Die Notwendigkeit von Social Media für Journalisten
Ein Kommentar, warum ich angehende Journalisten nur ernst nehmen kann, die die Möglichkeiten von Social Media ausreichend nutzen.
- Economics Career
- 21/11/2011
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Manche Themen tauchen immer wieder auf. So zum Beispiel die Frage, was nun genau der Unterschied zwischen Journalisten und Bloggern ist. Oder welches soziale Medium man nutzen sollte, um up2date zu bleiben. Ich habe am 4. September einen Gedanken getwittert, der jetzt, in ähnlicher Form auch vom Chefredakteur von zeit.de gesagt wurde, wie Georg Holzer auf seiner Facebookseite gepostet hat:
"Junge Journalisten, die Social Media nicht nutzen, haben keine Chance. Wir haben gar nicht die Zeit, ihnen Twitter & Co. zu erklären", meint Wolfgang Blau, Chefredakteuer zeit.de
Vielleicht haben es ja schon einige mitgekriegt: Auch ich möchte einmal "Journalist" als Berufsbezeichnung anführen können. Und auch meine erste Bachelorarbeit handelt von demselben Thema: "Nutzen von Social Media für österreichische JournalistInnen", mit dem großartigen Untertitel "Von der Recherche, über Partizipation bis hin zum kollaborativen Journalismus". Und nachdem ich die Diskussion unter Georgs Statusnachricht mitverfolgt habe, musste ich nun ganz einfach diesen Beitrag hier schreiben, mit dem harten Statement: Einem jungen Mensch ohne Social Media fehlt eigentlich eine ganz wichtige Kompetenz im Journalismus.
Weil man schreibt
Warum ich glaube, dass ich es leichter habe? Weil ich seit sechs Jahren einen persönlichen Blog schreibe (über private Dinge und zudem auch mit literarischen Gehversuchen), seit 3 1/2 Jahren bei neuwal mit dabei bin, Beiträge und eine Kolumne auf subtext.at schreibe und auch immer mal wieder auf anderen Seiten (wie z.B. futurezone.at), oder in Magazinen und Zeitungen zu finden bin. Ich habe einen Vorsprung, eine Kompetenz, die mich von so manch anderem jungen Menschen abhebt, welcher ebenso den Traum hat, Journalist zu werden. Ich kann ungefähr dreihundert oder vierhundert Artikel vorweisen, die meinen Namen tragen und auf anderen Seiten veröffentlicht sind.
Es gab noch Momente, da wurde ich belächelt. Weil Twitter im Grunde nur belangloser Mist ist und Blogs doch auch nur langweilige Gedankensammlungen von Selbstinszenierern sind. Wer braucht schon so etwas. Die Wahrheit: Die kritisierenden Menschen haben diese beiden Dinge nicht verstanden. Dass man erst ganz genau erkennen muss, in welcher Form man Twitter nutzen möchte/will/kann, so weit kommen die meisten erst gar nicht. Und ein Blog ist nun einmal, so hart es sich anhört, unbezahlte Arbeit. Was sie hingegen alle lieben? Facebook. Doch genau das nehme ich von meiner Annahme aus. Twitter und Blogs sind die Dinge, die ein angehender Journalist nutzen sollte. Warum?
Weil man schreibt. Weil man Gedanken recherchiert, weil man sich vielleicht die Mühe macht, jemanden anzuschreiben, jemanden möglicherweise gar zu interviewen. Weil man mit etwas in Berührung kommt, was man in keiner Ausbildung wirklich erlernen kann: den Umgang mit der Crowd. Natürlich ist es ernüchternd, wenn man anfangs nur wenige Leser auf seinem Blog hat, wenn Kommentare nur alle vierzehn Tage eintrudeln. Aber irgendwann beginnt es zu laufen, und dann erkennt man auch, ob man ein Talent hat, die Leute mit interessanten Inhalten bei Laune zu halten. Und auch Twitter lernt dir eines: fasse dich kurz, triff den Nagel auf den Kopf und das noch dazu in nur 140 Worten. Die Leute werden dir folgen, solange du nicht wirklich nur belanglosen Mist schreibst. Ich bin seit Anfang 2007 Mitglied und entdecke immer wieder tolle Dinge, die mir ohne Twitter wohl verwehrt geblieben wären.
Soziale Medien (jene, die über Facebook hinausgehen) sind nicht nur etwas für Geeks: man verbringt nicht zwangsläufig die ganze Zeit vor dem Computer. (Das darf man dann im Beruf eh zur Genüge.) Man schreibt, solange es Spaß macht, veröffentlicht vielleicht auch nur mal kurz ein Video, passend zum Thema. Es ist wirklich nicht so schwierig. Und die Resonanz kann so manches Mal gewaltig sein.
Eine neue Ära?
Die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Ich bin nicht mehr nur der Blogger-Typ, der Twitter-Geek. Die Menschen, die mich früher belächelt haben, fragen mich nun hie und da, ob ich ihnen Tipps fürs Bloggen geben kann. Andere melden sich bei Twitter an und wagen es, von nun etwas beschränkt zu wirken (auf 140 Zeichen). Die Menschen entdecken endlich wieder die Welt hinter dem eingemauerten Staat Facebook. Immer mehr Themenblogs tauchen auf, immer mehr Gemeinschaftsblogs sprießen aus dem Boden. Ich finde das gut. Und selbst wenn es "nur" ein persönlicher Blog ist, so ist es vor allem eines: ein Training des Schreibens. Ein Herausfinden des Talents, ein Herantasten an Herausforderungen.
Ich werde auch, wenn ich vielleicht irgendwann einmal Teil einer Redaktion bin, weiterbloggen. Das ist schon viel zu sehr Teil meines Lebens. Und auch andere Journalisten wagen den Zweitweg. Martin Thür (ATV) hat einen sehr guten Blog, oder auch Florian Gossy (derStandard.at) ... um nur einige, sehr wenige zu nennen. Es gibt immer etwas zu schreiben ... das sollte der Grundgedanke eines angehenden Journalisten sein. Und auch wenn ich manchmal ein klein wenig auf meine Freizeit verzichte, um irgendwo live dabei zu sein oder um irgendetwas Wichtiges zu schreiben und gleich zu veröffentlichen ... es bringt mir etwas. Und durch eine gute Vernetzung in meiner Bubble, bekommen meine Texte gleich mal unzählige Menschen zu lesen, die ich so vielleicht nie erreicht hätte.
Wie ich gerade eben unter Georgs Statusmeldung kommentiert habe: ich würde verstehen, wenn man von nun an auf einem Bewerbungsschreiben für den Redakteursjob verpflichtend eine Blog-URL anführen müsste.
Und das wars dann?
Aufgrund der Diskussion auf Georgs Facebookseite habe ich auch mit Dieter Zirnig (@sugarmelon) via Skype weiterdiskutiert. Kann man etwas voraussetzen? Kann man voraussetzen, dass junge Menschen ähnlich versiert sind mit den Möglichkeiten der sozialen Medien, wie ich? Mir ist klar, dass ich ein besonderes Interesse mitbringe, schon seit Jahren darin aktiv bin ... aber doch sollte man, als angehender Journalist, Twitter und Blogs nicht nur vom Hörensagen kennen. Es sollten Instrumente sein, die man zumindest schon einmal benutzt hat. Dass es sich Zeit.de leicht macht, und diese Kompetenzen als Voraussetzung nennt, stimmt schon. Dieter würde es sinnvoller finden, wenn die Onlineversion der Zeit lieber sagen würde: Wir bilden euch aus, zeigen auch die Innovationen, zeigen euch, was ihr in Zukunft können solltet. Und auch da stimme ich zu. Es soll Weiterbildungen zu innovativen Themen geben. Aber Social Media ist doch in Wahrheit gar nicht mehr so neu und so innovativ.
Die Diskussion gestern hat mich nachdenken lassen: Was stimmt denn nun? Darf man Social Media-Kompetenz wirklich voraussetzen? Oder nehme ich meine eigenen Fähigkeiten zu ernst? Ich weiß es nicht, aber zumindest wurde nun einmal eine Gedankenwelle angestoßen. Vielleicht folgen zu diesem Thema weitere Beiträge. Sollte ich zu anderen Ansichten, zu erweiterten Gedanken kommen. Und vielleicht erforsche ich ja auch irgendetwas Zielführendes für meine Bachelorarbeit.
last time modified: Nov. 21, 2011, 10:12 a.m.

Comments
Ray No PR, Marketing, Text
26/12/2011 · report · direct link · reply
Ich finde, anstatt sich selber das Leben schwer zu machen, wovon Du - sag ich mal ganz offen - noch gar nicht so viel verstehst als Bachelor-Student, solltest Du Dir vielleicht mal anschauen, wie zur Zeit die Presselandschaft, DEINE KOLLEGEN in den Boden gestampft wird. Noch nicht gemerkt, Du Schlauberger? Das Ergebnis: Wir dürfen in Zukunft vermehrt kostenlos oder für wenige Werbungs-Euro (oder -DM) schreibende Blogs lesen, die von ausgebildeten Journalisten verwaltet werden. Und Du kleiner Student meinst, hier Leistungsdruck auf andere ausüben zu müssen, damit noch mehr für noch weniger geleistet wird???
Julia Switak BA Media Student
27/12/2011 · report · direct link · reply
Was hat BA Student zu sein, denn bitte damit zu tun, sich das Leben schwer zu machen?
Und überhaupt, verstehe ich deine Argumentation nicht ganz, was ist denn dein Punkt? Machst Du überhaupt einen Punkt, oder kritisierst Du nur mal so drauf los?
Der Artikel ist eine interessante Analyse der zeitgenössischen Entwicklung vom Journalismus. Und ja, Journalismus befindet sich im Wandel, und das schon seit 40 Jahren.
Klar führt die Content-Übersättigung zu Leistungsdruck. Und alles was Dominik Leitner hier argumentiert, ist doch, dass man mit der Zeit gehen muss, um überhaupt noch eine Chance zu haben, hier mitzuhalten.
Außerdem musst Du dir nur mal ein paar erfolgreiche Journalisten und deren Umgang mit SM ansehen (z.b.: www.facebook.com/brianstelter ) um zu sehen, wieviel Bewegung in der Sache ist!
Matthias Fuchs studiert Journalismus
26/11/2011 · report · direct link · reply
"ich würde verstehen, wenn man von nun an auf einem Bewerbungsschreiben für den Redakteursjob verpflichtend eine Blog-URL anführen müsste." Interessanter Gedanke, aber einfach nur ein Blog zu haben wird wohl nicht reichen. Jeder Depp kann ein Selbstdarstellungsblog mit Belanglosem füllen.
Machiste
21/11/2011 · report · direct link · reply
"....und entdecke immer wieder tolle Dinge, die mir ohne Twitter wohl verwehrt geblieben wären." Könntest du da zwei, drei Beispiele anführen bitte?
Ich hab nämlich auch mal Twitter probiert, und überhaupt keinen Sinn in diesem Dienst erkannt, drum interessiert mich das.
Dominik Leitner Medienmanagement-Student an der FH St. Pölten
22/11/2011 · report · direct link · reply
1. mein Job. Ich arbeite im Social Media Marketing, natürlich neben meinem Studium. Und diesen Job habe ich ohne Bewerbung bekommen, mein heutiger Chef hat mich damals via Twitter angeschrieben, weil er meine geposteten Tweets mochte und sah, dass ich mich im Social Media Bereich auskenne.
2. "Österreichs Blogs" - Das war ein Projekt von mir: ich schrieb einen Blogbeitrag, legte ein Google Doc an ... innerhalb kürzester Zeit, durch Retweets auf Twitter, haben sich über einhundert (jetzt schon weit über einhundertfünfzig) Leute eingetragen. Facebook hat mir da hingegen eindeutig weniger Zugriffe und Reaktionen beschert.
3. meine Gastbeiträge in anderen Medien (Futurezone, frischluft.at) haben oft ihren Ursprung auf Twitter ... ich werde angeschrieben, ob ich bereit wäre etwas zu schreiben.
Twitter ist, wenn man sich eine schöne Bubble aufgebaut hat, großartig um Reaktionen einzufangen, um Diskussionen zu führen oder einfach nur um einen spannenden und interessanten Newsfeed zusammenzustellen.
Und ich mag es vor allem, weil es im Gegensatz zu Facebook wirklich auf die Inhalte ankommt. Schreibt man nur "belanglosen Mist" wird man eben entfolgt ... da muss man sich eben selbst eine eigene Linie ausdenken.
Machiste
22/11/2011 · report · direct link · reply
Interessant! Danke für die Antwort :)
Onatcer student, amateur photographer, blogger
21/11/2011 · report · direct link · reply
Gott sei Dank will ich bloggen und habe derzeit nicht vor Journaltist werden ;D
So muss ich mir darum wenigstens keine Gedanken machen. Wobei ich finde, dass der Umgang mit Social Media, zumindest Grundkenntnisse, in beinahe allen Berufen, die iwas mit dem World Wide Web zu tun haben, wichtig sind und vorhanden sein sollten.
Anton Bravus
21/11/2011 · report · direct link · reply
Bin mir nicht sicher, aber ich meine, schon an anderer Stelle von dir gelesen zu haben: (sinngemäß) "Wer heute Journalismus studiert und keinen Blog betreibt, kann gleich einpacken" Passt ja vom Kontext ganz gut.
Alma Zcimonisak Studentin an der FH Wr. Neustadt
21/11/2011 · report · direct link · reply
Twitter kommt also - Faymann sei Dank - auch in Österreich an =)
Georg Holzer
21/11/2011 · report · direct link · reply
Einen Aspekt möchte ich hinzufügen: Wettbewerbsfähigkeit. Wer heute im Journalismus anfängt, wird in den allermeisten Fällen nicht gleich angestellt. Daher muss man "aufzeigen", um sich gegen andere (Freie) durchzusetzen.
Gut kommt zB an, wenn die eigene (Print-)Geschichte möglichst viele Leserinnen und Leser auf der Website hat. Und wie bekommt man die?
Ganz sicher nicht, wenn man dasitzt und wartet. Ich brauch mich nicht mehr durchsetzen, dennoch ist es "cool", wenn durch Twitter, Google+ und Facebook einmal meine Geschichte ganz oben ist. Bei meinen tollen Followern ist das auch nicht schwierig.
Julia Switak BA Media Student
21/11/2011 · report · direct link · reply
Guter Punkt! In Wahrheit ist es tatsächlich leider eher so, dass die meisten Uni Absolventen mit einem Journalismus Bachelor erstmal kellnern oder hausieren gehen können..