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Filmkritik: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides

Der bereits vierte Teil der Disney Piraten-Saga kann nicht wirklich überzeugen

Quo vadis, Captain Jack Sparrow? In Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides verwandelt sich Johnny Depp bereits zum vierten Mal in den skurrilen und exzentrischen Freibeuter Jack Sparrow und macht die Karibik unsicher. Regisseur Rob Marshall (Chicago, Nine) schickt seinen Protagonisten und dessen Mitstreiter diesmal auf die Suche nach der sagenumwobenen und begehrten Quelle der ewigen Jugend. Das auf diesem Weg zahlreiche Gefahren und Gegenspieler lauern, versteht sich von selbst. Neben den nach der Quelle trachtenden Weltmächten und Erzrivalen England und Spanien gibt es vor allem den skrupellosen und herzlosen Piraten Blackbeard (Ian McShane), der nach ewiger Jugend lüstet. Auch Jack Sparrows Hassliebe Captain Hector Barbossa (Geoffrey Rush), der mit Blackbeard eine Rechnung offen hat, mischt wieder mit. Und schließlich hat noch die hinterlistige und manipulative Freibeuterin Angelica (Penelope Cruz), der Sparrow in der Vergangenheit das Herz gebrochen hat, ein gewichtiges Wörtchen im Wettlauf um die Quelle mitzureden. Soweit also die Zutaten für ein in der Theorie spannendes Piratenspektakel, das aber aus mehreren Gründen nicht wirklich überzeugen kann.

Zum einen krankt es in Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides vor allem an der Handlung. Mehr als eine Dreiviertelstunde braucht es einmal, bis die etwas dünne Geschichte wirklich Fahrt aufnimmt und das Wettrennen um die Quelle der ewigen Jugend wirklich beginnt. Doch selbst dann sorgen vermeidbare Storytwists und Sideplots für unnötige Längen, die sich Regisseur Marshall hätte sparen können. Die Liebesgeschichte zwischen der Meerjungfrau Syrena (Astrid Berges-Frisbey) und einem Missionar (Sam Claflin) zum Beispiel wirkt nicht nur etwas an den Haaren herbeigezogen, sondern ist noch dazu für das Voranschreiten der Haupthandlung ziemlich überflüssig - weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen. Denn der Streifen dauert immerhin 136 Filmminuten und wirkt gerade durch solche Konstrukte künstlich in die Länge gezogen. Andere, neue Storyelemente wie etwa die Spanier kommen dafür aber zu kurz, denn bis auf eine längeres Auftreten beim finalen Höhepunkt sieht man nicht viel von den Südländern. In diesem Fall hätte den Protagonisten der Spanier etwas mehr Platz eingeräumt werden können, um die Geschichte eine Spur dichter zu gestalten - Chance vertan.

Ein anderer Aspekt, wo der vierte Teil der Disney Piratensaga nicht brilliert, ist (etwas überraschend) bei der Besetzung. Zwar hat das Ensemble mit Schauspielergrößen wie Depp, Cruz, Rush und McShane Rang und Namen, dennoch wirkt sich das Fehlen der in den ersten drei Teilen auftretenden Orlando Bloom (als Will Turner) und Keira Knightley (als Elizabeth Swann) spürbar auf den Unterhaltungsgrad aus. Das Triumvirat Depp-Bloom-Knightley war in den ersten Teilen noch Garant für spannende und amüsante Abenteuer, die Kompensation mit Neuverpflichtung Penelope Cruz gelingt nicht ganz. Klar sind die Zankereien zwischen dem früheren Paar Sparrow und Angelica anfangs durchaus unterhaltsam, nerven aber im Verlauf des Films doch etwas. Vor allem Cruz trägt ihre Rolle als hinterlistige und manipulative Piratin teilweise etwas zu dick auf, wohingegen Johnny Depp die feinere schauspielerische Klinge führt und wie schon in den früheren Teilen des Piratenspektakels als kultiger Exzentriker Sparrow überzeugen kann. Der Rest der Besetzung läuft bis auf die solide spielenden Rush als gefinkelter Barbossa und McShane als Oberbösewicht Blackbeard nicht zur Hochform auf. Besonders Claflin als Priester und Berges-Frisbey als Meerjungfrau Syrena können nicht wirklich überzeugen, was vielleicht auch daran liegt, dass ihre Rollen von den Machern, wie vorher erwähnt, zu künstlich in die Handlung implementiert wurden.

Schließlich lässt, hier kann man darüber streiten, auch die Action in Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides im Vergleich zu den ersten Teilen zu wünschen übrig. Gab es früher etwa noch spektakuläre Schlachten auf See inklusive Enterhaken und Kanonen, den effektvoll Schiffe zerstörenden Kraken (in Teil 2) oder einen sehenswerten, gigantischen Meeresstrudel (in Teil 3), geizt Teil 4 diesmal mit Action und Special Effects. Für manche mag das eine sanfte willkommene Abkehr von der Effekthascherei des Hollywood-Blockbusterkinos sein, die zur Betonung der Handlung beiträgt. Da die Geschichte wie eingangs erwähnt aber ziemlich dünn und langatmig ist, hätte mehr Action dem Streifen in punkto Unterhaltungsfaktor durchaus gutgetan. Denn bis auf die gewohnt solide orchestrierten Fechtduelle gibt es nur noch eine gruselige und beeindruckende Attacke der Killer-Meerjungfrauen, die das Prädikat Action wirklich verdient. Aber wie gesagt, über das Maß an Action, welches ein Hollywood-Blockbuster verträgt und benötigt, lässt sich streiten.

Fazit: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides kann wegen Schwächen in der Geschichte, Besetzung und Action nicht wirklich überzeugen und ist daher der bislang schwächste Teil der Piratensaga. Einzig wegen einem gewohnt sehenswerten Johnny Depp als Captain Jack Sparrow lohnt es sich, den Streifen anzusehen.

Eine Filmkritik von schwarzweiss   

last time modified: July 14, 2011, 4:40 a.m.

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