswert, dass die Kirche selbst in erzkatholischen Staaten wie Malta ihren Einfluss verliert und langsam in allen EU Staaten die Trennung zwischen Staat und Kirche tatsächlich vollzogen wird. Und immerhin kann jetzt ganz Malta von einer zweiten oder dritten Ehe träumen und damit weiter auf seine persönliche Carla Bruni hoffen.
last time modified: July 15, 2011, 6:10 a.m.

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