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Koma-Kids -> Kinder in Wien machen Party

Wieso ist der Altersdurchschnitt im Wiener Partytreiben so viel jünger?

Wenn man als Tourist in Wien ausgeht, gewinnt man einen eigenartigen Eindruck: Der Altersdurchschnitt des Wiener Party-Volks ist eindeutig jünger als in allen anderen Metropolen der ganzen Welt. Es ist nicht so, als hätte Österreich andere Regelungen, Bestimmungen und Gesetzte. Im Gegenteil, wie in fast allen europäischen Zentren liegt das Mindestalter zum Konsum harten Alkohols bei 18. Bier, Wein, Softdrinks und ähnliche "Leicht"-Alkoholische Getränke sind ab 16 erhältlich. Für Nachtclubs oder Diskotheken gilt, ausgenommen einiger Ausnahmen, das Mindestalter von 18 Jahren. Manche Clubs rühmen sich sogar, niemanden unter 21 reinzulassen. Wieso entsteht einem dennoch dieser Eindruck?

Hauptsächlich weil sich niemand um das Gesetz schert. Zwar gibt es einige Lokale die rigoros Ausweise kontrollieren, zum Beispiel das Waxy-Murphy's in der Innenstadt. Dort hat es aber dann oft die Vorgeschichte, dass der Geschäftsführer die Bestimmungen so dreist ignoriert hat, dass die inkompetente Wiener Polizei nicht auch noch ein drittes Auge zudrücken konnte. Als Pendant dazu gibt es aber Lokalitäten wie zum Beispiel die "Club-Galerie" am Schottentor, von der allgemein bekannt ist, dass der Altersdurchschnitt zwischen 15 und 17 pendelt. Es sind Lokale in die unsereins mit Anfang 20 nicht geht, auch wenn er eingeladen ist, auf der Gästeliste steht und ein Willkommens-Präsent dafür bekommt. Man ist dafür einfach zu alt.

Der Volksgarten und die Babenberger-Passage, früher für ihre elitäre Strenge berühmt und berüchtigt, lassen inzwischen Buben rein, deren erstes Bart- und Sack-Haar noch nicht gesprossen ist. Im Zuge der Recherche war ich überrascht, wie viele 13 Jährige regelmäßig dort feiern. Belastendes Fotomaterial ist zur Genüge vorhanden. Auch bin ich da auf Geschichten gestoßen, von einem 14 Jährigen Mädchen zum Beispiel, das ausnahmsweise nicht in die Passage reingelassen wurde. Mit den Türstehern argumentierte sie, dass sie doch jeden Samstag hier sei, und es bisher nie ein Problem gegeben habe. Was denken Sie, hat das Mädchen gemacht, als sie dennoch nicht reingelassen wurde? Sie hat ihre Mutter angerufen, dass diese doch die Security´s überzeuge, gefälligst ihre Tochter reinzulassen.

Die jungen Mädchen versuchen dabei auch wirklich alles um älter auszusehen. Und machen das auf eine eigenartige Art und Weise. Sie versuchen einander offenbar darin zu überbieten, wer den kürzeren Rock, den größeren Ausschnitt und die höheren Schuhe trägt. Sie sind gerade erst 16 geworden und versuchen auszusehen, wie man sich eigentlich die Nutten am Strich vorstellt. 10 cm High-Heels, ein hautenger Rock, der anderen Damen als Gürtel zu schade wäre, ein eng anliegendes Top und dazu geschminkt bis zum geht nicht mehr. Die eingeschmierten, glänzenden Beine nicht vergessen. Das sie es dann auch schaffen, sich um einige Jahre älter zu machen ist kein Wunder. Im Ernst, dass so jemand dann 15 ist, würde man halt nicht erwarten.

Witziger ist es eigentlich bei den Burschen. Diese 14,15 oder 16 Jährigen Buben, mit ihren vom Alkohol knallroten Bäckchen, an denen, wenn überhaupt, ein leichter Flaum die größte Behaarung darstellt. Dazu das unnötig weit aufgeknöpfte Hemd, darunter eine glatte Brust. Am besten noch einen aufgestellten Hemd-Kragen. Der Unterschied zwischen den Mädchen und den Buben ist, dass die Mädchen ja wenigstens aussehen wie 20. Wie Schlampen zwar, aber wie 20. Den Buben hingegen sieht man ihr Alter sofort an, sie sind im wilden Party-Treiben wirklich auffällig deplatziert.

Mit 15, 16 oder 17 auszugehen, ist in Wien überhaupt nichts ungewöhnliches. Im Zweifelsfall hat man noch einen gefälschten Schülerausweis oder hat beim erstellen der ÖBB-Vorteilskarte ein falsches Geburtsdatum angegeben. Grundsätzlich ist zu sagen, dass es ja nichts verwerfliches ist, in diesem Alter seine ersten Erfahrungen zu machen. Das werden auch die Generation vor uns so gemacht haben. Das Problem ist, wenn man dabei - um besonders cool und erwachsen zu wirken - auf die Partys und in die Clubs geht, beziehungsweise zu gehen versucht, die eigentlich das eher reifere Publikum beherbergen. Früher ging man in dem Alter ins Morris. Heute ist man nicht cool, wenn man nicht in der Passage feiert. Früher war die Passage ein Highlight - man wusste, dass man dort nicht einfach reinkommen würde, und war man dann drinnen, was sogar mit 18 nicht immer gelang, kam man sich eigentlich jung vor. Heute lassen die Türsteher jeden rein. Und eben auch die viel zu jungen.

Warum lassen Clubs überhaupt so junge Menschen rein? / Der Teufelskreis
Es gibt einen Teufelskreis für Club-Betreiber, was den Umgang mit zu jungen Menschen angeht. Fängt man nämlich einmal damit an, kleine Kinder reinzulassen, und sei es nur in ganz kleinen Mengen, die eine gesunde Feier locker wegsteckt, spricht es sich herum. Warum fängt ein Betreiber überhaupt damit an? Ganz einfach, er möchte noch ein, zwei Mal öfter das Eintrittsgeld kassieren und die Hütte noch ein wenig voller haben. Ausserdem sind es ja nur ein, höchstens zwei Kiddies.

Unter denen gibt es dann aber die ersten "coolen" die schon "booaaah, echt??" im Volksgarten waren. Daraufhin versuchen alle ihr Glück. Jetzt lassen die Türsteher also ein Paar wenige, dieser offensichtlich viel zu jungen Leute hinein. Man könnte meinen, dies sei nicht so tragisch. Die interessante Reaktion ist allerdings, dass schon diese wenigen Kinder den anderen Gästen auffallen. Nehmen Sie einmal Freunde und Bekannte in ein Wiener Lokal mit. Was Ihnen selbstverständlich erscheint, wird Ihre Begleiter verwundern.

Da ist nun ein 25 Jähriger Student mit seiner Clique in der hinteren Ecke. Und ich höre ihn richtiggehend gegen die Musik anschreien: "Freunde, das nächste Mal gehen wir aber wo anders hin. Das ist ja absolut uncool hier, mit den Kiddies da drüben und so. Ich dachte hier wäre etwas los!" Als Reaktion kommt also der ein oder andere vom eigentlichen Zielpublikum das nächste Mal nicht wieder. Was machen die Security´s? Ganz einfach: Noch den ein oder anderen reinlassen, der sonst nie Zutritt erlangt hätte. Jetzt haben wir auf unserer Tanzfläche also immer mehr Kinder. Und immer mehr Erwachsene, die sich denken: "Was ist denn hier los? Ich dachte hier wäre ich unter meinesgleichen..!" Ganz im Ernst und nichts gegen euch Kiddies, aber kein 25 Jähriger will mit 15-Jährigen feiern. Oder sich eine 15-Jährige aufreissen. Und so weiter.

Die Stammgäste und das Zielpublikum bleiben also immer stärker und stärker aus. Das kleine Loch, das es zu überbrücken galt, hat sich inzwischen zu einem großen und tiefen Tal ausgeweitet. Und immer mehr Kiddies machen fröhlich Party.

Vermutlich spielt in der Raffgier der Betreiber noch etwas eine Rolle: Im Gegensatz zu 20-30 Jährigen, die gerade im Studium stecken, anfangen auf eigenen Beinen zu stehen oder die erste eigene Wohnung, das erste Auto selbst bezahlen, haben diese ganzen Kinder keinerlei finanzielle Verantwortung. Beziehungsweise im Idealfall noch reiche Eltern die dem braven Töchterchen noch ein nettes Taschengeld zustecken. Das brave Töchterchen, das am Samstag doch nur bei der besten Freundin übernachtet und spätestens um 23:00 das Licht abdreht. Dazu Apfelsaft und Pyjamaparty. In Wahrheit kaufen ihre Kinder mit diesem Geld dann für Hunderte Euro die wahnsinnig überteuerten Flaschen der diversen Clubs. Und sei es nur eine Flasche, vor der dann zu Fünft gethront wird.

Jeder möchte sie anfassen, jeder ein Foto mit ihr machen. Man möchte sich die Augen reiben, wenn man sich Foto-Alben eines solchen Abends ansieht: Eine Flasche Grey-Goose und zwei junge Mädchen, die in die Kamera lachen. Dieselbe Flasche Grey-Goose und ein Bub der sich etwas daraus einschenkt. Die Flasche Grey-Goose wieder, diesmal sind es drei Burschen die sie in die Kamera halten. Das nächste Bild zeigt dann - oh Überraschung - die Flasche Grey-Goose, mit einem Haufen betrunkener und kichernder Mädchen die Grimassen schneidend so tun als ob die Bouteille ein Baseball-Schläger wäre. Das letzte Foto zeigt dann schon das Ende der Party. Zu viert stehen sie an der Straße und warten auf ein Taxi. Die Flasche Grey-Goose unterm Arm.

last time modified: July 14, 2011, 12:35 p.m.

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