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Die Prioritäten des HC Strache

Stodl-Clubbing ja, Totengedenken nein. Was der Terminkalender des FPÖ-Chefs über seine politischen Ziele aussagt.

Die Enttäuschung war groß unter den Biertonnen-Trägern. Am achten Mai mussten die Burschenschafter am Heldenplatz ohne HC Strache den Opfern (und Tätern) des zweiten Weltkrieges gedenken. Der FPÖ-Frontmann sagte seine Teilnahme kurzfristig ab – aufgrund einer wichtigen „Geheimkonferenz“ rechter Parteien in Italien. Interessant nur, dass ein solches Treffen laut „Profil“ überhaupt nicht stattgefunden haben dürfte. Weder „Lega Nord“ noch die Südtiroler Freiheitlichen können sich an eine Zusammenkunft mit HC Strache am achten Mai erinnern, und diese beiden Parteien dürften bei einem Rechts-Politiker-Stelldichein in Italien eigentlich nicht fehlen. Mit wem hat sich Strache dann wohl getroffen? Er wird doch nicht bei einer Bunga-Bunga Veranstaltung von Silvio Berlusconi gewesen sein?

Ganz abgesehen davon, ob jetzt ein Geheimtreffen stattgefunden hat oder nicht: Sieht man sich die Reaktion von FPÖ-Chefideologen Andreas Mölzer (der natürlich am Heldenplatz mit von der Partie war) an, dann liegt die Vermutung nahe, dass hinter Straches Fernbleiben wohl doch eher taktisches Kalkül steckt. „Wer dem polemischen Trug der etablierten Kräfte in zentralen Fragen nachgibt, hat schon verloren.“, so Mölzer. Das könnte man so übersetzen: Strache leugnet seine deutschnationalen Wurzeln, um sich bei der politischen Mitte der Gesellschaft anzubiedern. Das macht durchaus Sinn. Bei der letzten Präsidentschaftswahl hat sich durch das miserable Abschneiden von Barbara Rosenkranz gezeigt, dass mit Deutschtümelei und ultra- Konservativismus keine Wahlen mehr zu gewinnen sind. HC Strache will sich daher von den braunen Wurzeln seiner Partei distanzieren und gibt sich massentauglich. Im Zuge dessen begibt er sich auch wieder in sein vertrautes Wähler-Jagdgebiet: die Discos der Republik.


 Happy-Hour mit HC“


Viel wichtiger als das deutschnationale Randgruppenprogramm ist dem Zahntechniker a.D. nämlich der Kontakt mit der Jugend. Kein super-wichtiges Geheimtreffen konnte ihn davon abhalten, am vergangenen Wochenende Party im Burgenland zu machen. Zuerst rockte er mit der Halbturner Dorfjugend im „Rockstodl“ ab. „Happy Hour mit HC“, gesponsert von einer lokalen Fahrschule – da freut sich die trinkfeste Jungwählerschaft. Später ging es dann noch weiter in die Mattersburger Großraumdisco P2. Bei diesem Party-Ausflug konnte sich HC bestimmt wieder einige Stimmen für die nächsten Wahlen sichern, sofern die Nacht nicht zu feucht-fröhlich geriet und wieder alles vergessen wurde, oder der eine oder andere Führerschein-Neuling das Fahrschul-Sponsoring falsch gedeutet hat und am Heimweg noch per Auto auf Tuchfühlung mit einer Leitplanke gegangen ist. Strache versteht es jedenfalls wie kein Zweiter, das pickerte Discoparkett politisch für sich zu instrumentalisieren. Während die beiden (noch-)Großparteien bemüht sind, ihr schwindendes Stamm-Klientel der Pensionisten und Bauern milde zu stimmen, fischt HC Strache ungeniert und erfolgreich bei den Jungen um Stimmen. Bei den Nationalratswahlen 2008 erreichte die FPÖ 44% unter den 16 bis 29-jährigen. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, haben die Freiheitlichen reelle Chancen, 2013 die stärkste Partei zu werden.


 Kanzler Strache 2013?


Das passt zur aktuellen Rhetorik des FPÖ-Obmannes. In den letzten Jahren hat er sich zwar ziemlich wohl in der Rolle des lärmenden Oppositions-Wapplers gefühlt, aber mittlerweile will er mehr. Immer selbstbewusster spricht Strache davon, zur politisch dominierenden Kraft in diesem Land werden zu wollen, und das ist kein unrealistisches Szenario mehr: In Umfragen liegt die FPÖ immer öfter Kopf an Kopf mit SPÖ und ÖVP. Wenn es der Regierung nicht gelingt, in dieser Legislatur-Periode noch bedeutende Akzente zu setzen, und die FPÖ-Propaganda den nächsten „How low can you go“-Wahlkampf eröffnet, sieht es schlecht aus für Rot und Schwarz. Die größte Stärke von HC Strache ist immer noch die Schwäche seiner Gegner. Er selbst hat nämlich auch nicht viel zu bieten. Die Regierungskompetenz der FPÖ tendiert gegen null. 16 von 34 FPÖ-Mandataren im Parlament pflegen Kontakte zu Burschenschaften und anderen rechtsextremen Kreisen. Auch wenn sich Strache mehrheitsfähig gibt und Veranstaltungen wie der vom achten Mai künftig lieber fernbleibt, kann er nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Partei tief im deutschnationalen Sumpf verankert ist. Die Restvernunft in der österreichischen Bevölkerung ist hoffentlich groß genug, um diese Partei nicht zur stärksten des Landes werden zu lassen. Die Folgen könnten fatal sein.


hyder out.

 

"Profil"-Artikel zu Straches Geheimtreffen in Italien

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last time modified: July 14, 2011, 5:05 p.m.

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