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Warum die Welt keine Ultras braucht

Die selbsternannten Wächter der Fußballkltur sind nicht nur überflüßig sondern auch lästig.

Im normalen Leben sind sie  Kundenberater bei der Sparkasse, Busfahrer oder BWL-Studenten. Am Wochenende machen sie hingegen eine Metamorphose durch. Sie  hüllen sich jedoch nicht in Leder und lassen sich auspeitschen oder überfallen alte Damen. Nein, sie werden zu Ultras. Ihr  Fußballverein bedeutet ihnen alles.

Ultras sind Fußballfans, welche sich nicht mit der passiven Zuschauerrolle zufrieden geben, sondern aktiv den Fußball als Kulturgut erhalten und fördern wollen. Sie sehen sich selbst  als wackere Verteidiger der Interessen der Fußballfans gegenüber der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports. Mit imposanten Choreographien im Stadion und kollektiven Fangesängen sehen sie die Unterstützung ihres Vereins als ganzheitliche Lebensaufgabe.

Dieses umfassende Interesse am Wohlergehen ihres Vereins paart sich jedoch auch häufig mit Gewalt und Sachbeschädigung im Umfeld der Spiele, weshalb Ultras auch hohe Kosten verursachen.

In ihren Publikationen stilisieren sich Ultras hingegen lieber zu Kulturmenschen und Intellektuellen hoch. In ellenlangen Schriften prangern sie die Kommerzialisierung des Profisports an und postulieren ihre Abneigung gegenüber Vereinen, welche von privaten Investoren gefördert werden. Diese Abneigung kriegt in Deutschland zum Beispiel regelmäßig der Mäzen der TSG Hoffenheim zu spüren, der sich bei Auswärtsspielen seiner Mannschaft regelmäßig in lautstarken Schmähgesängen Mutmaßungen über die Erwerbstätigkeit seiner Mutter anhören muss.

Ultras scheinen sehr viel Freizeit zu haben. Genug zumindest, um vor kurzem eine unter Beteiligung verschiedenster Gruppierungen organisierte Großdemonstration in Berlin abzuhalten, welche sich gegen erfahrene Repression gegenüber Fußballfans wendet. Die Ultras scheinen einen wirklich ironischen Zugang zu zivilgesellschaftlichen Engagement zu haben, wenn sie in Zeiten von nuklearen Havarien, Einschränkungen im Sozialstaat und zunehmendem Rechtsextremismus in Mitteleuropa ausgerechnet für ihr Menschenrecht demonstrieren lautstark 22 Männer anzuschreien die gegen einen Ball treten.

Ultragruppierungen üben neuerdings auch einen ernstzunehmenden Einfluss auf die Politik ihrer jeweiligen Vereinsführung aus. Personalentscheidungen können in manchen Vereinen nicht mehr gegen die Ultras getroffen werden. Aus passiven Zuschauern werden aktiv Handelnde.

Woher nehmen die Ultras jedoch ihre Legitimation? Wieso sollte eine Handvoll gewaltbereiter Proleten Einfluss auf die Politik eines modernen Fußballvereins haben? Die Vereine stellen den Gruppierungen Räumlichkeiten zur Verfügung und binden sie in Fanprojekte ein, nur um auf der anderen Seite Strafen an die Liga für die Fehltritte ihrer Mitglieder zahlen zu müssen.

Klar sind Choreographien im Stadion für die Fernsehübertragung eine schöne Sache und gute Stimmung im Stadion dürfte den Vereinen auch wichtig sein, sich jedoch ständig gegen eine Horde rückwärtsgewandter Proleten verteidigen zu müssen, sollte den Clubs  langsam an den Nerven zehren.

Ultras sind nicht notwendig und auch ohne sie wird eine Fankultur im Fußball bestehen. Diese Herren sollten sich überlegen, ob Fußball schauen nicht lieber Freizeitvergnügen als Lebensinhalt sein sollte. Und sie sollten sich weiterhin darüber im Klaren sein, dass ihre Solidarität zum Verein absolut einseitig ist.

Die meisten Fußballer werde in Interviews nicht müde zu beteuern, wie wichtig ihnen die Fans sind. Ich glaube dennoch  kaum, dass sich auch nur ein Profifußballer in seiner Freizeit von einem betrunkenen, randalierenden Idioten vollquatschen lassen will. Wie Oliver Pocher in einem seiner seltenen lichten Momente in einer Imitation des Fußballers Kevin Kuranyi sagte: „Die Fans trifft hier keine Schuld. Die haben halt keine Ahnung. Außerdem sind dass eh alles Assis auf Schalke. Dann steht das Proletenpack halt mal da und pfeift dich aus. Ich verdien trotzdem das Zwanzigfache von denen, aber das darf man denen halt so nicht verkaufen und muss mit seiner Meinung hinterm Berg bleiben.“

last time modified: July 14, 2011, 2:10 p.m.

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