Kindle-Millionär ohne Verlag - Thriller-Autor John Locke macht's vor
Zuwachs im Klub der Kindle-Millionäre: mit Thriller-Autor John Locke erreicht erstmals ein reiner Direkt-Publisher die magische Auflagen-Grenze im Amazon-Store.
- Creative Writing Blogging
- 20/06/2011
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Der Kindle-Million-Club ist ganz besonders exklusiv - bisher hat er nämlich nur eine Handvoll Mitglieder. Mit dabei sind Bestseller-Autoren wie Stieg Larsson oder Lee Child, die auch im Print-Bereich bereits riesige Auflagen erreicht haben. John Locke dagegen gibt es (fast) gar nicht auf Papier. Denn der US-Autor nutzt hauptsächlich das Kindle-Direkt-Publishing. „All this was achieved Part time, without an agent, publicist, and at virtually no marketing expense“, schreibt Locke über den Erfolg seiner Roman Serie um den Ex-CIA-Hitman Donovan Creed. Wichtiges Argument für die Käufer ist neben Lockes ironischem Schreibstil der Preisvorteil – die meisten seiner Pageturner sind für knapp einen Dollar zu haben.
Self-Publishing ist in den USA längst die Regel
„Die meisten Autoren sind über Verlagsverträge so glücklich, dass sie jeden unterschreiben würden“, kritisierte Schriftstellerin Cora Stephan diese Woche in der WELT ihre deutschen Kollegen. In den USA ist das längst völlig anders. Dort ist Self-Publishing schon nicht mehr eine Ausnahme, sondern die Regel. Mehr als 90 Prozent aller Bücher – egal ob Print oder online – erscheinen ohne Verlag. Im Jahr 2010 wurden 2,8 Millionen „non traditional books“ veröffentlicht, die klassischen Verlagsprogramme umfassten dagegen nur 316.000 neue Titel. Und nicht alles, was da auf direktem Weg das Publikum erreicht, ist nur Spam. Zur Galionsfigur der neuen Grassroot-Bestseller-Bewegung avanciert neben Amanda Hocking nun auch Thriller-Autor John Locke. Mit ähnlicher Chuzpe wie sein Serienheld Donovan Creed nahm es Locke mit der scheinbar übermächtigen Konkurrenz der etablierten Autoren auf.
Alle sieben Sekunden ein Download
E-Book-Held Donovan Creed, ehemaliger Auftragskiller der CIA, wird beschrieben als ein „very tough man with a weakness for very easy women“. Klingt nach Kolportage. Doch die spezifische Mischung aus Spannung, schnoddrigem Stil und einer gehörigen Portion Selbstironie kam beim Publikum an. Mittlerweile ist mit „Vegas Moon“ bereits der siebte Titel aus der „Lethal People“-Serie erschienen. Ebenso erfolgreich ist die neu begonnen Serie um Emmett Love. Im Mittelpunkt: „a former gunslinger and his crablike scout, who journey West with a mail order bride, a witch, and a wagon full of prostitutes“. Innerhalb von sechs Monaten – genauer gesagt zwischen September 2010 und März 2011 – erhöhte John Locke die monatlichen Verkaufszahlen im Kindle-Store von 63 auf 369,115. „Every 7 seconds, 24 hours a day, a John Locke novel is downloaded somewhere in the world“, verkündet nun stolz John Lockes Autoren-Website.
“How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months“
Ein wichtiges PR-Instrument auf dem Weg zum Erfolg war dabei die Mund-zu-Mund-Propaganda. Ebenso hilfreich dürfte aber die Tatsache gewesen sein, dass einige der Titel von John Locke irgendwann die Bestseller-Liste der New York Times erreichten. Im Umfeld der Big Names wirkte dann zusätzlich der Preisvorteil, denn die E-Books aus der Donovan Creed- und Emmett Love-Serie sind deutlich günstiger als die etablierte Konkurrenz: „When famous authors are forced to sell their books vor $ 9,95, and I can sell mine for 99 cents, I no longer have to prove my books are as good as theirs. Now the famous authors have to prove their books are ten times better than mine“, lautet Lockes Direktvermarktungs-Credo. Nachlesen kann man es in seinem neuesten E-Book. Dabei handelt es sich um Non-Fiction, der Titel heißt nicht zufällig: „How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months“. Wer genau wissen will, mit welchen Tricks sich Locke an die Spitze der Kindle-Autoren katapultierte, muss in diesem Fall allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen als bei den Romanen– die Handreichung für Self-Publishing-Autoren kostet 5 Dollar.
last time modified: July 15, 2011, 3:10 p.m.

Comments
Markus
22/06/2011 · report · direct link · reply
Ich finde die Möglichkeiten, die sich Autoren im Internet bieten grandios! Zwar habe ich noch keine Millionen Exemplare verkauft (ich nutze Xinxii), bin aber zufrieden und wie gesagt begeistert von den Chancen, die sich mir bieten.
Julia Switak BA Media Student
23/06/2011 · report · direct link · reply
Finde ich auch. Das sind super Möglichkeiten die sich hier auftun! Und sei es nur, sich Feedback zu holen und im Schreiben zu bessern, bevor man dann den Schritt zum traditionellen Verlag antritt. Dir jedenfalls ganz viel Glück - wer weiß, vielleicht ists ja nicht mehr weit zur ersten Million :)
p.s.: könntest ja Auszüge oder ganze Texte auch hier veröffentlichen. Oder im Profil auf deinen Xinxii Auftritt verweisen?
Anton Bravus
21/06/2011 · report · direct link · reply
Witzig.. Stieg Larsson's "The Girl Who Kicked the Hornets' Nest" war nämlich in der Tat mein erstes E-Book. Allerdings erst nachdem ich die anderen beiden Teile als Hardcover gelesen hab :)
Xarks
21/06/2011 · report · direct link · reply
Finde ich ja echt ziemlich krass! Das wird die Verlagswelt nachhaltig verändern. Vielleicht war es ja auch mal an der Zeit? Ich denke, das ganze bietet riesige Chancen aber auch Risiken. Einerseits bietet es Jungautoren die Chance ein breites Publikum zu erreichen, ohne vorher eine Gruppe verstaubter Verleger, die vielleicht gerade einfach nicht in der Stimmung sind, überzeugen zu müssen. Andererseits stellt sich die Frage, in wie weit das traditionelle Verlagswesen langfristig noch konkurrenzfähig bleibt.. Schließlich gibt es noch immer genug Menschen, die gerne eine echtes Hardcover in der Hand halten wollen - am liebsten, no na, ohne dafür 22€ bezahlen zu müssen.