Intimrasur: Landestreifen, Busch, Brazilian-Style?
Schamhaarentfernung ist eigentlich nichts Neues, ein Blick auf die Geschichte macht es deutlich. Dennoch scheint das Thema aktueller den je.
- Lifestyle Beauty & Wellness
- 21/06/2011
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Die Debatte um dieses intime Thema bestimmt ja seit einiger Zeit die Medien, und wird auch von der Klatschpresse immer wieder gerne aufgegriffen. Vermutlich haben die auch keine spannenderen Themen.
Diese mehr oder weniger interessanten Artikel setzten sich jedenfalls mit dem stärker werdenden Trend der Schamhaarentfernung auseinander. In anschaulichen Beispielen werden verschiedene Erfahrungsberichte und internationale Studien verglichen.
All diese Studien belegen eindeutig, die langsam steigende Zahl der Verfechter dieser Praxis. Wir aber gehen weiter! Da all diese Studien aus einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung entstanden sind – alleine um eine wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit zu wahren - bewegen sie sich an ja an der tatsächlichen Zielgruppe vorbei. Denn - und das werden Sie, werter Leser - mir nicht abstreiten können, ist dieser Trend wenigstens in der Gegenwart noch so jung, dass die älteren Generationen keinerlei Aussagekraft haben.
Sehen wir uns doch erst die Geschichte dieses Phänomens etwas genauer an:
Eigentlich begannen bereits die Menschen in den frühen Hochkulturen, wie Mesopotamien und Ägypten, sich der Körperhaare zu entledigen. Vor 4000 bis 3000 v. Chr. wurden Haarentfernungsmittel aus Eselsfett, Fledermausblut und Pech verwendet.
In den Harems, der Herrscher im Orient, gab es sogar extra ausgebildete Eunuchen, die den Frauen den Körper und vor allem den Schambereich rasierten. Traditionell wurden im arabischen Raum, den Frauen einen Tag vor der Hochzeit alle Haare bis auf die Kopfhaare und Augenbrauen, im Rahmen einer Zeremonie, entfernt (teilweise ist diese Tradition auch heute noch lebendig). Zur Haarentfernung benutzte man im Orient Halawa, eine warme Paste aus karamellisiertem Zucker und Zitronensaft, die bis heute in dieser Region ein gängiges Mittel der Haarentfernung ist.
Ab dem 15./16. Jahrhundert erlangte die Entfernung der Schambehaarung in Europa noch eine andere Bedeutung: Mit der zunehmenden Hexenverfolgung wurden verschiedene Methoden entwickelt, wie die sogenannte Nadelprobe, bei der man nach einem Zeichen am Körper - das der Teufel hinterlassen haben sollte - suchte. Die Delinquentinnen wurden am ganzen Körper epiliert oder rasiert und anschließend hüllenlos vor Gericht geführt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der viktorianischen Epoche, fand die Entfernung der Schamhaare wieder eine größere Beliebtheit. Diese Mode setzte sich zu dieser Zeit vorwiegend in den gehobenen Gesellschaftsschichten durch. Die. um diese Zeit entstandenen frühen Aktfotografien, legen davon Zeugnis ab.
Die letzte Rennaissance erlebte die Intim-Rasur Ende der Neunziger Jahre und man kommt nicht umhin, festzustellen, dass seine Ursprünge in der Porno-Industrie zu finden sind. Es waren die Porno-Darstellerinnen, die als erste den freien Blick auf ihre Scham freigaben. Damals war das ein neuartiges Spektakel, und hätte – wäre das Thema Porno nicht im verklemmten Amerika dieser Tage so heikel gewesen – beinahe eine öffentliche Diskussion hervorgerufen.
Heutzutage ist die Frau mit dem naturbelassenen Dreieckspelz beinahe schon eine Absonderlichkeit der Porno-Portale im Internet. Zu finden unter „hairy“, „fetish“ oder höchstens noch „natural“.
Generell ließe sich sagen, dass wir der jüngeren Generation eine enthaarte Intim-Zone als selbsterverständlich betrachten. Sei das Motiv nun Hygiene oder Ästethik. Zwar variierren die Vorlieben von Stutzen über aufwendigere Rasuren wie verschiedene, meist geometrische Muster, zu Klassikern wie dem sogenannten „Lande-Streifen“ bis zur einfachen Vollrasur. Gerade diese Ganz-Enthaarung ist es auch, der Kritikern sprichwörtlich die Haare zu Berge stehen lässt.
Denn deren Hauptargument ist die Vermutung, eine ganz enthaarte Intim-Zone sei der Versuch sich einem vorpubertären Ideal anzunähern, dass der Pädophälie Tür und Tor öffnete. Wo kommen wir denn hin - fragen diese - wenn wir plötzlich beginnen, keine Mühen zu scheuen um wie ein zehnjähriges Mädchen auszusehen? Anders ausgedrückt: wie stellt unsere Gesellschaft das Aussehen von Kindern oder jungen Mädchen dar?
Ihr zweites Argument ist, dass wir ja nur Opfer des Marketings der Konzerne sind. Gilette, der es schafft, uns alle vier Monate mit einer beeindruckenden Regelmäßigkeit vom Kauf eines neuen Rasierers zu überzeugen. Wilkinson, der jetzt als erster die nächste Stufe erklommen hat und in seinen Werbespots auch das Enthaaren der männlichen Brust proklamiert.
Als nächstes Argument der Kritiker, wird nun in der Regel der grundsätzliche Schönheitswahn unserer Gesellschaft vorgebracht.
Zum Beispiel, dass immer mehr junge Mädchen plastische Chirurgen aufsuchen, um ihren vermeintlich unförmigen und nun - da enthaart, sehr sichtbaren - Genitalbereich „verschönern“ zu lassen. Hier kommt immer öfter der Wunsch zu Tage, die inneren Schamlippen zu verkleinern – wo wir wieder beim ersten Argument anlangen – dem Versuch, einem vorpubertären kindlichen Mädchen ähnlich zu sein.
Ernstzunehmende Medizinischen Bedenken gegenüber einer Intim-Rasur gibt es nicht. Wenn man einmal davon absieht, dass die Haare unter den Achseln, im Intimbereich oder zwischen den Gesäßbacken einen Friktionsschutz darstellen, also verhindern, dass bei körperlicher Betätigung, wie Fußmärschen, Haut auf Haut reibt.
Mögen die Argumente der Kritiker auch teilweise auf wunde Punkte treffen – mein Resumee ist: Busch ist eklig und unerotisch.
last time modified: July 15, 2011, 1:25 p.m.

Comments
Toronto21
23/06/2011 · report · direct link · reply
"mein Resumee ist: Busch ist eklig und unerotisch."
Eines der Hauptargumente der Intimrasur-Befürworter ist ja immer, es geschehe ja auch aus hygienischen Gründen. Das ist, mit Verlaub, Kappes. Der liebe Gott hat uns ja nicht mit Haaren ausgestattet, wenn dies unhygienisch wäre. Mit Hygiene hat das also bei normaler Körperhygiene gar nichts zu tun. Es hat allenfalls "ästhetische" Gründe, wobei man über Ästhetik beliebig streiten kann. Geschmäcker sind nun mal verschieden und das ist auch gut so. Ich selbst bin ein Mann, renne aber nicht rum wie ein Nacktmulch. Ich rasiere mir die Achselhaare aus ästhetischen Gründen. Die Brusthaare bleiben dran, weil ich das Glück habe, dass es sich nur um einen mäßigen Bewuchs handelt. Wenn sie eine gewisse Länge erreicht haben, werden sie etwas gestutzt. Tägliches Rasieren finde ich nämlich höchst nervig und einmal angefangen, käme man aus dem Rasieren nicht mehr raus. Wachsen und Co. ist mir auf Dauer zu teuer. Über den Rest hülle ich mich in Schweigen, kann aber versichern, ich laufe nicht rum wie ein Oran-Uthan. Aber was mir gehörig auf den Keks geht ist, wenn Menschen, meinen, "Busch" sein unerotisch. Geschmäcker sind nun mal verschieden und wenn wir uniformiert rumlaufen, finde ich das pottenlangweilig. Es ist einfach eine Mode und Moden gehen irgendwann vorbei. Burt Reynolds galt mal als erotisch und der sah aus wie ein Schimpanse. Solche Zeiten kommen irgendwann wieder. Mein Gefühl ist, wir haben den Zenit der Intimrasur überschritten, denn wenn Mannsbilder aussehen wie Nacktmulche, wirkt es irgendwann skuril.
Asrael
23/06/2011 · report · direct link · reply
Vielen Dank für den Kommentar, schließe mich dem Kern, "Geschmäcker sind verschieden", zur Gänze an. Womit ich betonen möchte, das mein Resumee ausschließlich meine eigene Meinung darstellt!
Gwen
21/06/2011 · report · direct link · reply
Gute Entscheidung, nicht das Original-Bild zu nehmen! ;)
Gabor Guzmics
22/06/2011 · report · direct link · reply
oooooooch