Totgesagte leben länger ... dank der Crowd!
Tim Schafer hat die Idee für ein Spiel. Und lässt es sich von Fans finanzieren.
- Digital Games
- 10/02/2012
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Auch Videospiele haben ja insgeheim irgendwas mit Medien zu tun. Und gar nicht so wenig. Die Adventures von Lucas Arts, Sierra und später von Daedalic und Pendulo waren zuständig für einige der schönsten Spielerlebnisse meiner Kindheit und Jugend. Kein anderes Spielgenre war zugleich so humorvoll, actionreich, spannend und unterhaltsam wie z.B. die Werke "Monkey Island", "Sam & Max", "Runaway" oder "King's Quest". Doch Mitte bhw. Ende der 90er war ihre Ära vorbei, und erst Anfang der 00er Jahre, mithilfe deutscher Publisher (dtp, Crimson Cow, später: Daedalus) erlebten Adventures zumindest im deutschsprachigen Raum einen zweiten Frühling. Doch jetzt könnten sie wohl entgültig zurückkommen. Warum? Weil ich mir gerade eben ein Adventure gekauft habe, dass in Wahrheit nur im Kopf der Entwickler vorhanden ist. Ich habe 15 Dollar gezahlt, helfe damit, dass das Spiel entwickelt wird und bekomme zugleich auch das Versprechen, das Spiel nach der Fertigstellung zu erhalten.
Tim Schafer ist der Mastermind hinter "Double Fine", einem Entwicklerstudio (aus zum Teil übriggebliebenen Lucas Arts-Entwicklern), dass mit Psychonauts zwar kein klassisches Adventure, aber zumindest eines der abwechslungsreichsten Actionadventures entwickelt haben. Er hat 1993 mit "Day of the Tentacle" ein Spiel geschaffen, dass selbst heute noch unzählige Male refernziert wird. Und jetzt zeigt er auf, wie man neuerdings Spiele produziert.
Wir brauchen keine Publisher!
Ich stelle mir die Arbeit in einem Entwicklerstudio ungefähr so vor: "Oh, wir haben eine coole Idee! Das könnte was werden! Oh ja!" Doch dann macht man sich auf die Suche nach einem Publisher. Electronic Arts, Ubisoft, Activision ... all diese großen Publisher nehmen nur in die Hand, was eindeutig zu Gold wird. Und ein weiterer Egoshooter verkauft sich nun mal doch etwas besser als ein Point'n'Click Adventure. Und dann landet die Idee wieder in der Schublade. Nur diesmal kam es 1. anders und 2. als man denkt: Tim Schafer hat das Projekt auf Kickstarter gepostet. Dort kann ein jeder eine Idee präsentieren, sagen, wie viel Geld er dafür braucht und die Leute können dann spenden. So kamen auch schon innerhalb kurzer Zeit viel Geld für Diaspora zusammen (was ja nun relativ belanglos geworden sein müsste). Gestern gestartet haben sie ihr Ziel (immerhin 400.000 Dollar) innerhalb von 8 Stunden, 1 Million Dollar innerhalb von 24 Stunden erreicht. Und das ganze Geldsammeln läuft grundsätzlich noch 32 Tage.
Das ist doch eine geniale Idee, oder? Man umgeht die Publisher, uns kann so viel kreativer agieren, als wenn man von den Geldspritzen dieser Firmen abhängig wäre. Und es ist natürlich klar, dass Tim Schafer ein "Promi" in der Videospielszene ist, und es für ihn natürlich um einiges leichter ist, viel Geld zu lukrieren. Doch es könnte sich doch eigentlich durchsetzen, oder? Heutzutage ist es nicht mehr notwendig, Spiele auf DVDs zu pressen ... mit Downloadangeboten wie Steam oder der MacApp Store können sie rasch downgeloadet werden. Deshalb kann man jedem Spender (der zumindest 15 Dollar) gezahlt hat, ein Version des Spiels versprechen. Und ich denke, dass das auch kleinere Entwicklerstudios helfen könnte: gute Ideen (sollten sie gut geschrieben oder visualisiert sein) würden Geld zusammenbekommen, schlechte Ideen (hoffentlich nicht) ... die Entwickler selbst würden sehen, wie sehr ihre Idee ankommt.
That’s all there is to it! Think it will work? I hope so, because I would rather work directly for the fans than for anyone else. If the Double Fine Kickstarter Adventure is a success, it could open the doors for all sorts of new funding possibilities, and all kinds of new games that could never happen in the old system. So basically I’m just talking about changing the entire world forever for the better. And getting a game out of it. - Tim Schafer
Und das könnte zum Beispiel auch beim Thema Musik passieren. Musiker bekommen keinen Plattenvertrag? Demoaufnahmen einfach auf Plattformen wie Kickstarter hochladen, die Leute bitten, und schon kann man möglicherweise rasch ein Album aufnehmen ... ganz ohne Mayorlabel. Die Gruppe, die Crowd entscheidet, was gemacht wird. So z.B. wurde auch der neue Stromberg-Kinofilm finanziert ... innerhalb kürzester Zeit hatte man 1 Million Euro zusammen. Und das ganze ohne Ansuchen um Förderung.
Was denkt ihr? Ist das womöglich die Zukunft? Die Mittelsmänner (Publisher) umgehen, um direkt von Entwickler, Musiker, Regisseur zum Kunden sprechen zu können? Meiner Einschätzung nach könnte sich das wirklich durchsetzen. Ich bin zumindest gespannt und freue mich jetzt schon mal auf mein erworbenes, bisher noch namenlose Videospiel.
last time modified: Feb. 10, 2012, 11:43 a.m.

Comments
Machiste
10/02/2012 · report · direct link · reply
Das finde ich eine sehr gute Idee!
Genau so muss es sein: Jemand präsentiert ein Projekt, wenn sich eine Mehrheit findet die dahintersteht (und finanziert), wirds umgesetzt. Man muss keine Obergscheiten überzeugen, dass sich das Ding auch verkauft, und beide Seiten (Entwickler und Endverbraucher) sparen sich eine Menge Geld, die normalerweise für Blödheiten wie Marketing, Vertrieb usw. draufgeht.
Von Kickstarter hab ich schon öfters gelesen, scheint eine gute Sache zu sein.