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Sollten Souvenirs nicht leben?

Im 19. Jahrhundert wurde aus einer alltäglichen- individuellen Erinnerungsform ein Massenprodukt, das weder Kultur noch Erinnerung zu reproduzieren weiß. Wie kam es zu einer derartigen Materialisierung unserer Erfahrungswelt?

Alle Nomaden unter euch kennen das zwanghafte Verlangen seine Erinnerung an einen Ort mittels eines Gegenstandes schmücken zu müssen. Man kauft ein „I LOVE NY" T-shirt, einen Eiffelturm in Miniaturformat oder beraubt der Küste Miamis einige Sandkörner. Doch wann ist aus diesen simplen Andenken, die sich ehemalig noch auf Schnappschüsse oder unentgeltliche Schätze beschränkten, ein Industriezweig mit Massenproduktion geworden?

 

Angefangen hat der Mythos des „Mitbringsels" laut Forschern bereits in der Antike und wurde spätestens im Mittelalter mit den unzähligen Pilger-Reisesouvenirs, in die nicht selten Partikel von Reliquien eingelassen waren, zu einer typischen Handlungsweise eines Reisenden.

Seine größte Konjunktur erlebte das Souvenir jedoch im ausgehenden 18. Jahrhundert, indem es als alltäglich-individuelle Erinnerungsform, zu einem festen Bestandteil der Kultur vieler Gesellschaften wurde. Bis dahin wurden allerdings noch „authentische" Gegenstände der bereisten Stadt beraubt, nämlich Naturgüter oder eben auch Produkte von Einheimischen, wie beispielsweise Kunstwerke.

Erst mit der im 19. Jahrhundert aufkommenden Industrialisierung kam man auf die Idee, Miniaturen von Sehenswürdigkeiten, die heute auf Grund der preiswerten Produktion gänzlich in China oder Dritte - Welt - Staaten angefertigt werden, zu kaufen und auf das Stück Plastik, erschaffen von einem Arbeiter oder noch ärgerlicher Maschine, die weder das Land, noch dessen Kultur kennt, seine Erinnerungen zu projezieren. Obgleich dieses Kriterium doch nur dann zum Einsatz kommen müsste, wenn man tatsächlich ein Erlebnis mit dem „Ding" verbindet. Selbstverständlich kann nicht jeder ein Stück Metal des Eiffelturms mit nach Hause nehmen oder eine britische Telefonzelle soeben als Übergebäck einfliegen, um es als Wohnaccessoire in den Salon zu stellen, aber das Erwerben solcher vorgefertigten Abgüsse, um sie als Staubfänger auf dem Fensterbrett zu platzieren, scheint mir desgleichen sinnlos. Dann doch lieber ein Foto vom Telefonieren oder von dem Versuch den Eiffelturm, wenn schon keine Pariser herhalten wollen, zu besteigen. Diese Abbilder wären mindestens dokumentarisch und hätten einen unbezahlbaren Wert.

Eine andere Möglichkeit wäre die Schließung von Freundschaften oder der Beitritt zu den Roma und Sinti, wobei Ersteres weitaus angenehmer ist, da die Eingewöhnung und der Klimawechsel nicht jedermanns Sache ist.

Dem ungeachtet wollt ich nur sagen, dass Sie das nächste Mal, wenn Sie sich an einem magischen Ort befinden und sich an dessen Einzigartigkeit erinnern möchten, lediglich ein wenig Zeit für die Einheimischen nehmen müssten, deren Kultur ihnen derartig die Augen öffnet wird, sodass Sie den wahren Anblick des Ortes genießen können und auf künstliche Abbilder ohne Wahrheitsgehalt eigenhändig verzichten werden.

 

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Wer hat keins ?

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last time modified: July 11, 2011, 5 p.m.

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