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GooglePlus - nichts oder etwas Besonderes?

Google hat seinen nächsten Versuch gestartet, um im Bereich SocialMedia Fuß zu fassen. Nach ersten persönlichen Erfahrungen mit dem neuen Network wird es Zeit, die Gedanken zu sortieren. Fazit: ich liebe es, aber nicht jeder ist ich :-)

Viele, viele Artikel sind in den ersten 48 Stunden zum brandneuen Social Network von Google geschrieben worden. Den meisten fällt nichts Besseres ein als irgendeine Variation von „Angriff auf Facebook“ für den Titel oder Aufmacher zu verwenden. Der gemeine Wirtschaftsteil-Zeitungsleser versteht offenbar keine andere Sprache als „wer will wen fressen“. Ohne Zweifel möchte Google in den Markt eindringen, der gegenwärtig von Facebook dominiert wird. Allerdings gibt es derzeit auf Google+ noch gar keine social-sensitive (auch keine kontext-sensitive und nicht mal sonst igendwelche) Werbung, was die vom Marketing her denkenden Beobachter wohl durch die Bank vergessen haben zu erwähnen. Jedenfalls ist die fehlende Werbung finde ich Grund genug, Google+ erst mal nicht aus Marketing-Sicht zu betrachten, sondern ausschließlich aus konzeptioneller Sicht.

Obwohl ich in der Vergangenheit so einiges zu möglichen Google-Plänen für ein Social Network geschrieben habe (z.B. Eine Prognose für das Social Network von Google), war mir nicht danach, beim Bekanntwerden der Nachricht, dass Google nun tatsächlich ein solches Network gelauncht hat, gleich in die Trompete zu blasen. Auch als ich am nächsten Vormittag erfreulicherweise bereits die erforderliche Einladung erhielt, um an der Beta-Phase teilzunehmen, wollte ich nicht gleich, während ich meine ersten Gehversuche auf der Plattform machte, darüber schreiben. Ich wollte es einfach erst mal ein wenig nutzen und „wirken lassen“.

Mittlerweile sind der erste und der zweite Lebenstag im neuen Netzwerk vorbei. Ich folge fast 200 Leuten, und weit über 300 Leute folgen mir. Die Timeline ist bestens gefüllt, und viele der Early Adaptors sprühen erst mal vor Aktivität. Das wird sich vermutlich in nächster Zeit legen. Dann wird sich zeigen, wer da bleibt, aktiv Inhalte beiträgt und das Network zu einem echten Netzwerk macht. Zumindest so viel lässt sich sagen: die Chancen stehen diesmal deutlich besser als im Februar 2010, als der GoogleMail-Social-Ergänzungsservice Buzz gelauncht wurde. Während Buzz beim Start viel Verwirrung, Kritik und Kopfschütteln auslöste, sind die Stimmen bei Google+ fast durchweg positiv, nicht wenige sogar voll des Lobes. 

Bis jedoch fundiertere Bemerkungen zum Erfolg und zur Nutzung möglich sind, möchte ich lieber erst einmal etwas über die Konzepte von Google+ schreiben und ein paar Ideen dazu äußern, wie man diese Konzepte sinnvoll nutzen kann. 

Die Sache mit den Kreisen (Circles)

Obwohl die Standard-Ansicht des Google-Network für Facebook-User eigentlich sehr vertraut ist, ist das Erste, was man als erfolgreich eingeloggter Neu-User auf Google+ zu sehen bekommt, doch sehr neu und ungewohnt: nämlich die sogenannte Circles-Ansicht. Die gibt es in dieser Form in Facebook, LinkedIn, Xing, MySpace oder StudiVZ nicht. Zwar lassen sich „Freunde“ auf Facebook ebenfalls in Listen (Gruppen) organisieren. Doch bei Facebook ist diese Funktion so unauffällig implementiert, dass sie kaum genutzt wird. Konzeptionell vergleichbar ist in dieser Hinsicht nur das OpenSource-Netzwerk Diaspora, das eine ähnlich starke Betonung verschiedener Lebensbereiche und Kontaktformen kennt. Dort werden sie als Aspekte bezeichnet.

In der Circles-Ansicht von Google+ kann man Benutzer auswählen oder suchen und diese in persönliche „Schubladen“ einordnen. Diese Schubladen werden optisch ansprechend als Kreise (circles) visualisiert. Man kann gefundene User einem oder beliebig vielen persönlichen Kreisen zuordnen. Ein paar typische Kreise wie „Freunde“, „Bekannte“, „Familie“ usw. sind beim Einstieg bereits vorhanden. Man kann beliebig neue Kreise hinzufügen, ändern oder entfernen. In der oberen Fensterhälfte werden gefundene User angezeigt, in der unteren die Circles. Durch einfaches Ziehen eines oben angezeigten Users mit der Maus in einen Circle wird der User hinzugefügt. Es ist keineswegs verboten und organisatorisch oft sogar sinnvoll, einen User mehr als einem Kreis zuzuordnen (dazu weiter unten noch mehr):

Die Kreise von Google+

Die Kreise von Google+

Intuitiv bedienbar, doch ein mächtiges Werkzeug, dessen richtiger Einsatz möglicherweise einiges an Überlegungen erfordert.

Die Namen der User im oberen Bereich öffnen beim Überfahren mit der Maus einen Tooltipp, der wiederum eine anklickbare Version des Namens enthält. Die Links führen zu den Profilseiten der entsprechenden User. Dort bekommt man neben dem Profilbild allerdings nur das zu sehen, was die Profil-Inhaber als öffentlich zugänglich definiert haben:   

Die neuen Profilseiten von Google

Die neuen Profilseiten von Google

Die alten Profilseiten gibt es nicht mehr. Die neuen sind Teil von Google+ und vereinen Postings aus Google+, hochgeladene Bilder, Videos, für gut befundene Web-Inhalte („+1“) und derzeit noch Postings von Google Buzz.

Eines sollte man sich bei der Sache mit den Kreisen grundsätzlich überlegen: nämlich ob man die Circles überhaupt nutzen möchte oder nicht. Das mündet in die Frage, wie man Google+ letztlich nutzen möchte. Typische Power-User der Webszene neigen dazu, die meisten Inhalte einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Das ist in Google+ problemlos möglich. Eigene Status-Beiträge lassen sich nicht nur an einen oder beliebig viele eigene Circles senden, sondern auch an einen Pseudo-Circle namens öffentlich. Und damit ist wirklich das offene, weite Web gemeint, und nicht etwa nur die begrenzte Sphäre aller registrierten Google+-User. Als öffentlich deklarierte Beiträge sind über eine eigene URL-Adresse erreichbar. Da Postings bei Google+ keine Längenbegrenzung kennen, könnte so mancher Side-Blogger bei Posterous oder Tumblr sich überlegen, ob er nicht lieber gleich via Google+ publizieren sollte. Für Networker, die vor allem öffentlich wirken wollen, empfiehlt es sich, einen Circle für alle User anzulegen, denen man folgen möchte, z.B. einen Circle namens Alle. In diesen Circle zieht man dann alle User, denen man folgen möchte.   

Google+ bedient aber auch das umgekehrte Bedürfnis: Austausch jenseits von E-Mail ja, aber nur in sehr begrenztem Maße und möglichst kontrolliert. Die Circles-Ansicht sagt leider nicht explizit, was sie eigentlich meint: „Bilde nicht nur dein reales Leben ab! Sei ganz hemmungslos und steck deine Kontakte in Schubladen, die du immer schon dafür gewünscht hast. Niemand außer dir kann sehen, wen du in welche Schublade gesteckt hast. Scheu dich also nicht, auch Schubladen wie Dummschwätzer oder Nur-mit-Kneifzange einzurichten!“ Im Regelfall einen Kreis für web-aktive Arbeitskollegen vielleicht, einen für den erweiterten Familien-Klan, einen für den ganz realen Dorf-Tratsch, einen für die Vereinsmitstreiter, und einen „Ouh-la-la“-Kreis. Das wirkt erst mal alles sehr abstrakt. Um User in eine oder mehrere geeignete Schubladen zu stecken, muss man sich einfach in Gedanken vorstellen, eine Status-Meldung zu posten. Etwa einen Hochzeitsgruß an die entfernte Cousine dritten Grades. Das betrifft den Familien-Klan-Kreis, aber nicht die Berufskollegen. Ein andermal möchte man vielleicht lieber einen soeben entdeckten, fundierten Fachartikel über konkurrierende Weichmacher-Techniken bei Kinderspielzeug teilen, weil man in der Chemie-Branche für solche Weichmacher-Techniken beschäftigt ist: das geht die Berufskollegen an. Das sind alles klare Zuordnungsfälle. Leider ist das Leben jedoch komplexer und hält sich nicht an bestimmte Schubladen. Angenommen, man regt sich persönlich sehr über die Rodung des Regenwaldes für die Interessen von McDonalds auf, oder darüber, dass Stefan Raab im Alleingang bestimmt, wer aus deutscher Sicht am European Song Contest teilnimmt. Das interessiert villeicht einige Familienmitglieder, einige Vereinskollegen, und einige Berufskollegen. In diesem Fall beginnt das Wagnis, eine solche Status-Meldung an all diese Circles zu senden, auch auf die Gefahr hin, bei einigen andersdenkenden Circle-Usern böse anzuecken. Wenn man vorhat, sich auch mal non-konform zu äußern, kann man sich aber auch mit der Definition geeigneter Spezial-Circles helfen. Zum Beispiel mit Circles wie Regenwald-Abholzungs-Gegner oder Nie-wieder-Raab-Lena-Kult. Dort kann man genau die User einordnen, die als Zielgruppe für Gedanken dieser Art in Frage kommen. Das ist zwar ein wenig Einrichtungsarbeit, aber dafür kann man extrem zielgruppengerecht posten. Eine Option, die vor allem auch für den Business-Bereich interessant ist. 

Bei jedem Beitrag, den man in Google+ postet, kann man genau festlegen, an welchen oder welche Benutzer(kreis(e)) das Posting gehen soll:

  • an einen bestimmten Benutzer: (das ist die Privatnachrichtenfunktion innerhalb von Google+, sie ist gewissermaßen einfach ein Spezialfall für Statusmeldungen). Dazu einfach im Adressierungsfeld den Namen des Benutzers tippen. Beim Tippen werden sofort Vorschläge angeboten. Einfach den gewünschten User auswählen. So wird der ausgewählte User zum Nachrichtenempfänger.
  • an mehrere bestimmte Benutzer: dazu einfach die zuvor beschriebene Prozedur mehrmals wiederholen.
  • an einen bestimmten Kreis (Circle): dazu einfach den Link Kreise oder Personen hinzufügen oder Weitere ...  hinzufügen anklicken. Eine Liste mit den definierten Kreisen wird angeboten. Einfach den gewünschten Kreis auswählen.
  • an mehrere bestimmte Kreise: dazu einfach die zuvor beschriebene Prozedur mehrmals wiederholen.
  • an alle eigenen Kreise: dazu einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste auswählen.
  • an erweiterte Kreise: auch dazu einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste auswählen. Dann geht das Posting auch an alle User, die Usern folgen, die einem selbst folgen.
  • an die Öffentlichkeit: auch dazu einfach den entsprechenden Eintrag (öffentlich) aus der Liste wählen. Das Posting ist dann innerhalb von Google+ für alle in der Timeline sichtbar, die einem folgen. Darüber hinaus ist es auf der eigenen Profilseite jedoch auch öffentlich im Web sichtbar (auch für User ohne Google+), mitsamt aller Kommentare.
  • an beliebige Kombinationen: also beispielsweise an einen bestimmten Kreis und zwei zusätzliche bestimmte Benutzer.
  • an beliebige E-Mailadressen: dazu im nachfolgenden Abschnitt mehr.
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Beiträge posten - eine leistungsstarke Funktion

Beiträge posten - eine leistungsstarke Funktion

Beiträge bestehen wahlweise aus reinem Text oder Text plus einem Bild, Text plus einem Video, Text plus einem Link (inklusive möglicher Grafik aus der verlinkten Zielseite) oder aus Text plus einer persönlichen Standortermittlung („ich halte mich gerade hier und da auf“) mittels Geolocation.

Freiwillige Vernetzung statt bidirektionaler Freundschaften

Das Hinzufügen anderer User zu eigenen Kreisen bedeutet lediglich, dass man künftig selber in der eigenen Timeline alles mitbekommt, was diese anderen User mit einem teilen. Umgekehrt ist das jedoch nicht so. Die anderen User erhalten lediglich eine Benachrichtigung darüber, dass man sie zu eigenen Kreisen (aber nicht, zu welchen Kreisen!) hinzugefügt hat. Es ist jedoch anders als bei Facebook keine Freundschaftsbestätigung erforderlich. Die Vernetzung funktioniert also nach dem reinen Follower-Prinzip, so wie bei Twitter. Das mag auf den ersten Blick kein gewaltiger Unterschied sein, doch in Wirklichkeit steckt dahinter eine völlig andere Vernetzungsphilosophie. Der Blogger Mario Sixtus hat das in einem Artikel herausgearbeitet und als asymmetrische Vernetzung bezeichnet. Diese Art der Vernetzung ist wesentlich web-typischer als die symmetrische und stets bidirektionale „Freundschafts“-Vernetzung bei Facebook, Xing oder vielen anderen Networking-Plattformen. Auch Hyperlinks im Web zeigen stets in eine Richtung, ohne auf der Zielseite automatisch einen Rückverweis zu generieren (Ausnahme: Trackbacks).

Überhaupt bemüht sich Google+ deutlich, nach außen hin offener zu sein als Facebook. So kann man in seine persönlichen Kreise auch User aufnehmen, die Google+ gar nicht nutzen. Es genügt, wenn man sie in seinen Google-Kontakten innerhalb von GoogleMail mit einer gültigen E-Mail-Adresse (die keine GoogleMail-Adresse sein muss) angelegt hat. Dann werden sie als Personen angeboten, die man in seine Circles ziehen kann. Sendet man nun ein Posting an einen Circle, erhalten User, die nicht bei Google+ sind, das Posting als E-Mail. Ferner ist es möglich, Postings auch direkt an beliebige E-Mail-Adressen zu senden. Dazu einfach in der bereits weiter oben beschriebenen Adressierungszeile eine gültige E-Mail-Adresse eingeben und die Eingabe mit der [Tabulator]-Taste abschließen. Das Posting wird damit zu einer E-Mail an den entsprechenden Empfänger. Solche E-Mails sind allerdings eine Einweg-Kommunikation, d.h. die Empfänger können nicht direkt darauf antworten. Wenn ihre Antworten als Kommentare zum Posting erscheinen sollen, müssen sie selbst bei bei GooglePlus anmelden. Dazu bietet Google in den so versendeten Mails die direkte Möglichkeit an.

Timeline mit Extras 

Die Standard-Ansicht von Google+ orientiert sich an dem Timeline-Paradigma, das gegenwärtig alle nennenswerten Social Networks einsetzen. Der zentrale Inhalt besteht also aus Beiträgen von anderen Usern, denen man selbst folgt, genauer, aus Beiträgen, zu deren Empfängern man gehört. In der Navigation links lässt sich die Timeline auf Kreise reduzieren. So kann man beispielsweise mit einem Klick das Netzrauschen der Timeline auf Beiträge enger Vertrauter reduzieren.   

Das Timeline-Paradigma herrscht auch bei Google+

Das Timeline-Paradigma herrscht auch bei Google+

Postings erscheinen allerdings nicht stur absteigend nach Zeitpunkt sortiert, sondern ähnlich wie bei Google Buzz absteigend nach dem Zeitpunkt des neuesten Kommentars. Dadurch verändern sich auch die Positionen der Beiträge laufend, was für weniger geübte User sicher erst mal verwirrend ist.

Neben der Timeline bietet Google+ allerdings schon jetzt einige Zusatzfunktionen an, die es in dieser Form in anderen Netzwerken nicht gibt. So etwa der Bereich Sparks. Diesen Bereich muss man sich man sich als eine Art Google Alerts innerhalb der Networking-Oberfläche vorstellen. Man definiert sich Stichwörter, die einen interessieren, und erhält einen automatischen News-Stream. Dieser besteht vor allem aus Links zu „relevanten“ Zeitungs- und Magazin-Artikeln. Gedacht ist die Funktion einerseits zur schnellen Recherche für SocialMedia-News-Verbreiter. Aber auch für Einsteiger, die noch nicht so viele Kontakte haben und deren Timeline folglich noch nicht sehr abwechselungsreich ist, sind die Sparks ein Abwechselungsfaktor. Die Sparks sind links in der Navigation erreichbar, unterhalb der eigenen Kreise. 

Sparks - der News- und Input-Service von Google+

Sparks - der News- und Input-Service von Google+

Zu frei definierbaren Stichwörtern werden aktuelle Links zu Zeitschriften- und Magazinartikel zum Thema angeboten. In diesem Bereich spielt Google natürlich seine Macht als Suchmaschine voll aus.

Als aufregendstes neues Feature wird jedoch von vielen Usern die sogenannte Hangout-Funktion gewertet. Das ist eine Video-Chat-Funktion für bis zu 10 User. Gleichzeitig kann noch ein YouTube-Video angezeigt werden. Überflüssig zu sagen, dass diese Funktion nur für sehr breitbandige Internetanschlüsse geeignet ist. Mit der von der Bundesregierung propagierten 1-MBit-Standardversorgung kommt man bei Hangout jedenfalls nicht weit. Ferner wird eine Webcam benötigt. Da diese vor allem bei Notebooks seit Jahren zur eingebauten Standardausrüstung gehören, ist diese Hardware-Voraussetzung jedoch bei vielen Usern erfüllt. Software-seitig ist außerdem noch das GoogleTalk-Video-Plugin erforderlich. Das lässt sich jedoch gegebenenfalls automatisch nachinstallieren - es ist für Windows, Mac und Linux verfügbar.

Wer sich langweilt, startet einfach eine Hangout-Sitzung und kann die Benutzer, die ihm folgen, darüber informieren. Um einen eigenen Hangout zu starten, steht rechts von der Timeline eine Schaltfläche Hangout starten zur Verfügung. Wer Zeit und Lust hat, kann sich in die Hangout-Sitzung einklinken. Über von anderen gestartete Hangouts erfährt man innerhalb der Timeline und hat dort die Möglichkeit, der Hangout-Sitzung beizutreten. So kann man zu zweit oder mit mehreren Leuten gleichzeitig „abhängen“. Nur den chilligen Ibiza-Strandbar-Sound hat Google noch nicht eingebaut. Das Hangout-Feature ist aber nicht nur zum Abhängen da, sondern auch für realitätsnahe Online-Meetings interessant. Google hat mit Hangout tief in eine wichtige Business-Kerbe von Skype geschlagen. Und Facebook reagiert anscheinend panisch besorgt mit einer Integration der Video-Chat-Funktion von Skype

Startvorgang eines Hangouts

Startvorgang eines Hangouts

Das Handling ist intuitiv, und Google bemüht sich, für ein Lächeln zu sorgen.

Schon weitaus selbstverständlicher, ressourcenfreundlicher und gewohnter als Hangout ist für viele User die normale Chat-Funktion. Diese ist weitgehend der von Facebook nachempfunden. Etwas undurchsichtig ist derzeit noch, welche Kontakte überhaupt als chat-fähige Kontakte angeboten werden. Der Grund dafür ist, dass die Chat-Funktionalität über Google Talk realisiert ist. Es werden nur Chat-Partner angeboten, für die in den Google-Kontakten von GoogleMail eine E-Mail-Adresse (und zwar die GoogleMail-Adresse) eingetragen ist. Eine Besonderheit beim Chat ist jedoch die sogenannte Huddle-Funktion. Diese ermöglicht es, mit einen ganzen Circle gleichzeitig zu chatten, also Circles zu Chaträumen zu machen.  

Integration, APIs und all das, was Facebook so beliebt gemacht hat

Gegenwärtig ist Google+ nur etwas für Vernetzungs-Puristen. Es bietet Networking und Teilen von Inhalten auf bislang höchstem Niveau, aber man kann bislang weder lustige Herzen versenden noch virtuelle Schafe züchten. Es gibt noch keine Fan-Seiten der Sorte „Wir-wollen-Guttenberg-zurück“ und keine Branding-Seiten für Markengläubige. Doch letztere sind genau das, was Google bereits angekündigt hat. Denn Google ist klar, dass ein reines Network ohne den ganzen Klimbim, der Facebook berühmt gemacht hat, heute nicht mehr ausreicht. Gerade um Unternehmen und damit potentielle Werbekunden zu binden, sind Network-Präsenzen jenseits persönlicher Profile erforderlich.

Eine dokumentierte Programmierschnittstelle (API) gibt es bislang auch noch nicht für Google+, und folglich auch noch keine „Apps“. Es ist allerdings sicher, dass früher oder später eine solche Schnitstelle eingeführt wird. Bereits jetzt können sich interessierte Entwickler registrieren. Irgendwann wird es dann wohl auch Geburtstagsherzen und Zynga-Schafe auf Google+ geben. Dennoch ist fraglich, ob Google+ jemals die Normalbürger-Akzeptanz von Facebook erreichen wird. Möglicherweise wird es eher zum Netzwerk für netzaffine Menschen, für Geeks und Nerds und Digerati. Denn die sind ohnehin die treueste Google-Klientel. Die sehr aufgeräumte, moderne, von einem Apple-Designer entworfene Oberfläche von Google+, die Google mittlerweile auch für andere Anwendungen übernimmt, spricht nicht unbedingt alle Teenies und Omis an. Das würde aber im Umkehrschluss bedeuten, dass bei Facebook weitgehend die „Intellektuellen“ abwandern. Doch all das gehört wieder zu den Prognosen, für die es im Augenblick einfach noch zu früh ist.          

Die echte Alternative bleibt Diaspora

Eines haben Google+ und Facebook bei aller Konkurrenz jedoch gemeinsam: es sind beides Angebote großer Unternehmen. Alle von den Benutzern produzierten Daten werden auf unternehmenseigenen Serverfarmen gespeichert. Wer prinzipielle Einwände gegen diese Form hat, eigene Daten im Netz zu hinterlassen, wird bei Google+ genauso enthaltsam bleiben wie bei Facebook. In diesem Fall bleibt das dezentral organisierte OpenSource-Network Diaspora die gegenwärtig sinnvollste Alternative (siehe dazu auch meinen älteren Artikel Erste Erfahrungen mit Diaspora).

Und wie kommt man nun an Google+? Und was ist mit Google-Apps-Usern?

Derzeit haben Benutzer von Google Apps noch keine Möglichkeit, Google+ zu nutzen. Google hat jedoch angekündigt, dass Google+ auf jeden Fall auch für Apps-User zur Verfügung gestellt werden soll. Es steht natürlich jedem Benutzer frei, sich bis dahin einen normalen Google-Account einzurichten. Um in der geschlossenen Beta-Phase an Google+ teilnehmen zu können, muss man jedoch von einem existierenden Google+-Benutzer explizit eingeladen werden. Der offizielle Einladen-Button wurde jedoch von Google vorläufig wieder kassiert, da es anfangs offenbar zu schnell voran ging mit dem gezielten Fluten der Benutzermassen. Es genügt aber in der Regel, ein Posting an eine @gmail.com- oder @googlemail.com-Adresse zu senden, um den entsprechenden Empfänger zu befähigen, ins Network einzutreten. Mein Angebot an Account-Inhaber bei Newsgrape: wer mir seine GoogleMail-Adresse als Nachricht an meine Newsgrape-Inbox sendet, versuche ich dann auf dem beschriebenen Weg zu Google+ einzuladen. 

last time modified: July 15, 2011, 4:35 p.m.

Comments

Nicht Ich

Nicht Ich

09/07/2011 · report · direct link · reply

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Wirklich interessant und schön zu lesen, vielen Dank!

Was meine Euphorie am meisten bremst ist die Versuchung, (irgendwann) auch nicht öffentliche Inhalte für andere Zwecke zu nutzen. Zu viel Macht führt IMMER zu Missbrauch, so viel auch hoffentlich dagegen getan wird, und sei es nur aus Alleinstellungsmerkmal-Interessen.

Wenn genug Menschen mithelfen, Diaspora als echte Grassroots-Alternative aufzubauen, wird es Erfolg haben - eigentlich egal wann es soweit ist, klar lieber bald. Wenn nicht, schafft es eben ein anderes ähnliches Projekt, da wird ja auch sehr viel wiederverwendbare Framework-Arbeit gemacht, unter anderem im OStatus-Umfeld. Ich bin davon überzeugt, dass die langfristige Zukunft der "digitalen Werkzeuge für soziale Netzwerke" dezentral und selbstbestimmt ist.

Stefan Münz

Stefan Münz

10/07/2011 · report · direct link · reply

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Ich denke eigentlich auch, dass ein dezentrales OpenSource-Network letztlich die optimale Lösung wäre. Ich denke auch, dass Linux das Betriebssystem mit dem meisten Potential ist. Letzteres benutze ich auch primär. In Diaspora bin ich auch, aber ich schaue da nur hin und wieder mal rein. Der Unterschied ist: Linux hat zwar nur 1% Marktanteil im Consumer-Bereich, aber es gibt genügend hervorragende Software, die es mir ermöglicht, alles zu tun, was ich tun möchte. Ein Network mit 1% Marktdurchdringung nutzt mir dagegen nichts, weil einfach nicht die Leute da sind, die das Ganze interessant und lebendig machen.

Im Gegensatz zu Linux, wo es Programme mit hervorragenden, durchdachten Oberflächen gibt, die vergleichbaren Windows- oder Mac-Anwendungen kaum unterlegen und manchmal sogar überlegen sind, wirkt Diaspora, verglichen etwa mit Google+, ziemlich langweilig. Da muss man Diaspora aber auch mal kritisieren: die hatten genügend Aufmerksamkeit. Aber es ist ein Jahr lang kaum was passiert. Man kann eben nicht nur unter der Haube rumschrauben, wenn erst mal User da sind. Man muss den Usern auch was bieten: coole Features, Schnittstellen, neue Vernetzungs- und Mitteilungsmöglichkeiten. Es geht halt nicht nur darum, ein moralisch reines Social Network zu erschaffen, sondern auch um neue Akzente. Und genau damit punktet Google+.

Ich bin gerne dabei, wenn ein dezentrales, freies - und cooles - Network entsteht, das wirklich die User anzieht. Es kann auch gerne Diaspora sein. Aber dazu braucht man halt Hunderte von Mannjahren in kürzester Zeit. Crowdsourcing kann auch das leisten, wenn es gut organisiert ist. Aber so, wie die Weiterentwicklung von Diaspora derzeit organisiert ist, sehe ich da leider nichts.

ishpconsult

ishpconsult

05/07/2011 · report · direct link · reply

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Hallo Stefan, sehr guter Artikel. Hat mich richtig neugierig auf Google+ gemacht. Versuchen wir es doch'mal mit dDeinem Invite-Angebot:

ishp.consulting@googlemail.com

Gruß
Herbert Peck

NilsOle

NilsOle

04/07/2011 · report · direct link · reply

2+ [2]

Als ich 11 war, habe ich die Bücher von Stefan verschlungen und bin täglich zu nem Kumpel und seiner ISDN-Leitung geradelt, um meine Skripts zu testen. Danke dafür, Stefan! :)

willi

willi

04/07/2011 · report · direct link · reply

2+ [2]

Also nach Google's bisherigen Fingerübungen wie Wave oder Buzz (ich teile die obigen Einschätzungen) klingt die Beschreibung von g+ und das Gesummse ringsum wie ... jetzt geht's los ...

Prognose: längerfrist bleibt Facebook die LOL/Farmville - Abteilung mit vielen bunten Herzchen und g+ wird die ernsthaftere Ecke.
Und Schnittstellen wird's geben, so dass man nicht immer beide Plattformen checken muss (zb Circles mit den facebook-kontakten)
Google kann sich wohl zu Beginn aufgrund der Userzahlen nicht leisten, nicht auf facebook zugreifen zu lassen.

Aber der Name ... da ist facebook doch um einiges griffiger als GooglePlus.

Michael Zita

Michael Zita

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Vielen Dank für diesen echten Erfahrungsbericht. Verstehe ich das richtig in meinen Stream kommen nur Sachen von "Leuten", denen ich folge, weil die Verknüpfungen nur einseitig sind. In FB stört mich nämlich, das wenn man eine Freundschaft hat prinzipiell einmal alle Updates in meinem Stream landen. Man kann zwar jemanden generell ausblenden, aber dann ist er auch ganz weg, zumindest habe ich es noch nicht geschafft einen vom Hauptstream unabhängigen Neben-Social-Stream einzurichten - könnte aber auch sein, das sich dies inzwischen geändert hat, habe das vor Monaten mal probiert.

Ich würde gerne wie bei Twitter durch die Lists möglich verschiedene Streams haben, damit ich zB in meinen Familienstream hin und wieder reinschauen kann, aber nicht gleich jedes neue Babyfoto der Cousine dritten Grades sehe.

Ich sehe Google+ prinzipiell als willkommene Konkurrenz hoffe aber eigentlich noch immer auf das dezentrale Diaspora, aber je länger es dauert umso geringere Chancen sehe ich sich noch am Markt zu etablieren.

Stefan Münz

Stefan Münz

03/07/2011 · report · direct link · reply

1+ [1]

Ja, das mit den einseitigen Verknüpfungen hast du richtig verstanden.
Genaugenommen bekommst du von jemandem, dem du in Google+ folgst, sogar nur das zu sehen, was diese Person mit Kreisen teilt, in denen du vorkommst, oder was sie als öffentlich deklariert hat. Das ist noch mal ein Unterschied zu Twitter. In Twitter gibt es zwar auch Listen, aber diese haben nicht die gleiche Wirkung wie die Circles in Google+. Denn Twitter bekommst du jeden Tweet von Leuten, denen du folgst, in deiner Timeline angezeigt. In Google+ dagegen nur die Postings, in deren Empfängerkreis du bist.

Und dann gibt es noch einen spannenden, für Neu-User aber auch erst mal ziemlich verwirrenden Side-Effekt. In der eigenen Timeline wird hin und wieder gleich oben auch eine Info ausgegeben, wie viele neue Beiträge von außerhalb deiner Circles mit dir geteilt wurden. Durch die „Einseitigkeit“ der Beziehungen entsteht nämlich die Möglichkeit, dass man selber Empfänger von Postings ist, deren Urheber man selber aber nicht in den eigenen Kreisen hat. Klartext: Anna folgt dir, indem sie dich in einen Kreis namens "Foobar" steckt, aber du folgst Anna nicht. Anna postet etwas, unter anderem an ihren Kreis "Foobar". Dadurch erhältst du die Nachricht. Sie wird aber nicht automatisch in deine Timeline gepostet, weil du Anna ja gar nicht folgst. Stattdessen erhältst du von Google den obigen Hinweis. Du kannst dir dann auf Wunsch die Postings anzeigen lassen, die unter anderem an dich adressiert sind, obwohl du die betreffenden Leute nicht abonniert hast.

Das alles ist wie gesagt für Neulinge erst mal furchtbar verwirrend. Aber wenn es erst mal im Kopf "Aha" gemacht hat, will man nichts anderes mehr.

Michael Zita

Michael Zita

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Verstehe, aber würde dieser Side-Effekt nicht gleichzeitig ein irrsinniges SPAM-Problem darstellen, ich stelle mir gerade vor massenhaft Google+ Accounts, die massenhaft User einem SPAM-Opfer Zirkel hinzufügen und dann bombardieren...

Michael Zita

Michael Zita

08/07/2011 · report · direct link · reply

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das hoffe ich, aber wenn spammen so leicht ist wie bei email, kann ich mir vorstellen, das das anfangs ein ziemliches problem sein könnte, jeden tag 20 neue user ignorieren ist auch nicht lustig. ich würde mich übrigens über eine einladung zu g+ freuen michael.zita [at] gmail.com - auch wenn ich die g+ seite noch nie nicht gerade ohne einladung aktivieren out of order meldung gesehen habe :D

Angelica Laurencon

Angelica Laurencon

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Danke für diese sehr klare und kritische Analyse.

Der lifelong learning process im Web 2.0 geht weiter und wird immer dichter. Mitmachen ist die einzige Möglichkeit, nicht draussen vor der Tür zu bleiben. Also @ in Newsgrape-Inbox... und tägliches Training.

newsape

newsape

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Ich denke eines der Hauptkonzepte von Google+ ist wohl, einen zentralen, sozialen Angelpunkt zwischen bereits existierenden Google-Services (GMail, Picasa etc) zu schaffen; bietet Google doch viele von Facebook bekannte Dinge wie Fotoalben etc bisher als einzelne Dienste (meistens mit klar besserem Funktionsumfang) so werden all diese Services nun unter einem Dach zusammengefaßt.

Stefan Münz

Stefan Münz

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Wobei das aber noch nicht wirklich konsequent umgesetzt ist. Derzeit sind GMail, Picasa und Talk irgendwie mit Google+ verbandelt. Aber da würde noch viel mehr gehen: man denke nur an Google Kalender, Google Docs, Google Sites, und was man damit alles anstellen könnte, wenn man es in ein Social Network integrieren könnte ... Google hat so irrsinnig viel ausgereiftes Anwendungspotential. Aber auch bei Google wird halt nur mit Wasser gekocht - Anwendungen, die gut zueinander passen würden, sind technisch vielleicht nicht ohne weiteres kompatibel. Da sind dann viele, viele Entwicklerstunden angesagt, um das zusammenzubringen.

newsape

newsape

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Naja wenn jemand viele Entwicklerstunden hat, dann wohl Google...

Am beeindruckendsten finde ich trotzdem die Umsetzung, sowohl das User Interface, dass eigentlich so aufgeräumt ist, dass man beim ersten Blick glaubt, es könne eigentlich überhaupt nichts, als auch die gebotene Geschwindigkeit (was sich bei mehr User wohl vielleicht ändern wird) überraschen.

Auch weiss Google hier mit der zur Verfügung stehenden Breite des Bildschirmes mehr anzufangen als Facebook!

Jürgen Haslauer

Jürgen Haslauer

04/07/2011 · report · direct link · reply

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noch NICHT konsequent umgesetzt trifft es vermutlich sehr gut.
mein eindruck ist, das doogle im moment gerade stündlich an hunderten kleinigkeiten arbeitet und sich alles, was zum thema google+ reinkommt versucht, ein- und aufzuarbeiten (das ist natürlich ein sehr subjektiver eidruck. aber als beispiel bringe ich mal die "korrektur" der timeline an, die zuerst dazu geführt hat, dass alte postings, die mit neuen kommentaren befüllt werden, nach oben gereiht werden. das mag nun verkehrt oder richtig sein; google hat jedoch kritik diesbezüglich aufgenommen und das dürfte im endeffekt einstellbar sein)

und das gleichzeitige umbauen im design (gmail, google selbst etc) sowie "abschalten" von services wie wunderrad, realtime-search mit der erklärugn "wir implementieren in google+" macht auf mich eher den eindruck, dass hier ein wirklich großer umbau im gange ist, alles mehr zusammenzuführen.
also ich bin jedenfalls sehr gespannt, was sich hier (und natürlich auch bei facebook) in den nächsten wochen und monaten tun wird.

Sebastion

Sebastion

03/07/2011 · report · direct link · reply

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In der Tat eine ausgesprochen nüchterne, interessante Analyse vom Thema. Wie nett, dass ich mit Google+ noch immer am warten bin, so kann ich mir zwar keine Meinung erlauben, muss aber auch noch nicht dem ein anderen anderen Extrem zustimmen.

Jürgen Haslauer

Jürgen Haslauer

03/07/2011 · report · direct link · reply

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toller artikel.

"Leider ist das Leben jedoch komplexer und hält sich nicht an bestimmte Schubladen." :-)
ich halte die circles dennoch für den derzeit besten ansatz unter den social media-plattformen zum "abbilden" des realen lebens . und wenn man die fülle an möglichkeiten sieht, die sie mit dennoch recht einfachem verwaltungsaufwand bieten, kann man nur sagen: top-design!

kaum sind die circles da, werden sie auch an vielen orten kritisiert - zu technisch, zu aufwändig etc.
grundsätzlich muss man sie ja nicht verwenden - dann ist es wie bei facbook (ohne listen) und man ist genauso glücklich.

wie praktikabel die circles in der organisation tatsächlich sind, kann man vermutlich auch ohnehin erst nach einiger zeit sagen.


besonders gut finde ich übrigens die analyse der "freiwiliigen vernetzung". ich bin mir auch jetzt nach dem zweiten tag nicht sicher, ob da nicht in gewisser weise twitter einen konkurrenten bekommt.

unterm strich hat sich google das schon alles sehr gut überlegt und vor allem konsequent umgesetzt.


und bezgl. Diaspora fürchte ich, dass sich hier aus meiner sicht so eine art "linux-schicksal" abzeichnen wird. also ein gutes system, von profis ernstgenommen, epfohlen und verwendet - aber eben nicht wirklicher massenmarkt.

Sophie Krainhöfner

Sophie Krainhöfner

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Gute Ansätze. Außer zum Thema Diaspora, denen ich, wenn sie endlich aus ihrer Alpha kommen, noch immer ganz gute Chancen einräumen.

Das Hauptproblem zum Thema Social Media ist meinen Augen vor allem, dass sich niemand zwei davon antut - eines ist schließlich schon zeitaufwendig genug. Und da dann entscheiden zu müssen - folge ich jetzt den Freunden, oder vielleicht doch denen - wird wohl entscheidend sein.

newsape

newsape

03/07/2011 · report · direct link · reply

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Die Rezeption von Diaspora krankt wohl auch daran, dass es meistens nicht als ein neues, dezentrales Konzept wahrgenommen wird, sondern eher die noch in Entwicklung befindliche Funktionalität/Oberfläche kritisiert, ohne dabei zu beachten, dass es sich hier um ein in Entwicklung befindliches Softwareprodukt handelt...

Stefan Münz

Stefan Münz

03/07/2011 · report · direct link · reply

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vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, Jürgen. Ich selber poste halt fast alles in Google+ als public, und vielen meiner Kontakte bei Google+ geht es ebenso. Aber wir sind ja auch die „Verrückten“ (Constanze würde sagen: die „Spacken“). Für Normal-User sind die Circles wirklich ein Segen. Und manchmal auch für die verrückten Spacken. Denn auch ich hab mich schon manches Mal bei Facebook-Postings (allerdings meistens erst hinterher) gefragt, ob das wirklich so klug war, wenn ich bedenke, wer das alles zu lesen bekommt.

Was Diaspora betrifft, so hab ich zwar schon gelesen, dass die nun wohl einpacken können. Aber ich glaube eher das Gegenteil. Durch Google+ werden erst mal viele, viele Leute mit dem Konzept der multiplen Schubladen vertraut. Das heißt: die Allgemeinheit wird das Schubladen-Konzept überhaupt erst mal verstehen lernen. Davon kann Diaspora eigentlich nur profitieren. Klar, es müsste schon was Schlimmes passieren, bevor die große Masse zu dem Glauben überwechselt, dass nur ein dezentral organisiertes Network die Zukunft ist. Aber genauso wie ich fest davon überzeugt bin, dass OpenSource irgendwann zum Standardkonzept für Software wird, denke ich, dass sich irgendwann dezentral organisiertes Networking durchsetzen wird. Kann allerdings sein, dass pfiffige Unternehmen wie Google auch dabei ihre Finger im Spiel haben werden. Auch wenn sie nicht mehr die Speicherhohheit über alle Daten haben.

Jürgen Haslauer

Jürgen Haslauer

04/07/2011 · report · direct link · reply

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hallo stefan, danke für die reply.

die einschätzung bezgl. der circles finde ich interessant, weil ich heute ständig lese "einteilung in circles und listen ist doch eher was für die technik-affinen user und nicht für den durchschnitts-user, der ohnehin einfach alles auf public setzt". so unterschiedlich kann man an ein thema rangehen ;-)

ad diaspora:
das stimmt schon. ich würde diaspora natürlich weder ein guts konzept noch gute umsetzung unterstellen. ich sehe eher das problem der bedingten massentauglichkeit. und zwar nicht, weil das konzept falsch oder schlecht wäre.
die ausgangssituation ist marketing-technisch einfach viel schlechter am start als google oder facebook.
google+ ist noch nicht mal eine woche online und es werden heute schon benutzerzahlen von 0,5 millionen genannt. und das, obwohl es eigentlich noch immer "public beta" ist. so ein hype fehlt diaspora schon stark. google+ schafft es mit einer beta-version, dass sich journalisten und meinungsbildner anstellen und "bitte, bitte, ich will auch" rufen.
das ist marketing á la apple oder die früheren hypes bei microsoft-releases (war da nicht dieser große windows-7-beta test namens vista? *g*).

ein "ein dezentrales Verteiltes System zum sicheren, kontrollierten und einfachen Austausch von Daten im Internet" laut wikipedia. damit schafft es diaspora irgendwie nicht zu einem massentaugliche gallileo-beitrag auf pro7 fürchte ich ;-)

(natürlich soll man niemals nie sagen. man denke zb nur an firefox, der sich ja auch gegen die "böse übermacht microsoft" mehr als erfolgreich zur wehr gesetzt hat)

Tom Peruzzi

Tom Peruzzi

12/07/2011 · report · direct link · reply

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hallo

habe diaspora, geraspora etc. Erfahrung, was neben dem Hype abgeht ist vor Allem ein Modell wie a diaspora selbst und b Werbetreibende auf diaspora gut und gerne Geld verdienen können. Just for fun macht heute ja selten wer was über längere Zeit, und genau da sitzt auch eines der Probleme, Datenschutz und Schutz der Privatsphäre steht nicht unmittelbar im Einklang mit Wirtschaftsinteressen, insbesondere dann wenn andere ein weit attraktiveres Paket anbieten können sowohl im Tracking als auch in der Reichweite. So leid es mir tut für diaspora, wenn sich da nix ändert sehe ich sehr schwarz.