“Skykitchen Reloaded” – Hinter den Kulissen
Eine Führung und ein exklusiv Interview in der neuen Kitchen, fünf Stunden vor Eröffnung.
- Culture Music
- 10/08/2010
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Ab morgen, dem 09.09.09 erstrahlt die Skykitchen in neuem Glanz! Für all die treuen Fans da draußen, keine Sorge, die Skykitchen ist immer noch wie wir sie kennen und lieben. Fast. - Frederic Mann nahm sich Zeit für einen Lokalaugenschein und eine kleine Führung.
Die beiden Betreiber Clemens Jahn und Frederic Mann haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, um nach der Wiedereröffnung weiter an der obersten Spitze des Wiener-Nightlifes mitzuspielen. Als erstes stellt sich doch die Frage, wieso ist die Skykitchen, nach all diesen Gerüchten über Umzüge und Abriss, erst recht wieder wo sie war. Der Dank gilt der Wirtschaftskrise. Es waren die niedrigen Immobilien-Preise, die die Firma Conwert, den Besitzer des Hauses, entscheiden ließen, das Gebäude noch nicht abzustoßen. Dann war klar, ein Umzug hätte wesentlich mehr Mühsal mit sich gebracht. Doch auch der Aufwand des Renovierung ist nicht zu unterschätzen, es wurde hart geschuftet!
Die wichtigsten Neuerungen:
Innenausstattung
Die neue Skykitchen wartet mit stilvollem und praktischem Interieur auf.Wie mehrere ausgesprochen nett designte und in die Wand integrierte Sitzecken, die dennoch zum relaxen einladen. Von denen eine in Orange erstrahlt und einen netten Kontrast zum schwarz erzeugt. Der Tanzbereich ist größer, die Sitzgruppen, die wir auf der rechten Seite im linken Raum gewohnt waren, fehlen. Dafür ist die Hauptbar wesentlich besser und von allen Seiten zugänglich. Bis dato kannten wir die Skykitchen als relativ grob beziehungsweise relativ uneingerichtet. Zur Wiedereröffnung erwartet euch aber ein durch und durch geschmackvolles Lounge-Ambiente. Dessen Augenmerk aber auf der Tanzfläche und dem reibungslosen Tanzen der Gäste liegt. Überhaupt wurde auf reibungslose Abläufe geachtet. Alles ist geräumiger und besser durchdacht. Fast ein wenig schick ist es geworden, aber nur fast - keine Sorge, der alte Flair, mit seinen rohen Wänden und hängenden Kabeln, ist nicht zu sehr beschädigt worden.
Drink´s und co
Im Getränkebereich erwarten euch interessante Neuerungen. Die größte ist vermutlich die neue Cocktailbar. Ausserdem gibt es Fruit-Shots an den Bars, die jungen Fräulein wollen ja nicht immer nur Jägermeister. Da neue Sponsoren sich um die Ausstattung der Location kümmern, gibt es jetzt endlich keinen Smirnoff mehr - hier tritt jetzt Stolichnaya auf den Plan. Auch Heineken musste abziehen, Stiegl hat übernommen. Abgesehen vom Stoli gibt es nun eine Spezialität aus Neuseeland, den Vodka 42 Below. Auch könnt ihr an der Bar endlich vernünftige Zigaretten erwerben, Kent wurde von Camel ersetzt. Und Arizona Iced Tea wird jetzt auch ausgeschenkt. Frederic nennt ihn nur: "den geilsten Eistee überhaupt!" Preislich hat sich nicht viel verändert. "Wir wollen den Leuten ja auch nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Zwar kostet ein Arizona Iced Tea um die 8 €, aber bei einem halben Liter ist das auch ok."
Der Sound
Gar nicht ohne: die neue Anlage! Vier neue Boxen, komplett neu eingemessen. Dazu neue Schaltpanele, und eine neue Endstufe. Die Kombination sorgt für den richtigen Klang. Frederic sieht es pragmatisch: "Wir sind der zweit lauteste Club nach dem Flex." An der Lautstärke an sich, ändert sich nicht viel, die Qualität des Klangs hat sich aber massiv verbessert. Auch an die Ausrichtung der Klangkörper wurde gedacht - der Tanzbereich wird exzellent erwischt während man sich in den Sitzgruppen angenehm unterhalten kann. Der Sound ist jedenfalls harter shit, hätte ich auch gerne im Wohnzimmer.
WC´s
Auch eine wichtige Neuerung: Es gibt endlich vernünftige Toilletten. Klotüren, die man tatsächlich abschließen kann. Dabei hatte ich mich schon so an diese Haken gewöhnt. Die alten Räumlichkeiten wurden saniert, mit neuen Pissoirs und Waschbecken ausgestattet. Die berühmten zwei Frauenklos nebeneinander, die gibt es derzeit leider nicht. Wichtig war für Frederic bei der Gestaltung: "Dass man auf der Tanzfläche ordentlich abgehen kann, ohne dass andauernd jemand an dir vorbei rennt. Der eine will aufs Klo, der nächste zur Bar - damit ist jetzt Schluss." Daher gibt es jetzt zusätzlich auf der anderen Seite des Clubs noch einmal komplette Sanitär-Einrichtungen für beide Geschlechter.
"Es ist noch mehr rauszuholen..."
Am 1. Juni 2008 haben die beiden das erste Mal darüber geredet, dass die Club-Szene in Wien vollkommen zu vergessen sei. Und dass sie eigentlich einen eigenen Club aufmachen sollten. "Wien könnte so viel mehr machen. In Wien wohnen zwei Millionen Menschen, wo sind die? Ich war jetzt in London, in Berlin oder in Paris, das kann man echt nicht vergleichen. Da gehst du am Dienstag Abend auf die Straße, jedes Café, jede Bar ist voll. Überall Menschen, alle lustig drauf. Jeder hat einen Grund zu feiern, jeder hat Bock zu feiern. Die gehen halt aus bis zwei oder drei, und gehen dann nach Hause. Ok, Fair. In Paris, ich habe so etwas noch nie erlebt, das hat mich dermaßen beeindruckt. Da ist eine riesengroße Stiege, da gehen die Leute Abends mit nem Kasten Bier hin, sitzen herum und lachen. Und was machen sie wenn sie fertig sind? Sie füllen die Kisten auf, sammeln die Kronkorken zusammen, die Zigarettenstummel kommen in die leeren Flaschen, und fertig - der Platz sieht aus wie zuvor. Deswegen kann es auch funktionieren, nicht wie in Wien: a la scheiss drauf, ich werfe mein McDonalds Sackerl aus dem Fenster. Wien ist da noch sehr hinten nach. Es ist für die Anzahl an Menschen die hier wohnen auch einfach viel zu groß. Wir alle lieben unsere schönen Altbauwohnungen mit ihren hohen Wänden. Aber da passen halt ins selbe Haus 20 Menschen weniger rein. Daher ist Wien lange nicht so kompakt wie es hätte sein können und daher ist um 23:00 alles tot. Da stört es dich sogar, wenn ein Taxifahrer an dir vorbeifährt."
"Es zehrt an den Nerven..."
Damals dachten sie nicht, dass ihre Arbeit mit der Skykitchen sie so in Beschlag nehmen wird. WU-Student Frederic dazu: "Ja, mittlerweile ist es ein Fulltime-Job. Das Studium leidet darunter. Es ist nicht mit dem Abend getan, am nächsten Vormittag, gut, ist es mal aufgeräumt, doch dann musst du Getränke bestellen, das Booking erledigen und die Buchhaltung überprüfen. Also sehr viel mehr als wir uns gedacht haben." Bald begann für die beiden dann der Kampf mit dem Magistrat. Genau einen Monat später, am 1. Juli, dann die erste "gemeinsame Begehung" mit den Herren vom Magistrat. Nach viel Arbeit und einer Menge an Investitionen, war dann die Eröffnung. Wer damals zu spät gekommen ist, hat nichts mehr mitbekommen. Ich war um 20:30, also 6 Stunden früher als üblich, vor Ort und konnte mir gleich einen eigenen Eindruck schaffen.
Den Job den sich Clemens und Frederic neben ihres Studiums ausgesucht haben, zehrt an den Nerven. "Wir sind beide jeden Abend hier - das ist unser Baby! Nur wenn wir vor Ort sind, können wir kontrollieren und entsprechend reagieren. Ein Türsteher baut Mist, dann können wir ihn sofort rauswerfen - sonst kriegen wir es nur erzählt. Wir lieben die Gastronomie, aber wir werden das vermutlich kaum bis ans Ende aller Tage machen. Dafür ist der Job zu nervenaufreibend!"
Man muss hier allerdings auch seinen Respekt zollen, was die beiden hier in ihren jungen Jahren neben, oder etwas auf kosten, des Studiums zusammengebracht haben, ist beeindruckend. Ein ganzes Heer von Mitarbeitern. Immerhin bis zu 25, teilweise festangestellte, herumschwirrende Bienen. Ausserdem gut zu wissen: Von der Barbesitzer-Szene heißt es ja, dass du um eine Bar einzuweihen, erst auf dem Tresen mit einer Frau du weißt schon wer machen musst. In der Club-Owners-Lounge ist das offenbar nicht der Fall.
Die Policy
Falls ihr euch jetzt fragt, welche Gäste denn gern gesehen werden, seid ihr hier richtig: Monika Milde. Anstatt der Security´s, die hier nur wachend herum stehen werden, entscheidet dieses neue Mitglied im Team über Leben und Tod, des jeweiligen Abends. Spannend, ob sie ihrem Namen alle Ehre macht. Und spannend ob sich diese, im Wiener Nachtleben ausgefallene Methodik bewährt. Den aufgeblasenen Türstehern mal etwas Wind aus den Segeln nehmen! Abgesehen davon, ist es laut Frederic simpel: "Hast du eine kurze Hose an, weil sie sich stylisch mit deinem Outfit ergänzt, kommst du rein. Hast du eine kurze Hose an, weil du nicht weißt, dass man so etwas beim Ausgehen eigentlich nicht anzieht, bleibst du draußen. Wenn dein Outfit stylisch ist, kommst du rein, egal ob es von Prada oder H&M ist. Vom Alter ist uns alles recht, zwischen 18 und 100. Die 90-jährigen aber nur in Begleitung ihrer Eltern."
Wie geht es weiter?
Dem Bezirksvorsteher des 9. Bezirks war die Skykitchen ursprünglich ein Dorn im Auge. Inzwischen klappt die Kooperation aber ausgezeichnet. So veranstaltet der Bezirk jeden Monat einen Jugendabend, für Kinder zwischen 11 und 16 aus schwierigen Verhältnissen. Dank des Engagements von Clemens und Frederic wird dieser Abend jetzt als Kinderdisco in der Skykitchen stattfinden. Frederic findet "das echt gut." Ja, wir auch.
Was die Zukunft angeht, ist einmal mehr "Tanzen auf Zeit" angesagt. Im September 2010 ist auch mit der neuen Skykitchen Schluss. Ein angenehmes Datum übrigens, denn ab 1. September 2010 treten die Nicht-Raucher-Bestimmungen in Kraft. Also keine Sorge, Qualmen ist auch weiterhin kein Problem. Achja, die Sperrstunde ist leider weiterhin um 6:00. Da ließ sich nichts mehr machen...
Die Wette
Als weiteres Highlight erwarten euch übrigens morgen die drei Verlierer einer Wette, die Frederic während seines Kärnten Urlaubs gewinnen konnte. Drei gute Freunde werden um Punkt Mitternacht, in Palmenwedel-Tangas, an der Hauptbar einen Drink nehmen. Wir sind gespannt!
Lieber Frederic, Skykitchen in einem Wort? "SCHUB!"
last time modified: July 15, 2011, 11:05 a.m.

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