The Millenium Trilogy
Für alle, die des Lesens noch mächtig sind - die Pflichtlektüre des Jahres. Dutzende Auszeichnungen, über 10 Millionen verkaufte Exemplare und ein beeindruckter Critics Redakteur sind doch Beweis genug.
- Culture (E-)Books
- 18/02/2010
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In der Tat, liebe Leser, sitzen wir Criticsler nicht nur im Kino herum, um stundenlang irgendwelche Schinken anzusehen, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass ihr euch selbige Qual sparen könnt. Und da Fernsehen heutzutage auch nicht mehr das Wahre ist, macht man auf altmodisch und liest. Oft sind die zwei Bücher die im Schnitt wöchentlich meine Leseecke passieren, kaum der Rede wert. Beziehungsweise sind sie schon durchgekaut und über alle Maßen diskutiert worden.
Nun bin ich aber zufällig, beziehungsweise Dank der Empfehlung meines außerordentlich kompetenten Bibliothekars, auf einen Thriller gestoßen, die so packend geschrieben und so intelligent verfasst ist, dass ich sie euch einfach nicht vorenthalten kann.
Es geht um die Millennium-Trilogie:
2005 Verblendung (dt. von Wibke Kuhn; Heyne 2006; ISBN 3-453-01181-3; Taschenbuch ISBN 978-3-453-432-451)
2006 Verdammnis (dt. von Wibke Kuhn; Heyne 2007; ISBN 3-453-01360-3; Taschenbuch, ISBN 978-3-453-43317-5)
2007 Vergebung (dt. von Wibke Kuhn; Heyne 2008; ISBN 3-453-01380-8; Taschenbuch, ISBN 978-3-453-43406-6)
Ich habe sie auf englisch gelesen und kann es jedem dessen Sprachkenntnisse dazu ausreichen, nur schwer empfehlen es mir gleich zu tun.
Die Englischen Titel lauten:
"The Girl with the Dragon Tattoo"
"The Girl who played with Fire"
"The Girl Who Kicked the Hornets' Nest"
Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist sind die Namen der Stunde und die wichtigsten Protagonisten der von Stieg Larsson verfassten Trilogie. Salander ist Mitte 20, hat einen messerscharfen Verstand und ein fotographisches Gedächtnis. Sie ermittelt für eine private Sicherheits-Firma und offenbart im Laufe der Erzählungen weitere außerordentliche Talente. Außerdem ist sie - wenigstens vor meinem geistigen Auge - höllisch attraktiv. Im Laufe des Erzählung lernt man ihren Charakter immer besser kennen - nur um von unerwarteten Wendungen immer wieder auf's Neue überrascht zu werden.
Blomkvist ist Journalist für das monatlich erscheinende Wirtschafts- und Aufdeckungs-Magazin Millenium. Er ist ein gut aussehender Mann in seinen besten Jahren, der durch die außerordentlich fein geknüpften Verästelungen der Erzählung immer tiefer in das Geschehen rutscht. Er hat bereits einen gewissen Ruhm erlangt und wird im Laufe der Erzählung nahezu prominent. Seine verschiedenen Affären lassen ihn nur sympathischer wirken.
Es sind gerade diese feinen Verknüpfungen, die den Büchern ihre Spannung verleihen. Gepaart mit hinreissend facettenreichen Profilen und Persönlichkeitsmerkmalen der dutzenden Charaktere, zieht einen die Erzählung unweigerlich in einen Strudel der Ereignisse, die 700 Seiten lang die Realität vergessen lassen. Und das wäre dann nur der erste Band.
Ich möchte bewusst nicht zu viel über die Handlung verraten, kann aber garantieren, dass sie bis ins feinste Details ausgeklügelt ist. Nicht umsonst war Stieg Larsson 2008, mit 15 Millionen verkauften Exemplaren, nach Khaled Hosseini, der zweit erfolgreichste Autor der Welt. Auch nicht grundlos hat er eine Reihe sehr begehrter Auszeichnungen für seine Werke erhalten. Unter anderem den Skandinavischer Krimipreis, den Schwedischer Krimipreis , den Anthony Award für das beste Erstwerk und den Macavity Ward.
Leider profitiert Larsson nur begrenzt von diesen Ehrungen. Denn der Journalist und Herausgeber des antirassistischen Magazins Expo ist im November 2004, im Alter von nur 50 Jahren, an einem Herzinfarkt verstorben. Um seinen Tod ranken sich allerlei Gerüchte, hatte er doch wegen seiner journalistischen Tätigkeit viele Feinde, auch an Morddrohungen mangelte es nicht.
In der Tat wurden die Manuskripte der Millenium Trilogie posthum entdeckt und veröffentlicht. Was zu erheblichen Streitigkeiten um die Rechte führte. Hauptsächlich weil Larsson und seine langjährige Lebensgefährtin Eva Gabrielsson nie heirateten. Und zwar nur, um Larssons Anonymität zu sichern, die er wegen seines kontroversen Berufes dringend brauchte. Denn in Schweden muss man seine Adresse und andere persönlichen Daten bei der Eheschließung nahezu öffentlich machen.
Im Zuge dieses Erbschaftsstreits kam auch zutage, dass Larsson bereits an einer Fortsetzung der Werke gearbeitet hat. Ursprünglich habe er zehn Bände geplant. Vom vierten Teil und sechsten Teil liegt ein Exposé vor, sehr viel weiter soll aber der fünfte Teil sein. Er soll zum Großteil fertig sein und könnte laut Larssons Vater von einem anderen Autor fertig geschrieben werden. Dagegen sträubt sich aber Larssons Lebensgefährtin, die den Laptop mit dem Manuskript des Verstorbenen besitzt; es sei nicht in seinem Sinne, argumentiert sie.
Um diese brillante Erzählbände auch für Analphabeten bereit zu stellen, wurde der erste Teil "Män som hatar kvinnor " („Männer, die Frauen hassen"; dt. Titel: Verblendung) der Trilogie 2008 verfilmt. Er kam im Januar 2009 in die schwedischen Kinos und wurde innerhalb kürzester Zeit zum erfolgreichsten skandinavischen Kinofilm aller Zeiten. Im Herbst feierten dann auch der zweite "Flickan som lekte med elden" („Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte"; dt. Titel: Verdammnis) und der dritte Teil "Luftslottet som sprängdes" („Aufgeblasene Luftschlösser" dt. Titel: Vergebung) Premiere.
Die Filme, die nun mit Verzögerung auch in anderen Ländern anlaufen werden, habe ich noch nicht gesehen. Ich blicke ihnen allerdings voller Spannung entgegen. Nichts desto trotz würde ich davon abraten, die Filme zu sehen, ohne die Bücher gelesen zu haben. Man läuft sonst Gefahr, sich diesem Erlebnis zu verschließen... Und das wäre wirklich, wirklich Schade.
last time modified: July 14, 2011, 10:35 a.m.

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