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PayPoint - darf's noch ein bissl mehr sein?

Ein kleines gelbes Kästchen erleichtert unzähligen Engländern ihr Leben. Zaubern kann es nicht. Kochen auch nicht. Aber Bezahlen kann man damit - und zwar fast alles.



Die Rede ist von einem so genannten PayPoint. Dahinter steckt die Firma PayPoint, die sich über die letzten Jahre im Vereinigten Königreich einen bemerkenswert großen Kundenstamm aufbauen konnte.

So ein PayPoint ist ein kleiner gelber Kasten, mit der Grundfläche einer A4 Seite und der Höhe eines alten Laptops. Oder fünf Mac Book Airs, falls man die eher zur Hand hat.

Der gelbe Automat hat verschiedene Öffnungen, wie Kartenschlitze für Standard EC-Karten, oder Schlüssel-Löcher für spezielle elektronische Plastik-Schlüssel. Es hat einen kleinen Bildschirm und ein Touch-Feld zum Eintippen von Befehlen. Und er spuckt Rechnungen aus.

Diese PayPoints sind in England in Kiosken zu finden; kleinen Eck-Geschäften, die sich auf den Vertrieb von Tabakwaren, Alkohol, Zeitschriften und ähnlichem spezialisiert haben und bis spät in die Nacht offen haben. Allerdings gibt es nur einen PayPoint in einem gewissen Radius. Von zwei Kiosken gegenüber von einander wird nur einer über einen PayPoint verfügen - vorausgesetzt er erfüllt die Bewerbungskriterien.

Denn bewerben muss man sich, um einen der beliebten PayPoints zu betreiben. Kiosk-Betreiber profitieren allerdings nur indirekt von dem Gerät, nämlich von den Kunden die es anlockt und den anderen Waren die sie konsumieren. Nicht aber von die Transaktionen über den Wunderkasten.

Wunderkasten - jetzt reicht es aber, Zeit seine Fähigkeiten etwas konkreter darzustellen:
Mit einem PayPoint kann man Guthaben auf sein Handy aufladen. Man nennt dem Betreiber eine Summe und Handynummer, dieser aktiviert dann seinen PayPoint, und die Sache ist erledigt. Gezahlt wird Bar.

Man kann aber auch seine Strafe für's zu schnell fahren bezahlen. Das Prozedere ist ähnlich. Einfach die Strafe hinlegen, das nötige Kleingeld bereit haben und - schon funktioniert's!

Oder man bezahlt seine Gas-Rechnung. Genauer gesagt lädt man sein Gas-Guthaben auf. In jedem Gas-Zähler steckt nämlich eine Karte - die zieht man ab um sie dem Kiosk-Betreiber in die Hand zu drücken. Frei nach dem Motto: "Bitte £ 20 Gas, danke."

Genau so funktioniert es auch mit der Strom-Rechnung. Bloß, dass im Stromzähler keine Karte, sondern ein elektronischer Plastik-Schlüssel steckt. Strom-Guthaben, quasi.

Ähnlich ist es mit der Wasser Rechnung. Da kriegt man allerdings einen Zettel per Post, den man dann, wie bei Strafen, zum PayPoint trägt.

Oder man zahlt seine Steuern. Oder besorgt sich Bus-Tickets. Oder bezahlt die Rundfunk-Gebühr. Oder die Miete. Oder man bezahlt seine Online-Einkäufe von gestern Abend direkt und unkompliziert. Man kann genauso gut auch seine World of Warcraft Nutzungsgebühr zahlen oder seinen Online-Poker Account aufladen.

Kurz und gut, man kann über diesen kleinen gelben Wunderkasten unzählige Dienstleistungen und Waren bezahlen, umkompliziert, ohne Bankkonto und in Bar. Dies scheint besonders in England wichtig, wo weniger Menschen als im Rest Europas ihr Erspartes in Banken anlegen oder ihre diversen Rechnungen über ihr Konto handhaben. Nur Bares ist Wahres - gilt anscheinend nach wie vor.

Die über 23.800 über das ganze Königreich verteilten PayPoints, locken jede Woche über 8 Millionen Kunden in die kleinen Kioske. Jährlich werden über 7 Milliarden Pfund über die kleinen Geräte abgewickelt.

Man gewöhnt sich eigentlich flott daran, seine Betriebskosten als Guthaben aufzuladen. Im Prinzip ist es angenehm - es hilft, den Überblick zu wahren. Alles in allem scheint es eine interessante Möglichkeit zu sein, einfache Geldgeschäfte abzuwickeln. Wenn ich nun an meine Freunde in Wien, beziehungsweise deren Überraschung über ihre Betriebskosten-Abrechnung denke, kann ich mir durchaus einen Markt für PayPoints in Österreich vorstellen.

 

last time modified: July 14, 2011, 1:25 p.m.

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