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Filmkritik: In Time

Düsterer Science-Fiction-Thriller, in der Zeit alles ist

Trailer

Hat man nicht oft das Gefühl, dass man zu wenig Zeit hat? Dass man für bestimmte Sachen gerne mehr Zeit hätte? Im dystopischen Science-Fiction-Thriller "In Time" von Regisseur Andrew Niccol ("Gattaca", "The Truman Show", "Lord of War") ist Zeit die Währung zum Überleben in einer Welt, in der Unsterblichkeit nicht mehr unmöglich ist. Natürlich vorausgesetzt, dass man genug Geld hat, um diese Zeit zu kaufen. Niccol ist mit "In Time" ein solider Blockbuster gelungen, der aber mit tiefgründigerer Story, ausgefeilteren Charakteren und einer kreativeren Umsetzung mehr als das hätte sein können.


Die Menschheit altert nicht mehr
"Zeit ist Geld"
, sagte schon der ehemalige US-Präsident Benjamin Franklin. Im Film "In Time" ist dieses Motto zur Lebensweise der Menschheit geworden. Dank medizinischer Fortschritte wurde das Alterungsgen deaktiviert, und im Jahr 2161 hören die Menschen mit 25 auf zu altern. Da dies aber zu einer Überbevölkerung führen würde, hat jeder ab diesem Zeitpunkt nur mehr ein Jahr zu leben, oder "times out", also stirbt. Man gewinnt Zeit durch Arbeit und Geld, und sieht stets auf seinem Arm, wie viel Zeit noch übrig bleibt. Während die Armen in abgeschiedenen Ghettos, wo Anarchie und Kriminalität regieren, täglich um ihr Leben fürchten müssen, schwelgen die Reichen dank ihrer gekauften Zeit in Luxus und leben unendlich. Die Welt ist je nach Klassenzugehörigkeit in verschiedene Zeitzonen geteilt, und um von einer zu anderen Zone zu gelangen, zahlt man oft ein Jahr seines Lebens.

In dieser dystopischen und faschistischen Welt lebt der 28 Jahre alte ("25 + 3") arme Fabrikarbeiter Will Salas (Justin Timberlake) in den Ghettos. Tag für Tag kämpft er ums Überleben, bis er dem 105 Jahre alten, reichen Henry Hamilton (Matt Bomer) begegnet. Salas rettet ihn vor der "Minutemen"-Gang rund um Fortis (Alex Pettyfer), die die Zeit anderer mit Gewalt stehlen. Hamilton erklärt ihm dann, dass eigentlich genug Zeit für alle da wäre, doch die Reichen würden die Zeit für sich behalten, um unsterblich zu werden. Salas wacht am nächsten Tag auf und sieht, dass ihm Hamilton all seine Zeit geschenkt hat und gestorben ist. Er will diese neu gewonnene Zeit mit seiner 50-jährigen Mutter Rachel (Olivia Wilde) teilen, doch sie stirbt am Weg zu ihm.

"Timebanks" und "Timekeepers"
Salas beschließt daraufhin, Rache am ungerechten System zu nehmen, und nützt seine Zeit, um in die Zeitzone der Reichen zu gelangen. Er trifft dort auf den 90-jährigen Millionär Philippe Weis (Vincent Kartheiser), der sein Geld damit verdient, Zeit zu abstrusen Zinssätzen in "Timebanks" zu verleihen. Weis' 27-jährige Tochter Sylvia (Amanda Seyfried) ist fasziniert von Will und lädt ihn zu einer exklusiven Party ein. Währenddessen verfolgen die "Timekeepers", eine Polizeieinheit rund um Raymond Leon (Cilian Murphy), Salas wegen dem mutmaßlichen Mord an Henry Hamilton. Leon trifft Salas bei der Party, doch Salas entkommt mit Sylvia und wird daraufhin von Leon und den "Timekeepers" verfolgt.

Obwohl Will Sylvia zu ihrem Vater zurückgehen lassen würde, beschließt sie bei ihm zu bleiben, um gegen das System zu rebellieren. Will und Sylvia beginnen Phillipe Weis' "Timebanks" auszurauben, und verschenken die gestohlenen Zeitcontainer an die Menschen in den Ghettos. Sie merken jedoch, dass sie damit nicht den Status quo ändern können, da die Reichen einfach die Lebenskosten in den Ghettos konstant erhöhen. Will und Sylvia stehlen daher eine Million Jahre von Sylvias Vater, der sie nicht aufhalten kann. Leon findet beide kurz vor den Ghettos, doch "times out", bevor er sie töten kann. Die Reichen müssen schließlich mit tausenden "Neureichen" von den Ghettos fertig werden, die in ihre Zeitzonen strömen und das bestehende System destabilisieren, während Will und Sylvia weiter "Timebanks" ausrauben...

Verpasste Chancen
Regisseur Niccol, der bereits für den ähnlich veranlagten, brillianten Thriller "Gattaca" verantwortlich war, erreicht dieses Niveau mit "In Time" nicht. Der Film ist per se nicht schlecht, sondern nützt einfach viele Chancen nicht. Die dystopische Welt im Jahr 2161 wirkt zum Beispiel kaum futuristisch und eher wie eine Kopie der heutigen Welt. Dass jeder Autos aus den 60ern fährt, mutet auch etwas seltsam an. Dazu erfährt man kaum etwas über die Hintergründe dieser Welt, zum Beispiel wie das Alterungsgen deaktiviert worden ist, wie es zu diesem System kommen konnte und wer dieses System wirklich kontrolliert. Bis auf den Mogul Philippe Weis und "Timekeeper" Raymond Leon trifft man kaum auf Autoritätsfiguren in diesem Film. Auch die Charaktere werden zu wenig erforscht, wie etwa Leon (über den man kaum etwas erfährt) oder auch Philippe Weis, der nur oberflächlich skizziert wird. Dazu verliert der Film zu viel Zeit mit Verfolgungsjagden - Zeit, die er besser in die Handlung hätte investieren sollen. Hier wäre einiges mehr möglich gewesen.

Auch beim Ensemble gibt es Positives und Negatives bei "In Time" zu berichten. Justin Timberlake als rebellischer Fabrikarbeiter Will Salas spielt seine Rolle solide, doch hätte man mehr von ihm erwarten können. Cilian Murphy als sinistrer "Timekeeper" Raymond Leon weiß zu gefallen, auch Vincent Kartheiser als aristokratischer, eiskalter Millionär Philippe Weis mit einem seltsamen Engelslächeln überzeugt. Amanda Seyfried als rebellische Millionärstochter Sylvia ist eher eine Fehlbesetzung, da wäre eine andere Schauspielerin für diese Rolle besser gewesen.

Fazit: "In Time" hätte ein neues "Gattaca" werden können, es bleibt aber nur beim Versuch. Die Handlung wirkt nicht ausgereift, die Charaktere nicht ausgefeilt, und mehr Einfallsreichtum und Esprit hätte man sich beim Design einer futuristischen Welt auch gewünscht. Dennoch ist "In Time" ein solider Blockbuster geworden, der mit dem interessanten Konzept "Zeit = Währung zum Leben" etwas zum Nachdenken anregt. Wer weiß, ob so ein Szenario in Zukunft nicht denkbar sein könnte?

Eine Filmkritik von Schwarzweiss
Copyright Foto: Wikipedia

last time modified: Nov. 19, 2011, 5:59 p.m.

Comments

Machiste

Machiste

20/11/2011 · report · direct link · reply

2+ [2]

"Hamilton erklärt ihm dann, dass eigentlich genug Zeit für alle da wäre, doch die Reichen würden die Zeit für sich behalten, um unsterblich zu werden." Sehr augenscheinliche Parallele zur heutigen Zeit, wie ich finde. Auf jeden Fall eine interessante Story, schade dass da nicht "mehr draus gemacht wurde", wie du schreibst. Ist aber meistens so, dass die Handlung zugunsten von Krach-Bumm in den Hintergrund geschoben wird.
Dank deines Artikels hab ich jetzt aber Gusto auf den Film bekommen.