Karl-Heinz Grasser: Vom Beau zum Buhmann
Wie eine gnadenlose Gesellschaft ihren Prince Charming zum personifizierten Bösen erklärt
- Economics Career
- 11/02/2011
- 720
- 0
- 0
- http://ngrap.es/pHh
Zuerst gab er sich “supersauber”, später “supernackt”, dann als superunfair behandelt - Karl-Heinz Grasser, Schönling und ehemaliger Liebling der Nation, ist neben Verteidigungsminister Darabos der Spitzenreiter der Schlagzeilen. Zu seiner aktiven Zeit als Politiker als junger, fescher, g'scheiter und endlich mal kompetenter Finanzminister. Heute als eitler, geldgieriger, korrupter Stratege. Spätestens nach der öffentlichen Verlesung des angeblichen Briefes einer Befürworterin in der ORF2-Sendung “Im Zentrum”, in dem sie schrieb, dass Grasser “für die abscheuliche Neidgesellschaft zu jung, zu intelligent, zu gut ausgebildet und zu schön” sei, verlor dieser wohl bei den meisten Österreichern seine Seriosität. Doch ist das öffentlich ausposaunte Selbstmitleid berechtigt?
Jein.
Denn ist Grasser tatsächlich unschuldig – und im Zweifel gilt natürlich immer die Unschuldsvermutung, wie er selbst ja auch weiß – wird einem Menschen, der nichts verbrochen hat, viel unnötiges Leid und sinnloses Mühsal zugefügt. Auch wenn er sich möglicherweise viele Unsymphathien mit “Sponsorings” von Tommy Hilfiger und sonstigen Geschenken hart erarbeitet hat.
Aber auch die Österreicher sind Menschen, und Menschen neigen nun mal dazu, vorschnell zu urteilen. Das kann man kritisieren, ist aber sinnlos. Denn solange die Menschheit sich nicht von Grund auf ändert, wird es nicht vermeidbar sein. Allwissenheit und die Kenntnis aller Fakten sind keinem gegeben, trotzdem muss sich der eine oder andere eine Meinung bilden. Manche nach sorgfältigem Abwägen, die meisten eben durch wenige, selektierte Informationen.
Grassers brilliante Vermarktung in den Medien hat stark nachgelassen, mit auch der Grund, warum man jetzt ein so schlechtes Bild von ihm hat. Früher für sein strahlendes Fernsehlächeln bekannt, versucht er nun mit Selbstmitleid und defensivem Verhalten zu punkten. Ein schwerer Denkfehler, wie sich herausgestellt hat.
Sich selbst mit Berlusconi zu vergleichen, war ebenfalls ein offenbar nicht zu Ende gedachter Schachzug. Auch wenn es teilweise passend scheint, da Berlusconi für sein Privatleben verurteilt wird, was eigentlich nichts mit der Qualifikation als Staatsoberhaupt zu tun hat. Dass Grasser sich mit einem Mann gleichsetzt, der sich mit seiner Vorliebe für junge, oder sogar minderjährige Mädchen immer wieder unfreiwillig in die Medien katapultiert, zeugt nicht unbedingt von großer Intelligenz.
last time modified: July 14, 2011, 5:10 a.m.

Comments