Lieber Josef Pröll, Mahlzeit
Einer der wenigen zweitklassigen Politiker in den Reihen der ÖVP geht. Zurück bleibt nur eine drittklassige Besatzung auf einem wankenden, morschen Parteischiff, das zu sinken droht.
- Politics & World Affairs
- 13/04/2011
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Pröll sagte heute Mittwoch, er werde ein "geordnetes Haus in Partei, Finanzministerium und als Vizekanzler" übergeben. Wie er das zustande bringen will, verriet er noch nicht. Als zukünftige Parteichefs werden Außenminister Michael Spindelegger, Innenministerin Maria Fekter und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner gehandelt. Diese Kandidatenliste liest sich unschön. Der Mangel an qualifizierten, charismatischen Politikern, die Österreich zukunftsorientiert lenken können, zieht sich jedoch quer durch alle Couleurs. Spindelegger als Parteichef? Dieser Gedanke löst mit Sicherheit auch ÖVP-intern Unbehagen aus. Mit derart wenig Charisma an ihrer Spitze, wird die ÖVP bis zum nächsten Wahlkampf abgeschlagen hinter SPÖ und FPÖ, an dritter Stelle liegen. Mitterlehner als Parteichef? Das wäre dann Platz vier hinter den Grünen. Fekter als Parteichefin? Zu früh. Realistisch wäre es, dass sich die ÖVP Fekter aufspart, um sie im Wahlkampf 2013 als eiserne Lady gegen Strache zu positionieren.
Da die ÖVP im Jahr 2011 durch unvorhersehbare Rücktritte zu faszinieren vermag, ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Ausstiege in der Ministerriege drohen. Von einem klärenden Gewitter in den Reihen der gesamten Volkspartei zu sprechen, wäre nur teilweise treffend. Dass die ÖVP-Delegation im Europaparlament Abgeordnete wie Hella Ranner und Ernst Strasser endlich losgeworden ist, war bloß glücklicher Zufall. Wie schlimm die Personalnot tatsächlich ist, zeigt sich, wenn in der Privatwirtschaft gescheiterte politische Auslaufmodelle wie Hubert Pirker stolz als neue EU-Abgeordnete präsentiert werden. Dass sich alle Parteien durch die Politikverdrossenheit mit enormen Personalproblemen konfrontiert sehen, liegt zu einem großen Teil an den Aufräumarbeiten nach den Regierungen Schüssel I und Schüssel II. Laut einer Karmasin - Umfrage für das Magazin Profil haben etwa zwei Drittel aller Wahlberechtigten das Vertrauen in die Politik verloren. Aber das ist eine andere Baustelle.
Eine bürgerlich-liberale Partei mit Zukunftsvisionen, die für die Interessen Österreichs und nicht die der Partei handelt, wäre(!) eine Bereicherung für dieses Land. Im Sinne dieses Konjunktivs, gratuliere ich Josef Pröll zu seinem Ausstieg.
Kleines Szenario für 2012: Die ÖVP liegt bundesweit bereits unter 10%. Verzweifelt wird Wilhelm Molterer vor der Wahl 2013 aus der Mottenkiste zurück an die Parteispitze gezerrt, weil Michael Spindelegger einfach zu wenig Charisma hat. Josef Pröll wird dann lächelnd in seinem Raiffeisen-Büro ein Modell eines Traktors zusammenbauen, einen guten Schweinsbraten essen und sich an seine Zeit in der verrückten, österreichischen Innenpolitik zurückerinnern. Mahlzeit, Josef.
Foto: Thomas Steiner
last time modified: Nov. 16, 2011, 11:34 p.m.

Comments
Onatcer student, amateur photographer, blogger
13/04/2011 · report · direct link · reply
Ich denke es wird nun auch entscheidend sein wie es in der Koalition weitergeht...
Mir stellt sich vor allem die Frage: WIe soll es jetzt noch weitergehen wenn der Politiker der die Koalitionsarbeit (wenn auch nicht sehr schnell) vorrangetrieben hat.
Faymann ist ja auch nicht umbedingt der revolutionäre Politiker der eine Koalition zum Ziel führen kann. Wenn jetzt schon "so wenig" passiert wie soll es dann ohne Pröll klappen.Wo doch wie im Artikel erwähnt noch keinen echten Alternativen bereitstehen.
Onatcer
seebust
13/04/2011 · report · direct link · reply
Bin sehr gespannt, wie sich das weiterentwickeln wird. Vor allem, ob die ÖVP in den nächsten Jahren irgendwen brauchen rekrutieren kann. Im Moment seh ich da schwarz.
Onatcer student, amateur photographer, blogger
13/04/2011 · report · direct link · reply
ja im wahrsten Sinne des Wortes ^^
Dazu kommt, dass die ÖVP auch viele Wähler verlieren wird da die Jungwähler auch großteils zur FPÖ wandern also wird es doppelt schwer und ohne eine richtige Persönlichkeit mit Charisma wird man bei den Wahlen noch weiter zurückfallen....