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Schluss mit dem Genuss!

Ein neues Gesetz verbietet sämtlichen Kebap- und Pizzaständen ab 17 Uhr den Betrieb.

THIS JUST IN!

Gestern Abend (31.3.2010, Ortszeit 21.27h) wurde im Nationalrat nach langen und heftigen Debatten im Bereich der traditionellen Lebensmittelindustrie endlich eine Entscheidung gefällt, die so manch Partygängern unter euch das Entsetzen ins Gesicht bringen wird. Ein neues Gesetz, das vorrangig das Ziel hat, die heimische Lebensmittelproduktion im Fleisch- und Wurstherstellungssektor ein wenig anzukurbeln und aus den roten Zahlen herauszuhieven, besagt, dass ab 15. April 2010 umgehend sämtliche Kebap und Pizza Imbissstände in Wien ab 17 Uhr Sperrstunde haben müssen.

Für alle Liebhaber dieser "Kombinatorisch agierenden Schnelllebensmittelhändler" (kurz KAS, so werden Imbissbuden dieser Art im Fachjargon des Österreichischen Lebensmittelhändlerausschusses bezeichnet) heisst es ab sofort: Um fünf Uhr ist Schluss, mit dem Döner-Genuss! Solche satirisch angehauchte Sprüche werden in Zukunft auch auf FPÖ Wahlplakaten zu lesen sein, zumal die Freiheitlichen zusammen mit einer mehrheitlichen Unterstützung durch die BZÖ und die ÖVP eine 2/3-Mehrheit schafften, um dieses neue Gesetz zu verabschieden.

Alles fing damit an, dass sich die internationale Küche mit zahlreichen Restaurants in Österreich ansiedelte. Allen voran die italienische Küche, die mit der weltweit bekannten und geliebten Pizza ihre Lorbeeren erntete. Zugleich kam die türkische Küche in die Cuisine-Landschaft, zuerst jedoch ohne einer Speise als Aushängeschild. Im Laufe der Zeit, in der Menschen keine Zeit haben, entwickelte sich das Fast-Food-Konzept sehr stark und fing an unser Essensverhalten nachhaltig zu verändern. Und genau hier kamen Imbiss- und Fast-Food-Buden ins Spiel. Wenngleich es zuerst immer nur ein entweder oder gab, quasi eine Art Apartheit zwischen Döner und Pizza, sieht man heutzutage nur noch Stände, auf denen mit großen Neonlettern Kebap-Pizza steht.

So weit so gut, doch man übersah ein kleines Detail: Den traditionellen Wiener Würstelstand!

Die Würstelstände, unsere Stadt an Urigkeit und Bodenständigkeit bereichernd, sind schon lange tief und fest in den Wurzeln der traditionellen wiener Fast-Food-Bräuche verankert. Es gibt kaum echte Wiener, die (auch dank der tollen PR eines Bierherstellers) die Ausdrücke "A Eitrige mit an Buckel und schoaf gschissn" und "16er Blech" mit Sodomie-Pornos beziehungsweise Golfschlägerstärken asoziieren. Mit der Zeit litt das Image der Würstlstände jedoch heftig. Heruntergekommene, schlecht beleuchtete und den Hygieneanforderungen der WHO (World Health Organisation) ins Gesicht schlatzende Verhältnisse, gepaart mit ein paar zwielichtigen und versifften Vollzeitprolos, die sich um die Stände scharen, sind ein Zeichen für Alarmstufe Rot bei Käsekrainer und co. Die österreichische Seele wäre zudem nicht die österreichische Seele, wenn sie nicht mit allen Mitteln verhindern würde, dass diverse Kulturen auf geschäftlicher Basis miteinander koexistieren können.

Die Menschen, vor allem die jungen Leute, kaufen unnachvollziehbarerweise viel lieber in blitzblanken, farbenfroh verneonten und schillernden Döner-Pizza Ständen ein, als bei obig beschriebenen Würstelständen ihr Geld zu lassen. Ein Umstand, der sich sofort ändern muss, dachte sich Bezirksvorsteherin des ersten Bezirks, Ursula Stenzel, und brachte einen Ball ins Rollen.

Dieser Ball hat nach etlichen langen Debatten, bei denen nicht unoft Kritik von aussen hereinprasselte, und heftigen Diskussionen zwischen Wirtschaftskammer, Innenministerium, Aufsichtsrat und Nationalratsausschuss nun alle Hindernisse überrollt und zappelt jetzt im Netz des Gesetzes.

Durch weniger Betriebszeit für Dönerbuden, soll mehr Interesse für Würstlstände geweckt werden. Kebap-Pizza-Stände werden ab sofort nur noch von 7 Uhr in der Früh bis 17 Uhr am Nachmittag offen haben, wobei sie auch strengen Kontrollen unterzogen werden müssen. Für die wiener Traditionsfilialen werden neue Konzepte und Pläne entworfen, wie man Würstlstände noch attraktiver machen kann.

Wir dürfen gespannt sein, inwiefern diese "Lebensmittelreform" etwas bringen wird.

Kleines schmutziges Detail am Rande: Im Kebap-Pizza-Gesetz steht in einem Absatz, dass der Kebap-Pizza-Verkäufer dazu verpflichtet ist, neben Sonntags auch Freitags (Heiliger Wochentag im Islam) nicht zur Arbeit zu erscheinen.

 

last time modified: July 15, 2011, 12:35 p.m.

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