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The NYTimes, They Are a-Changin’

Mit Jill Abramson wird erstmals eine Frau Chefredakteurin in der 160-jährigen Geschichte der New York Times. Und das ist gut so.

Im September 2011 wird Jill Abramson (57) Noch- Chefredakteur Bill Keller ablösen. Die Journalistin, die zuvor für das Wall Street Journal geschrieben hatte, kam im Jahr 1997 zu der Times.

Einem Bericht der Times zufolge fühlt sich Abramson sehr geehrt und vergleicht ihre Nominierung zur Chefredakteurin mit einem „Einzug in Walhalla“. „Bei mir zu Hause war die Times Ersatzreligion. Wenn’s die Times sagte, war es die absolute Wahrheit“.

Was die Times sagte, oder besser wie unwahr die „absolute Wahrheit“ ihrer Nachrichten an einem bestimmten Zeitpunkt gewesen sein mag: Es trug auch zu Abramsons Aufstieg im Unternehmen bei.

Im Jahr 2003 waren unliebsame Details über den jungen Redakteur Jayson Blair aufgedeckt worden. Blair hatte für zahlreiche seiner Geschichten Details erfunden, Personen falsch zitiert und plagiiert. Er kündigte zwar, im Zuge der Affäre mussten aber mehr Köpfe als nur der von Blair rollen. Das Wahrheitskapital, das die Times verspielt hatte, war so groß, dass sie sich in einer 7239-Wörter-Geschichte auf der Titelseite entschuldigte. Der Titel: „CORRECTING THE RECORD; Times Reporter Who Resigned Leaves Long Trail of Deception“ . Der verantwortliche Chefredakteur von damals, Howell Raines, kündigte auch, und Keller nahm Raines’ Position ein. Abramson wiederum wurde in Kellers Team Managing Editor (Chefin vom Dienst).

Dass eine Frau einen der wohl renommiertesten Jobs im Journalismus (ja, die Times hat die Jayson-Blair-Affäre weitestgehend unbeschadet überstanden) bekommt, ist sensationell. Sensationell ist es zumindest hierzulande, wo Trends und Rollenbilder immer erst 10 Jahre brauchen, bis sie aus den Vereinigten Staaten zu uns überschwappen. Abramson selbst gehört dabei wohl eher zu jener Sorte von Menschen, die sich Genderfragen mit der Einstellung „Just doing my job" nähern.

Dass das Unternehmen mit Abramson nicht nur mit seiner männerdominierten Tradition bricht, sondern auch mit einer anderen, ist weniger bekannt. Bislang hatte die Ämterlaufbahn zum Chefredakteursposten tendenziell über einen Auslandsposten geführt. Abramson war nicht Auslandskorrespondentin gewesen, sondern zuerst Redakteurin im Büro der Times in Washington, später Büroleiterin in Washington.

Dieses Frühjahr verdiente sich Abramson Sporen, als sie als leitende Redakteurin für die Umstellung des Onlineportals der Times auf ein Bezahlsystem zuständig war.

Man kann dabei der neuen Paywall der Times noch so skeptisch gegenüber stehen, wie man will. Man kann sagen: Die Einnahmen durch Digital Subscriptions sind trotz Paywall und aller damit verbundenen Skepsis gut. Was im Gegenzug aber an Werbewert verloren geht, kann das nicht kompensieren. Man kann das alles sagen. Den ersten erfolgreichen Schritt in die digitale Zukunft mithilfe Paywalls- und das muss man der Times zugestehen- hat sie besser als andere in kurzer Zeit umgesetzt.

Vielleicht hat Jill Abramson einen neuen Cursus Honorum in der Times geprägt, denn auch ihr Nachfolger als Managing Editor, Dean Baquet, war zuvor Leiter des Hauptstadtbüros in Washington.

Das Zeitalter der Auslandskorrespondenten ist ohnehin vorbei- das also ist das Journalismus-Prekariat. Wenn „prekär“ in der journalistischen High-Class wie bei der New York Times heißt, dass Chefredakteure nicht mehr Auslandskorrespondenten sein müssen, sondern Hauptstadtbüroleiter, muss man sich um die Zukunft des Journalismus wohl keine allzu großen Sorgen machen.

Thumbs up for Jill!

 

(Foto lizenziert unter Creative Commons, Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported) 

(c) Haxorjoe

last time modified: July 12, 2011, 11:30 p.m.

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