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MODE – WISSENSCHAFT ODER HANDWERK?

Marketing versus Philosophie der Mode

Dass man als Mode schaffender Mensch sowohl Grundbegriffe des Marketings, als auch kostümhistorische und ästhetisch philosophische Ansätze theoretisch begreifen soll und umsetzen soll, ist von der Idee her sehr wohl nützlich und förderlich. Die Gewichtung dieser Verästelungen bestimmt den wissenschaftlichen Anspruch des kreativen Studiums und nicht zuletzt auch die Anerkennung des Modesystems an sich.

Was erwartet man oder frau sich aber von einem Studium, dass den Begriff Mode mit sich bringt? Ist Mode gleich Kleidermachen? Ist es Design? Handwerk? Kunst? Diese diskursive Auseinandersetzung sei (noch) nicht an ihrem Höhe- oder gar Endpunkt angelangt, bestimmt aber wesentlich die Gestaltung der Bildung und Ausbildung mit. Müssen die Modestudierenden am Ende des Tages eine philosophische Erklärung für ihr Tun abgeben oder eher ganz genau wissen, wie sie sich als Marke behaupten und durchsetzen können? Ist das Ziel die praktische Verselbstständigung oder die gesellschaftstheoretische Reflektion dessen? Worin liegt die eigentliche Wirkungskraft von Mode? Und wie soll Mode neben all den anderen Disziplinen bestehen, wie sich positionieren?

Bei bereits etablierten Labels gibt es dazu genügend Beispiele –für beide Vertretungsrichtungen. Als etwa zu Beginn der 80er Jahre erstmals japanische Designer auf den pariser Laufstegen ihre Kollektionen präsentierten, stellten sie das europäische Schnittsystem infrage, mutierten die europäische Silhouette und warfen somit dekonstruistische Ansätze in einen Raum, der bis dato von Dior und Co geprägt war – mehr oder weniger Modediktaturen, die Mode machten, die sich dem Körper fügt, nicht umgekehrt. Mode, die die Formen des Körpers in nur leicht abstrahierter Form widergab. Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto brachten neue Formen und Schnittlösungen, dekonstruierte Teile und – wenn man so sagen will – anti-schöne Wülste zum Ausdruck. Die Philosophie der Mode wurde umgestülpt, es ging um konzeptionelle Reformen, um ein tiefgreifendes Umdenken der Mode an sich. Das Marketing, das zu damaligem Zeitpunkt noch nicht so ausgereift funktionierte, wie es das im neuen Jahrtausend tut, ergab sich schlicht aus diesen inhaltlichen Veränderungen. Mit einem Schlag wurde die erste Hälfte der 80er zur Zeit der „japanischen Designer in Europa“.

Anders bei der Popularität einer jüngeren Modemacherin, deren Name wohl bekannter ist, als ihre Arbeit. Die Schwester des Musikproduzenten, Musikmachers und DJs Mark Ronson,  Charlotte Ronson. Hierbei –ohne die Qualität der Arbeit zu beurteilen – spielt das Marketing rund um die Kollektionen eine wesentlich wichtigere Rolle, als es das bei dem Label Rei Kawakubos, „Comme des Garcons“ tut. Allein, wenn man beide Namen googlet, kommen bei der einen Dame Bilder eines High Society Lebens, Fotos mit anderen wohlbekannten Gesichtern, und bei der anderen ausschließlich Bilder ihrer Arbeit oder reduzierte Portraits.

Welches der beiden Bilder entspricht Mode mehr? Das um Aufmerksamkeit schreiende Bild der Sichinszenesetzung im Rahmen einer gewissen Gesellschaft (=Zielgruppe??) oder jenes Bild einer konsequenten Vermittlung des thematischen Inhalts. Wo soll Mode erscheinen? Im Seitenblicke-Magazin oder ... wo?

dekonstruktion?

dekonstruktion?

comme des garcons, herbst/winter 2011

rei kawakubo

rei kawakubo

Gründerin und Designkopf hinter dem Label "Comme des Garcons"

Mark und Charlotte Ronson

Mark und Charlotte Ronson

Musikproduzent und Modemacherin Ronson & Ronson. Und es gibt sogar noch eine Ronson! Da war doch was mit Lindsay Lohan...

Charlotte Ronson

Charlotte Ronson

Herbst/Winter Kollektion 2011

last time modified: July 15, 2011, 3:30 p.m.

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