Street Style, Blogging &Co
Wie die Straßen und Gassen der Welt zum exklusiven Laufsteg der Mode geworden sind
- Lifestyle Fashion
- 04/05/2010
- 338
- 0
- 0
- http://ngrap.es/pFu
Seit einigen Jahren werden die Menschen auf der Straße, die zwischen der großen Masse hervorblitzen und interessante Ansätze in Sachen Bekleiden zeigen, zur Inspiration vieler Designer. Nicht, dass das nicht früher auch so gewesen wäre, aber seit dem es Blogger gibt, die bei Fashion Shows mittlerweile sogar kleine Tischchen in der ersten Reihe aufgestellt bekommen, um live und direkt vom Catwalk aus das Gesehene zu ver- und bearbeiten, gibt es auch Designer, die sich dem Street Style intensiver denn je widmen. Denn Blogs wie Facehunter, Styleclicker &Co sind zunehmend populärer. Die Chance, dass jeder Passant (gendergerecht: jede Passantin) so quasi zum Model werden kann, ohne Laufsteg und Hungerstreikähnlichem, ist für viele verlockend und vielleicht sogar Grund genug, um sich gewagter auf die Straße zu begeben, um so die Aufmerksamkeit der mittlerweile zahlreichen Street Style Blogger zu bekommen. Wenigstens für ein schnelles Foto.
Auch wenn diese Blogs in Österreich keine großen Kreise ziehen (einige der Wiener Fashion Blogs sind nur mehr Internet-Leichen oder treiben unregelmäßige Beiträge an die Oberfläche), so pulsiert das Leben der internationaleren Fotostrecken in Modemetropolen und Nichtmetropolen. Nordische Länder sind im Moment ziemlich oben auf, was diese Branche angeht. Stockholm, Copenhagen & Co liefern Bilder, die den Designern durchaus als nützliches Anschauungsmaterial dienen.
Man holt sich den Trend in den Nebenstraßen des Kommerzes, in Seitengassen der üblichen Menschenwelle. Derlei Recherche ist notwendig um auszumachen, welche Entwicklung die Mode nimmt. Es geht dabei nicht unbedingt nur um Detailarbeit, sondern auch um grobe Züge fundamentaler Richtungen, die die Zukunft bestimmen. Mode ist keine Demokratie, das würde ein Widerspruch des Konzeptes an sich sein. Ein Auge dafür zu haben, wer von uns mitbestimmt, wer als Schaufenster in ein Thema dient, ist die unter anderem Aufgabe des Street Style Bloggers.
Paradebeispiele sind sogar große Firmen wie Nike und Adidas, die sich auf den Straßen Amerikas (ob Süd- oder Nord-) bei Jugendszenen ihr nächstes Must-Have holen, um dann den Spieß umzudrehen und gerade diesen Szenen vorzuschreiben, dass das soeben neu entwickelte Produkt genau das verkörpert, was die Szene ausmacht. Sie - radikal ausgedrückt - kopieren etwas von jemandem, um es später derselben Gruppe als deren Erkennungsmerkmal zu verkaufen.
Ein um eine Spur anti-kapitalistischeres Verhalten hat Jean Paul Gaultier an den Tag gelegt, als er für seine ersten Shows eine Art Street Casting veranstaltete und Freunde und Fremde modeln ließ, statt sich professionelle Models zu holen. Ob nun aus finanzieller Not heraus oder neuer Vision (wobei das eine mit dem anderen sogar eng zu tun hat...), er setzte damit ein Statement, das bis heute - in abgewandelter und weiter transformierten Form - Bestand hat.
last time modified: July 15, 2011, 4:45 a.m.


Comments