Über den Wolken: Ablasszahlungen und Musikwäsche
Auf der World Wide Developers Conference, die von Apple jedes Jahr in Kalifornien abgehalten wird, stellte Steve Jobs am 6. Juni erstmals Apples Konzept vor, Musik aus der privaten iTunes-Bibliothek über einen Cloud-Service auf mehrere Geräte desselben Nutzers herunterzuladen.
- Economics
- 12/06/2011
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Ein Kommentar von Marie
Endlich hat sich Apple vom leidigen und teuren MobileMe getrennt. MobileMe- das war jener Service, der Daten wie Bilder, Emails, Kontakte und Telefonnummern auf mehreren Apple-Geräten synchron hielt. Das war zwar praktisch, kostete aber circa 80 Euro im Jahr. Dass Apple mit dem MobileMe- Nachfolger iCloud wieder einmal eine Revolution einläutet, regt heute keinen mehr auf, denn „the future lies in Cloud Computing“. Durch Apple wird das nur noch breitenwirksam.
Rechtsstreit. Es scheint mittlerweile zur Unternehmenstradition zu gehören, dass mit jedem Produktlaunch ein Rechtsstreit um den Namen einhergeht. Wie schon bei iOS und iPhone tritt auch bei iCloud eine Firma auf den Plan- diesmal heißt sie iCloud Communications, LLC- die Apple rechtlich belangen will. iCloud Communications sehen ihr Geschäftsmodell gefährdet. Dass sich am Namen von Apples Cloud-Service dadurch etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich.
iCloud soll im Herbst diesen Jahres starten, wird kostenlos sein (!), und lässt Nutzer von bis zu zehn Endgeräten auf ein Onlinelaufwerk von 5 GB zugreifen und die Daten synchron halten, eine sogenannte Cloud.
Apple sagt, die Zukunft der Festplatte ist online.
Die Zukunft der Festplatte ist also online.
Das geht mit dem mutmaßlichen Unternehmensdogma wunderbar einher, dass bei Apple in erster Linie schöne und schlanke Geräte produziert werden. Keine großen Festplatten werden mehr nötig sein, wenn Dateien nicht mehr lokal, sondern nur noch virtuell gespeichert werden.
Cloud Computing in der Apple-Ära. Seit der Existenz von Google Docs oder Dropbox ist es sehr verbreitet, die eigenen Daten auch für private Zwecke in einer Cloud zu speichern. Wirklich erstaunlich an Apples Cloud ist, dass Apple seinen Nutzern mit iTunes Match die Möglichkeit erteilt, Musik vom Endgerät automatisch in die iCloud zu laden. Es muss sich dabei nicht einmal um im iTunes-Store gekaufte Songs handeln. Über Scan & Match wird die gesamte private Musikbibliothek des Nutzers mit der Bibliothek aus dem iTunes Store abgeglichen. Alles was davon im Store vorhanden ist, kann von jedem einzelnen mit dem Account verbundenen Endgerät in 256kbps Qualität DRM-frei heruntergeladen werden. Songs, die es in der Apple-Bibliothek nicht gibt, werden in die Cloud hochgeladen.
Während iCloud als Service gratis ist, soll das eben beschriebene erweiterte iTunes Match ca. 25 Dollar im Jahr kosten. Vorerst soll es nur in den Vereinigten Staaten angeboten werden. Bis der Service in Europa ankommt, kann es noch bis 2012 dauern, entsprechende Verträge mit Musiklabels gilt es noch abzuschließen.
Der Clou an der Cloud. Während Apple den Nutzern die Möglichkeit gibt, ihre legal über den iTunes-Store oder andere Musikstores gekauften Files nochmals auf ihre anderen Geräte herunterzuladen, legalisiert dies quasi auch all jene Files, die aus Tauschbörsen oder von gerippten CDs stammen. Gerade bei den CDs entsteht damit aber eine doppelte Abgabe für die Nutzer.
Zwei Fallbeispiele können die Ambivalenz des neuen Services verdeutlichen:
Nutzer A lädt seit Jahren seine Musik über den iTunes Store herunter, und kauft sich manchmal ganz klassisch und analog CDs im Fachhandel. Diese überspielt er DRM-frei in seine iTunes-Bibliothek. Will er nun über iTunes Match von allen seinen Endgeräten über die Cloud auf die Musik zugreifen, muss er den Jahresbetrag von 25 Dollar zahlen. Er bezahlt damit quasi eine doppelte Besteuerung für seine legal erworbenen CDs.
Nutzer B leiht sich von seinen Freunden Musik auf CDs aus, besucht ab und zu Filesharing- Sites und bedient sich dort kostenlos und illegal an Musik. Er zahlt die 25 Dollar gerne, denn Apple wäscht ihm seine schmutzige Weste weiß. Über iTunes Match kann er alle seine (womöglich in schlechter Qualität gestohlenen) Lieder in beachtlicher Qualität und DRM-frei erneut herunterladen. Es hat etwas von Ablass, diese Musikwäsche.
Nun mag dieses System auf den ersten Blick etwas unfair aussehen, ist aber im Kern doch recht klug: Über die Gebühr von 25 Dollar bekommt die Musikindustrie für ihre ohnehin schon gestohlene Musik von Nutzer B und jenen, die es ihm gleichgetan haben, einen Teil ihres Geldes zurück. Und das relativ einfach, ohne große Komplikationen. Der Topf wird 70/30 zwischen den Labels und Apple aufgeteilt.
Während die Zukunft nun also in der Wolke liegt, können wir nur hoffen, dass es diese Wolke in ihrer gesamten Funktionalität bald über den Pazifik nach Europa treibt. Die Apple-Cloud wird den Komfort für die Nutzer drastisch erhöhen.
(Foto lizenziert unter Creative Commons: Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0)
(c) binaryCoco
last time modified: July 14, 2011, 2:35 p.m.

Comments
Onatcer student, amateur photographer, blogger
13/06/2011 · report · direct link · reply
Interessant wird mMn wie Apple die musik analysieren wird nach den meta daten wird man nicht gehen können
man muss die musik analysieren allerdings wenn beim digitalisieren was schief geht oder wenn es ganz genau das gleiche sein muss
apple wird das schon iwie lösen ;D
Marie
14/06/2011 · report · direct link · reply
das stimmt. gings nur nach den id3tags, würde das wohl so manche musikbibliothek eher komplett durcheinander werfen, als praktikabilität und mehrwert zu stiften.