Geld regiert die Welt
Der widerrechtliche Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte in Brasilien
- Non-profits & Activism
- 05/06/2011
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- http://ngrap.es/pVe
Dass sich die USA und ihre kleinen treuen europäischen Hündchen gerne in die Angelegenheiten anderer Länder einmischen, ist nichts Neues. Dass sie das – entgegen ihrer Darstellungen– nicht aus dem selbstlosen Drang nach Gerechtigkeit tun, auch nicht.
Spätestens seit die NATO im März dieses Jahres nach über 40-jähriger Herrschaft Gaddafis zufälligerweise draufgekommen ist, wie böse er eigentlich ist, um dann zum Schutz der armen Bevölkerung (aber sicherlich nicht, weil Libyen viel Rohöl besitzt) in den Bürgerkrieg einzusteigen, wird sogar den ganz idealistisch Denkenden klar: die vermeintlich „Guten“, nämlich die Industriestaaten, finden es nur dann wert, die Welt zu „verbessern“ und von
allem „Bösen“ zu befreien, wenn sie wirtschaftlich davon profitieren.
Neuestes Beispiel dafür ist zwar nicht ganz so prominent, dafür umso katastrophaler. Und zwar für uns alle. Die Rede ist vom Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte am Fluss Xingu im Amazonasgebiet. Es soll der
drittgrößte Staudamm der Welt werden. Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA hat erst diese Woche die Baugenehmigung durchgewinkt – und das, obwohl bei weitem noch nicht alle Auflagen erfüllt sind. 240 Hektar Regenwald wurden schon gerodet. Insgesamt sollen 500 Quadratkilometer (!!) Wald geflutet werden – bis zu 40.000 Menschen müssen umgesiedelt werden.
Diese Menschen sind hauptsächlich Indigene und Kleinbauernfamilien. Sie haben kein Geld und dadurch kein Druckmittel gegen die übermächtige Regierung und die beteiligten Firmen.
Ein rein brasilianisches Problem, das uns nichts angeht? Wohl kaum. Immerhin produziert der Regenwald beinahe 50 Prozent des Sauerstoffs für die ganze Welt. Jede Rodung betrifft uns also alle, nicht nur die Menschen, die in der betroffenen Region wohnen.
Falsch wäre in diesem Fall aber, die Schuld alleine der brasilianischen Regierung zuzuschieben. Klar, sie war diejenige, die den Bau genehmigt hat. Doch wirklich bauen tut das Wasserkraftwerk nicht die Regierung, sondern profitgierige Firmen – unter ihnen auch die österreichische Andritz AG und die deutsche Voith Hydro, um nur einige Beispiele derjenigen Firmen zu nennen, die sich Turbinen-Aufträge in dreistelligen (!!) Millionenbeträgen sichern konnten.
Wieder einmal wird die Scheinheiligkeit vieler Länder offensichtlich.
Menschenrechtsorganisationen, Umweltschutzorganisationen, brasilianische
Oppositionspolitiker und Gewerkschaften, ja sogar die katholische Kirche
stellen sich gegen den Bau des Kraftwerks – ohne Erfolg. Warum? Sie haben kein Druckmittel gegen die brasilianische Regierung.
Wer hingegen ein solches Druckmittel hätte, wären reiche nordamerikanische und europäische Staaten. Würden sie die Verhinderung des Baus des Wasserkraftwerk als Bedingung für eine weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit fordern, wäre die Baugenehmigung zweifelsohne nicht erteilt worden.
Stattdessen geben sich hochrangige europäische und amerikanische Politiker die Klinge bei offiziellen Besuchen in Brasilien in die Hand, ohne ernsthaft ein Wort über die Umwelt zu verlieren – immerhin ist Brasilien als BRIC-Land ja ein wirtschaftlich aufstrebendes Land, an dem man durchaus gut verdienen kann. Und wieder einmal erkennt jeder noch so idealistisch Denkende, dass in Sprichwörtern oft mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt: Geld regiert die Welt.
Wer hier jetzt verzweifelt à la Vogel Strauss den Kopf in den Sand steckt, ist fehl am Platz. Stimmt, den Bau dieses Kraftwerks können wir nicht mehr verhindern, dafür ist es zu spät. Was wir aber alle gemeinsam verhindern können, ist der Bau des nächsten Mega-Kraftwerks im Regenwald oder die nächste Rodung. Jeder einzelne kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, um das zu retten, was noch zu retten ist. Oder wir ersticken einfach alle im Geld. In diesem Sinne einen frohen „Internationalen Tag der Umwelt“.
https://regenwald.patenschaft.at/?cf=wwfartpatenschaft
last time modified: July 14, 2011, 5:45 a.m.


Comments
Matthias Fuchs studiert Journalismus
06/06/2011 · report · direct link · reply
"...ja sogar die katholische Kirche stellen sich gegen den Bau des Kraftwerks..." find ich lustig, was heißt hier sogar?
Erwin Kräutler, Bischof in Brasilien war einer der ersten die gegen das Kraftwerk demonstriert haben und er gibt den Kampf noch nicht auf.
Fusquinha
06/06/2011 · report · direct link · reply
ja schon, aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer ;-)