Die Mode der Festivals. Oder: Ein Festival der Mode.
Klassiker, Abgedroschenes und Innovatives.
- Lifestyle Fashion
- 25/05/2010
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Eine viktorianische Prinzessin geht zu einem Rockkonzert. So beschreibt man Kate Moss' neue Topshop-Kollektion für den kommenden Sommer. Goth-Einflüsse und Sweeny Todd -Spuren bezeichnen die mit Spitzen bearbeiteten, kurzen Cocktailkleidchen. Mit dem Stichwort Rockkonzert lockt man sicher gutes Publikum an, denn schon bald beginnt die Festival-Saison, für die man seine Gummistiefel, sein Zelt und seinen mobilen Wasserkocher rauskramt. Und, wie bekannt, nicht nur das. Man braucht, obwohl die Gefahr läuft, es mit Schlamm und Ähnlichem zu verdrecken (wir kennen das alle), ein passendes Outfit. Man stellt sich auf Extreme ein, verkraftet überfüllte Klos und Duschen und lässt sich von schlechtem Wetter nicht die Freude an großfamiliären Trinkgelagen nehmen.
Obwohl das Hippiethema schon mehrere Male durchgekaut wurde, schaffen es die Woodstockgedanken in jeden Sommer hinein. Große, runde Sonnenbrillen, gerüschte Hotpants und großzügiger Schmuck zu wallendem Haar, das dem fast erwarteten Festivalregen trotzt. Oder, bei den etwas härteren Festivals: in dunklen Farben gehaltene, teilweise sogar mit Nieten geschmückte Oberbekleidung, zerrissene Jeans und Doc Marten's statt den Gummistiefeln. Man richtet sich her, um nicht hergerichtet auszusehen, um das zu verkörpern, was so selbstverständlich erscheinen soll und sich der Großveranstaltungsdynamik fügt. Zeltkommunen, Plastikbecher und Dosenfutter und im Schlamm versinkende Rucksäcke mit dem gesamten Hab und Gut. Was gibt es Schöneres?
Ein wunderbares Spektakel, das dazu einlädt, eine Stylerecherche zu veranstalten. Sind Ray-Bans immer noch das Um und Auf bei guten Konzerten? Besiegen Doc Marten's Converse? Macht man immer noch auf Pete Doherty Look-A-Like? Und schwebt der Geist der Doors zwischen den Campingausrüstungen umher?
Um wieder zu Kate Moss zurückzukommen: Ich glaube, dass man sagen kann, dass sie aktiv und in weitreichendem Maße dazu beigetragen hat, den bewussten Kleidungsstil der Festivalbesucher zu fördern. Lederjacken, Gummistiefel, die Zigarettenpackung in der nicht viel größeren Handtasche und den Rockerfreund an der Hand, die nicht den Vodkabecher hält. Ob nun Hippie oder Hardrocker, gewisse Übereinstimmungen und Parallelen des Publikums haben nichts mehr allein mit der Musikrichtung zu tun. Manche Modeerscheinungen sind auch auf simple Weise dem Wettereinfluss zuzuschreiben. Strömender Regen auf ländlichem Gebiet verlangt anderes, als wolkenlose 35°C. Hierbei entscheidet sich, welche Frage dem Outfit den richtigen Pfiff verleiht. Geht es um Plastiksackerln als kreativer Regenschutz oder darum, wer die größte Retrosonnenbrille trägt? Man sieht, es gibt auch bei Festivals strenge Kleiderordnungen, die man nicht unbeachtet lassen sollte.
Doch irgendwann, wenn man die goldenen 20er längst überschritten, die Reize einer Unhygieneorgie ausgekostet und die Kompromissbereitschaft ihre Grenzen erreicht hat, bedenkt man, dass unspektakuläre Einzelkonzerte, zu denen man nicht stundenlang pilgern muss, auch reichen und den Faktor der Zufriedenheit genauso befüllen können. Damit verweise ich nun nur mehr auf das heute stattfindende Foals-Konzert im Flex und verbleibe mit einem vagen Versprechen eines eventuellen Wiedersehens auf einem der großen Festivals.
last time modified: July 14, 2011, 1:55 p.m.


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