Filmkritik: Contagion
Visuell beeindruckender Thriller mit überzeugendem Starensemble
- Culture Movies & Television
- 31/10/2011
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Wer kann sich noch an SARS erinnern? An die Vogelgrippe? An H1N1 alias die Schweinegrippe? Im 21.Jahrhundert geschahen bereits drei potenzielle Pandemien, doch jedes Mal kam die Menschheit sehr gimpflich davon. Hysterie und Beruhigung gingen dabei stets Hand in Hand, dazu wüteten Verschwörungstheorien in dubiosen Internetforen über die Herkunft dieser Viren. In Steven Soderberghs („Traffic“, „Erin Brokovich“, „The Informant!“) neuem Film „Contagion“ hat die Menschheit weniger Glück und wird von einem hoch ansteckenden Killervirus rasant dahingerafft. „Contagion“ thematisiert die rasche Verbreitung des Virus MEV-1, der frappierend an SARS erinnert, aus der Sicht von verschiedenen Protagonisten. Das Resultat ist ein visuell beeindruckender Thriller mit einem überzeugenden Starensemble - „Contagion“ ist allemal ein sehenswerter Film.
Dichte Geschichte um tödliche Pandemie
Die Geschichte beginnt mit einer Hongkong-Dienstreise von Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow), wo sie sich mit MEV-1 infiziert und dann nach Minneapolis zurückkehrt. Dort stirbt sie nach mehreren Anfällen und steckt auch ihren Sohn damit an, der die Krankheit ebenfalls nicht überlebt. Ihr Ehemann Mitch Emhoff (Matt Damon) erweist sich hingegen als immun und isoliert sich mit seiner Tochter von der restlichen Umwelt. Währenddessen beginnt sich MEV-1 weltweit rasch zu verbreiten und sorgt für Opfer in Millionenhöhe, Chaos und Anarchie in der Gesellschaft. Mediziner wie Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) vom CDC (Centers for Disease Control and Prevention), Dr. Erin Mears (Kate Winslet), Dr. Ally Hextal (Jennifer Ehle) und Professor Ian Sussman (Elliot Gould) suchen fieberhaft nach einem Gegenmittel gegen den aggressiven Killervirus. In einer Nebenhandlung versucht inzwischen die Epidemologin Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) von der WHO, in Hongkong den Ursprung des Ausbruchs zu finden. Das amerikanische Department for Homeland Security vermutet in MEV-1 eine Biowaffe, wohingegen der Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) eine Verschwörung wittert. Krumwiede versucht die Menschheit davon zu überzeugen, dass die Pflanze Forsythia das einzig wirksame Gegenmittel ist, und wird dabei von Forsythia-Produzenten in der Pharmaindustrie bezahlt. Seine These verstärkt den Aufruhr und beschleunigt den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung, während Sussman, Hextal und co. dem Heilmittel immer näher kommen…
Der Virus lauert überall...
Soderbergh ist mit „Contagion“ ein sehr realistischer und wissenschaftlich akkurater Thriller gelungen, der das Worst-Case-Szenario Killervirus auf beängstigende Weise näherbringt. Die Geschichte hat trotz der zahlreichen Nebenhandlungen einen steten roten Faden und fesselt den Zuseher durchgehend. Die Bilder von menschenleeren Städten, Chaos und Anarchie in den Straßen und dem Effekt von MEV-1 auf die Menschen verstören und beeindrucken zugleich. Auf intensive Weise wird auch veranschaulicht, wo überall Mikroben, Bakterien und Infektionsträger in unserer vernetzten Gesellschaft lauern - jeder Haltegriff in der U-Bahn, jede Gabel im Restaurant, jeder Türknopf im Aufzug ist eine potenzielle Virusfalle. Wer diesen Film gesehen hat, überlegt es sich zweimal, bevor er sich wieder in eine Menschenmasse oder eine überfüllte U-Bahn begibt. „Contagion“ spielt mit den Ängsten und der Irrationalität des Menschen, zeigt aber auch heldenhafte Leistungen einiger weniger Wissenschaftler und Bürokraten.
Jude Law überzeugt als paranoider Blogger
„Contagion“ ist gespickt mit Stars wie Paltrow, Winslet, Damon, Law, Cotillard und Fishburne und leistet sich den Luxus, Protagonisten wie Gwyneth Paltrow (in der ersten Viertelstunde) und wenig später Kate Winslet draufgehen zu lassen. Das Ensemble weiß zu überzeugen, besonders Jude Law als paranoider Verschwörungstheoretiker und fanatischer Blogger sticht heraus. Es ist interessant, dass Soderbergh ausgerechnet einen Blogger als „Bösewicht“ in diesem Film darstellt, wenn man bedenkt, wie populär die Blogsphäre heutzutage im Netz ist und wie rasant sie täglich an Bedeutung gewinnt. Jude Law ist man nicht als Bösewicht im Film gewohnt, in „Contagion“ spielt er diese Rolle aber überzeugend.
Fazit: „Contagion“ ist ein sehenswerter und äußerst realistischer Thriller, der noch dazu Hollywood-untypisch wissenschaftlich akkurat ist und eine dichte Handlung mit interessanten Charakteren bildet. Nach diesem Film möchte man sich gar nicht ausmalen was passieren könnte, wenn ein Killervirus wie MEV-1 morgen etwa in der Millionenmetropole Hongkong ausbricht…
Eine Filmkritik von Schwarzweiss
Bild: Copyright Wikipedia
last time modified: Oct. 31, 2011, 8:19 p.m.

Comments
Anton Bravus
04/11/2011 · report · direct link · reply
Hab mir den grad gestreamt - verdammt miese Quali, aber durchaus spannend! Der Charakter von Jude Law ist zwar teilweise ein wenig überzeichnet, aber alles in allem kommt der Film durchaus glaubwürdig rüber. Besonders wenn man das Genre mag ;-)
Alma Zcimonisak Studentin an der FH Wr. Neustadt
04/11/2011 · report · direct link · reply
Ich bin ja kein großer Fan von Weltuntergangsszenarien, aber so wie Du den Film beschreibst, scheint er ja durchaus sehenswert zu sein.
KHG
04/11/2011 · report · direct link · reply
Also wenn du mich fragst, ist das ein Thema, dass alleine in den letzten drei Jahren schon sicher zehn mal verfilmt wurde! Ist doch schon sowas von augelutscht..