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Title Image Of Unabhängig leben

Unabhängig leben

Ein Wunschtraum

Immer, wenn ich mich vom Leben mal wieder arg gebeutelt, ausgenutzt und ungerecht behandelt fühle, blitzt in mir mein Unabhängigkeitstraum auf. Unabhängig sein, das wäre toll, und zwar von allem. Von anderen Menschen, vom Vermieter, vom Gas- und Stromversorger, vom Wasserwerk, von einem Arbeitgeber oder Geschäft, von der Gemeinde, von der Regierung, vom Mainstream, vom Lebensmittelangebot, vom Geld uswusf.

Dann träume ich davon, in einem kleinen Holzhaus zu leben, das mir ganz allein gehört und das ich mit kleinem Budget und so wenig Hilfe von außen wie möglich selbst entworfen, konzipiert und gebaut habe. Der Strom käme aus einer kleinen Wasserkraftanlage (natürlich selbst konzipiert, ich bin schließlich Ingenieurin), die die Energie des Gefälles eines nahe gelegenen Wildbachs nutzt. Das Wasser käme nicht nur gefiltert aus dem Wildbach, sondern zusätzlich aus einer Regenwasseraufbereitungsanlage. Ein Kamin darf auf keinen Fall fehlen. Mit der Forsterei des Waldes hätte ich ein günstiges Abkommen für die Nutzung von Brennholz. Ansonsten wird mit meinem eigenen Strom geheizt und warmes Wasser erzeugt. Ich hätte einen Nutzgarten für den Anbau des Gemüses und Gewürze, die ich zum Leben brauche. Ein oder zwei Obstbäume stünden darin. Ein paar Nutztiere hätte ich, Hühner für die Eier, eine Kuh und eine Ziege, Schafe (mit Hund), für Milch und Käse, den ich selbst herstellen würde. Der Stall für die Tiere bekäme eine Solarzelle auf dem Dach. Fleisch bräuchte ich nicht mehr (es sei denn, ein Huhn wird alt und legt nicht mehr, dann landet es in der Suppe). Ab und zu angelte ich mir eine Forelle oder einen Lachs aus dem Wildbach.

Ich lebte in einer wunderschönen wilden Landschaft, das Meer nicht weit entfernt. Ziemlich klar, dass die nicht in Deutschland liegt, vielleicht in Norwegen oder Schweden oder Island (wobei es auf Island keinen Wald gibt, dafür jede Menge heiße Quellen. Die Frage der Heizung ließe sich da anders lösen). Die nächste Ortschaft ist ein paar Kilometer weit entfernt, also bin ich nicht total von der Zivilisation abgeschnitten. Außerdem müsste ich irgendwo meinen Restmüll entsorgen, von dem ich aber nicht mehr viel produzieren würde, denn ich hätte einen Komposthaufen und eine Klär- oder Sickergrube mit Toilettenspülung. Hätte ich ein Auto? Ja, denn das gehört für mich zur Unabhängigkeit dazu, mich unabhängig bewegen zu können. Es wäre eins mit Solarantrieb oder Batterie. Mit meinem kostenlosen Strom könnte ich es locker betreiben.

Und wie sieht es mit Internet aus? Brauche ich es da überhaupt noch? Wenn ja, kann ich meinen Laptop nehmen und in die nächste größere Ortschaft fahren, wo es mobiles Internet gibt. Im eigenen Haus hätte ich wahrscheinlich keine Lust mehr, mich so viel mit dem Internet zu beschäftigen, denn ich will mich um die Tiere und die Planzen und den Käse kümmern. Ich würde meine Zeit lieber mit Angeln verbringen. Alles selber machen wollen kostet nicht nur Know-How, sondern selbstverständlich auch Zeit. Einen ausgewachsenen Lachs auszunehmen, muss ich erst lernen. Aber wie der schmecken wird!

Die Kleidung würde ich mir auch zu einem Teil selbst herstellen. Die Wolle der Schafe kann ich spinnen und verstricken. Die Wolle nur eines Schafes reicht locker für mehrere Pullis. Und Käse würde ich soviel produzieren, dass der nicht nur für mich allein reicht, sondern ich ihn verkaufen könnte. Eine kleine Einnahmequelle. Vielleicht auch selbstgestrickte Pullis?

Käme ich da überhaupt noch zu meiner Musik? Klar, mein Klavier stünde ja in meinem Haus, da stört niemand, wenn ich darauf spiele oder dazu singe. Engagements hätte ich immer noch, in den Kirchen der Umgebung.

"Ja, und was ist mit Arzt und Krankenversicherung? Krank werden kann ja schließlich jeder mal! Wenn du krank wirst, ist kein Schwein da, der dir hilft! Und wo sollen die Kinder zur Schule gehen? Wollen die vielleicht auch so leben wie du? Alles hirnrissig, kannst du knicken, lass mal lieber die Finger davon!" Das ist meine innere Stimme der Vernunft, besser gesagt mein Zensor, die mich zwingt, aufzuwachen.

Je mehr ich über meinen Traum nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass ich niemals völlig unabhängig sein kann. Aber das macht auch überhaupt nichts, denn ein Mensch ist immer abhängig, nämlich von der Umwelt, in der er lebt. Doch diese kann er sich sehr wohl selbst aussuchen. Wenn er wirklich will.

Und um mal ein bisschen Realität in die Sache zu bringen: Wassergeneratoren kann man günstig kaufen, wie diesen hier aus China, und schon die Bedienungsanleitung liest sich richtig nutzerfreundlich: "Dieses Produkt wurde gründlich in die spezielle technische Maßnahmen, um gute Qualität, stabile Funktion und einfache Bedienung für Frauen und Kinder gestärkt. Viel weniger Investitionen können mehr Glück, Ihre Familie hinzufügen." Auch wenn die Übersetzung ins Deutsche vielleicht mit dem Google-Übersetzer erledigt wurde, finde ich die Beschreibung richtig sympatisch ;-)

last time modified: July 14, 2011, 11:35 p.m.

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