Geflügelte Medien
Warum Red Bull zeigt, wie Medienunternehmen heute funktionieren
- Economics
- 05/11/2011
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- http://ngrap.es/pBGY
Die beliebteste Marke der Zielgruppe "14- bis 29-Jährige", Red Bull, ist nicht nur als Namensgeber eines Energydrinks und eines zumindest in den Kernmärkten gut funktionierenden “natürlichen Colas” von großer Relevanz - auch im Medienbereich hat es sich rasch einen Namen gemacht und versucht, innerhalb weniger Jahre zu einer bestimmenden Größe zu werden. Egal ob bei Printmedien, im Fernsehen oder Tablets: Red Bull setzt alles daran, neue Maßstäbe zu setzen.
Rasende Entwicklungen
Eine Auflage von 4,6 Millionen kann das Red Bulletin, ein monatlich erscheinendes Magazin rund um die Sportler und Sportereignisse, die unter dem Sponsoring des Dosenbefüllers stehen, verzeichnen. Nachdem es in Österreich im November 2007 erstmals verschiedenen Tageszeitungen beigelegt war, werden seither mehr und mehr Märkte (wie Großbritannien, die USA, Südafrika oder Neuseeland) bedient. Die Zeitschrift kann (vor allem bei unserer Zielgruppe) mit einigen Dingen punkten: ein modernes Layout, viele Bilder und ein sehr lockerer Schreibstil.
Als Gegensatz dazu kann man das Servus in Stadt & Land sehen:
"Servus in Stadt & Land versteht sich als modernes Heimatmagazin, das in der Alpen-Donau-Adria-Region zuhause ist."
Interessant, für eine Marke, die bisher vor allem durch moderne Sportevents, sündteure Sponsorings und extravagante Events aufgefallen ist. Aber mit dem "Heimatmagazin" scheinen sie den Nerv der Zeit erkannt zu haben und präsentieren monatlich die besten Rezepte, die schönsten Orte und die interessantesten Berufe (zum Beispiel: ein Pfeifenbauer vom Traunsee). Die Zielgruppe liebt es. Und so ist das für das Medienhaus des österreichischen Unternehmens eine Erweiterung für den Fernsehsender ServusTV. Der ehemalige Lokalsender kann in Österreich von 82% aller Haushalte empfangen werden, in Deutschland aktuell von 11%, der Schweiz von 18%. Der Sender wird befüllt mit lokalen Informationen, interessanten Dokus (unter anderem "Terra Mater" von der ehemaligen Universum-Redaktion) und einem eigenen Red Bull-Fenster für Berichte über die verschiedenen Events. So ist er der erste Privatsender, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Qualitätsfernsehen zu produzieren. Für den ORF ein Grund, ORF III zu starten.
Nächster Halt: Tageszeitung?
Seit Monaten halten sich Gerüchte, dass das Red Bull Media House auch in den Tageszeitungsmarkt einsteigen wird. Bestätigt wurde bis heute noch nichts, aber mit dem Budget, welches einer solchen Tageszeitung am österreichischen Markt zur Verfügung steht, könnte daraus eine wirklich herausragende (und mit professionellen und anerkannten Journalisten bestückte) Zeitung werden. Schon im März dieses Jahres vermutete das FORMAT, dass Didi Mateschitz, der Kopf hinter Red Bull, als Nächstes die Salzburger Nachrichten kaufen möchte. Ich bin da eher skeptisch: es wäre viel einfacher, eine eigene Zeitung auf die Beine zu stellen, als einer bekannten Zeitung den Red-Bull-Stempel aufzudrücken.
Heimlich, still und leise hat Mateschitz in den letzten Jahren ein Imperium aufgezogen, das alle Stückeln spielt: Von Radiosender und Plattenlabel über Magazine, Mobilfunk bis eben TV von Red Bull ist alles dabei. (FORMAT, 1.3.2011)
Es scheint also wirklich so, als würde alles, was das Red Bull Media House in die Hand nimmt, ein Erfolg werden. Vielleicht liegt es am Gespür der Inhaber für die Trends der heutigen Zeit. Vielleicht aber auch nur am übermäßigen Budget und (zumindest bei Red Bulletin) an den vertraglich verpflichteten Content-Lieferern, den Sportlern. Oder auch, dass viele Medien bisher kostenlos zu haben waren. ServusTV kann theoretisch jeder empfangen, das Red Bulletin startete als Gratisbeilage. Aber immerhin: Innerhalb sehr kurzer Zeit ist es dem Medienhaus gelungen, einen ganzen Markt ein kleines bisschen umzukrempeln. Es stört den Konsumenten also nicht, wenn sich ein Magazin nur als "fast unabhängig" ausgibt ... solange der Inhalt und die Aufbereitung stimmt, wird es überschwänglich angenommen.
Ich persönlich würde einen Einstieg des Red Bull Media Houses in den Tageszeitungsmarkt Österreich sehr begrüßen. Die letzten Markteinstiege liegen schon Jahre zurück und brachten mit Heute und ÖSTERREICH nicht wirklich den gewünschten Qualitätsschub. Eine echte Qualitätszeitung würde der Medienlandschaft sehr gut tun, und RBMH könnte einmal mehr vorzeigen, wie man Innovation auf Papier bringt. Denn dass sie eine ganz herkömmliche Zeitung auf den Markt werfen, glaubt hier wohl niemand mehr, oder?
References
- http://derstandard.at/1317019828046/Goldbach-Youngstar-Red-Bull-ist-beliebteste-Marke-in-der-jungen-Zielgruppe
- http://b2b.redbulletin.com/mediadaten.html
- http://www.servustv.biz/
- http://b2b.servusmagazin.at/
- http://www.format.at/articles/1109/525/290168/red-bull-chef-didi-mateschitz-medienunternehmen


Comments
Sophie Krainhöfner
05/11/2011 · report · direct link · reply
Also von wegen, alles war Red Bull macht wird gleich zu Gold! Man denke nur an Red Bull Mobile, das muss doch der größte Flop überhaupt gewesen sein?!
Kyle
05/11/2011 · report · direct link · reply
Was hat das denn mit Red Bull Mobile zu tun? ^^ Hier gehts um das Media House, bitte erst lesen, dann kommentieren.
Sophie Krainhöfner
05/11/2011 · report · direct link · reply
Das mag ja sein, aber ich wollte nur mal betonen, dass nicht alles was aus dem Hause Mateschitz kommt, auch gleich supertoll sein muss!
Dominik Leitner Medienmanagement-Student an der FH St. Pölten
05/11/2011 · report · direct link · reply
Ich habe Red Bull Mobile (obwohl es zum Red Bull Media House gehört) weggelassen, weil ich mich auf Print- und TV-Medien beschränken wollte. Ob es wirklich ein so großer Flop gewesen ist, wage ich aber zu bezweifeln. Soweit ich gehört habe, expandieren sie weiter, haben Partner weltweit und sind aktuell neben AT auch in der Schweiz, Ungarn, Südafrika, Belgien, Polen ... und seit vergangenem Monat auch in Australien erhältlich. (Und die Marktführerschaft streben sie höchstwahrscheinlich auch nicht an ... sie bedienen eine Nische, jene der Red Bull Sportevents-Fans. Und das scheinbar sehr gut.)
Andrej Gill
05/11/2011 · report · direct link · reply
Ich muss gestehen, dem Einstieg von Red Bull ins Tageszeitungsgeschäft erstaunlich positiv gegenüber zu stehen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob sie neben klassischem Marketing bzw so einem lokalen Käseblatt auch in der Lage sind, qualitativ hochwertigen Journalismus zu liefern!
Andrej Gill
05/11/2011 · report · direct link · reply
Korrigiere: Der Idee, das Red Bull ins Tageszeitungsgeschäft einsteigen könnte, stehe ich positiv gegenüber.
NiSa
10/11/2011 · report · direct link · reply
Was wir hier auf diesem Planeten dringend brauchen, ist eine wirklich freie Presse - und nicht noch eine andere Tageszeitung, die von irgendwelchen Konzerninteressen abhängig ist!
gogetit
05/11/2011 · report · direct link · reply
Ich finde die Arbeit von RBMH insgesamt ziemlich beeindruckend, also gerade so Sachen wie "Flying Bach", gestern in der Burghalle gesehen, absolut genial!