Sprachlos – Eine Gesellschaft ohne Worte
- Lifestyle
- 16/05/2010
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Sprache ist Mittel der Kommunikation, ist Kultur, ist Gesellschaft. Verbindet, vereint, ermöglicht Austausch, aber auch Entwicklung. Sie ist das Medium zur Mündigkeit und veranlasst öffentlichen Diskurs, indem ein jeder seine eigene Meinung zum Ausdruck bringen darf. Allerdings bedarf es für die Entwicklung einer kritischen Öffentlichkeit, wie bereits gesagt, einer gemeinsamen linguistischen Basis und Regeln des Diskurses, denen sich die Mitglieder bewusst sein müssen und dessen Einhaltung an kulturellen Unterschieden nicht halt machen darf. Unerfreulicherweise kommt es aber vor allem in Wien öfters zu Starrsinn, Ignoranz und Widerstand der „Sprachlosen", indem die Kultur des Orients zur Barriere wird, dessen Überwindung als Verleugnung gilt und Integration zum Fremdwort wird. Im Folgenden eine Erläuterung des Begriffes „Sprachlosen", die Entstehung dieser Gruppe und dessen Auswirkungen auf das demokratische System.
Die „Sprachlosen" nenn ich sie deswegen, weil sie gefangen zwischen zwei Welten leben, deren Mundart sie nicht vollständig beherrschen und dessen Kultur sie nicht umfassend ausleben können. Sie sind Ausländer, sie sind Fremde in der Heimat, sie sind im Grunde: Heimatlos.
Viele türkische Emigranten der ersten Generation kamen mit nichts, in der Hoffnung, hier das Maß aller Dinge zu erreichen, lernten weder Sprache noch Lebensform der bereisten Stadt, die nur als Mittel zum Zweck dienen sollte, um mit Reichtum in die Heimat zurückzukehren. Hingegen der Erfüllung des „Europäischen Traumes" kam es bei unzähligen Arbeitern jedoch anders, sie kehrten ohne das erhoffte Vermögen in ihr Vaterland als vermeintlicher Taugenichts zurück, oder aber, sie holten ihre Familien und bauten sich ein Leben auf, dessen finanzielle Lage zumal nicht besser als jene früher war, und versprachen sich bei einem Lottogewinn als Paschas wieder zurückzukehren. Dieser Trugschluss brachte sie nichtsdestoweniger um ihre Heimat, ihre Kultur und vor allem, um die Sprache ihrer Kinder.
Die folgenden Generationen, alle jene ÖsterreicherInnen deren Muttersprache Türkisch ist, können weder diese, noch jene Sprache des Landes, die sie erlernen müssen, um ihren Rechten als Staatsbürger nachkommen zu können, geschweige denn im Stande sind, sie zu ihrem Nutzen zu gebrauchen. Oftmals kommt es zu einem Vermengen beider Sprachen, welche sich aufgrund der Bequemlichkeit in der Praxis durch fehlende Syntax, Semantik und Pragmatik, blitzartig ausbreitet und Aussagen wie diese: „Bist du blöd oder was?" alltäglich erscheinen lässt. Abgesehen von sinnlosen Beleidigungen, die dem Gegner aufgrund der Unverständlichkeit des Satzes nichts antun, schadet es dem öffentlichen Diskurs, der wie bereits erwähnt, auf einen gemeinsamen Sprachgebrauch aufbaut, der aus meiner Sicht, aus ästhetischen Gründen, nicht gerade auf ein animalisches Niveau sinken sollte.
Folglich: Versuchen wir unsere Sprache zu erhalten und den „Sprachlosen" eine Identität zu gegen!
last time modified: July 15, 2011, 11:50 a.m.

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