Die rechten Recken trauern am Heldenplatz
Der Wiener Korporations-Ring (WKR) lädt auch heuer zum "Totengedenken" am 8. Mai, dem Jahrestag der Kapitulation des Nazi-Reiches. Einmal mehr wird der von der Geschichte vorbelastete Heldenplatz in Wien ein symbolischer Ort der Verlogenheit.
- Politics & World Affairs
- 07/05/2011
- 606
- 0
- 1
- http://ngrap.es/pTc
Die Neonazi-Website "alpen-donau.info" hat bereits seit längerem für die Veranstaltung geworben, besonders gespannt dürfe man als Besucher auf die Rede von "FPÖ-Führer Strache" sein. Dieser trat 2004 das letzte Mal ans Rednerpult am Heldenplatz, seine Rückkehr 2011 ist aber mehr Kalkül als Zufall. Am rechten Rand seiner Klientel, bei den schlagenden Burschenschaftern, gilt es nach seinen "Ausrutschern" wie der Israelreise kritische Stimmen zu besänftigen. Öffentlich verteidigte er deshalb die Teilnehmer der Veranstaltung als "honorige Persönlichkeiten, die mit beiden Beinen fest auf der österreichischen Verfassung stehen."
Die "Hölle"
"Wir denken an die Charakterstärke und Unerschütterlichkeit der Frauen und Männer im Bombenhagel des alliierten Luftterrors", beschreibt ein Redner am Heldenplatz den Grund der Zusammenkunft. (2004, Livemitschnitt auf Youtube) "Die militärische Kapitulation der deutschen Armee am 8. Mai 1945 brachte den Alliierten den Frieden, Abermillionen von Deutschen brachte sie die Hölle und unserer geliebten Heimat eine jahrelange Besetzung.", setzt diese "honorige Persönlichkeit" ihre Rede fort. Spätestens hier müsste jeder deutsche und österreichische Bürger egal welcher Parteiangehörigkeit stutzig werden. Kurz die Fakten: Deutschland löste den zweiten Weltkrieg aus. Österreichs Rolle war ambivalent, einerseits Mittäter, andererseits Opfer. 1930 fand die letzte Nationalratswahl in Österreich statt, unabhängig von den Bezeichnungen für den Zeitraum 1933 bis 1938(Austrofaschismus, Präventivfaschismus), war der demokratische Weg schon lange vor dem Anschluss an Deutschland verlassen, soviel zur Opferrolle. Die Demokratie wurde erst nach der Befreiung durch die Alliierten wieder installiert. Über all diese Fakten fällt kein Wort. Stattdessen wird die Befreiung vom Nationalsozialismus als "Hölle" bezeichnet.
Zähneknirschen
Nun, was macht man also mit den Herrschaften des WKR? Überlässt man ihnen den Heldenplatz im Wissen, dass dieses "Totengedenken" eine Chiffre ist, die jeder Rechtsextreme und jeder, der sich marginal mit der Thematik beschäftigt, entschlüsseln kann? Zähneknirschend muss man mit ja antworten. Das Versammlungsrecht sollte gewahrt werden, solange es keine Eskalation gibt und das Verbotsgesetz nicht offensichtlich gebrochen wird, die subtile Botschaft außer Acht gelassen. Genauso muss das Versammlungsrecht für eine Gegendemonstration gelten. Diese sollte friedlich ablaufen, da sonst der Antifaschismus in eine anarchistische Ecke gedrängt wird, wo er nicht hingehört. Pseudorevoluzzer, die Straßenschlachten anzetteln, stellen bloß eine Minderheit der Gegner des Nationalsozialismus dar. Die breite Masse lehnt solche Rabauken ab, daher schaden sie mehr als sie nutzen.
Erbrochenes
Fest steht, es muss das heuchlerische Unkraut, das der WKR und Politiker wie Graf oder Strache über den wahren Beweggründen für die Veranstaltung angepflanzt haben, beiseite geschafft werden. Auch im Hinblick auf die geblendeten Wähler, die dann die Schattenseite des jungen und lockeren Straches aus der Disco erkennen könnten. Von konservativen bis linksliberalen Bürgern muss also deutlich und ohne Zurückhaltung ausgesprochen werden, mit welcher Verlogenheit ein paar deutschnationale Burschenschafter ihr ideologisches Erbrochenes in mundgerechten Häppchen mitten in Wien verteilen. Die "Helden" von vorgestern dürfen nicht die "Helden" von morgen werden.
last time modified: Nov. 16, 2011, 11:36 p.m.

Comments