Weltkulturscherben
Morgen findet in der Hofburg der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) statt. Letzte Woche wurde dieses Topereignis der Ballsaison aus dem Verzeichnis des immateriellen Weltkulturerbes gestrichen. Zu Unrecht.
- Culture
- 26/01/2012
- 304
- 3
- 0
- http://ngrap.es/pBWm
Damit ist eine der Bastionen des österreichischen Weltkulturerbes gefallen. Was wird Österreich als nächstes aberkannt. Das historisch bedeutende Heilwissen der PinzgauerInnen?. Denn der Wiener Ball, und gerade der WKR-Ball gehört zu den großen Errungenschaften Österreichs. Wo sonst kommt die Kultur derart zur Geltung, als wenn sich die obersten 10.000 treffen, um der Vergangenheit nachzutrauern, Geld verprassen und sich besaufen. natürlich mit Wein aus Weltkulturerbestätten.Und überhaupt, wer könnte das österreichische Kulturerbe besser repräsentieren als eine Bande deutschnationaler, narbengesichtiger Burschenschafter?
HC Strache (Bild, mitte), FPÖ-Parteiobmann und der letzte Beschützer des Abendlandes, der Verteidiger der christlichen Kultur und Träger des großen Ehrenzeichens der Republik Österreich am Bande mit Stern und mit dem Kreuz und noch so einiges, das Idol des kleinen Mannes in Österreich, hat zu Recht gegen die Aberkennung als Weltkulturerbe protestiert.
Es gibt aber noch mehr schützenswertes immaterielles Weltkulturerbe in Österreich, das auch Beachtung verdient und doch so wenig bekommt. Zum einen wäre da jeder Maturaball im hintersten Alpenkaff, wo auch noch der letzte den Kriterien des Wiener Balles entspricht. Von der pannengespickten Polonaise über die Mitternachtseinlage bis zum Besäufnis im Übergangslokal. Zum anderen sind es bundesweit bekannte Rituale, die traditionell weitergeführt werden.
Etwa das alljährliche Sauschädelessen des Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, bei dem sich die Mächtigen tummeln, um zu tratschen, Geschäfte zu machen und sich an Produkten aus der Schweinemast zu laben. Christian Konrad soll bereits eine unabhängige Kommission aus Bauernbund, Jägerschaft und ÖVP damit beauftragt haben, zu prüfen, ob das Sauschädelessen den Kriterien des immateriellen Weltkulturerbes entspricht. Und das wird es höchstwahrscheinlich. Denn es ist ein „gesellschaftliches Ritual“ und es „vermittelt ein Gefühl von Identität und Kontinuität“, wie es in den Kriterien für die Anerkennung als Kulturerbe steht.
Nicht auf den ersten Blick als Kulturerbe zu erkennen sind die Demonstrationen in Wien, etwa der morgige Protest gegen den WKR- Ball. Auch dieses Element der österreichischen Folklore sollte als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO international Beachtung finden. Denn auch die Demos sind ein „gesellschaftliches Ritual“, „das Element wird von einer Generation an die nächste weitergegeben“, dass werden Demonstrationen nachweislich und zwar seit 1848, und die gebrüllten Parolen sind Teil der „Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes“. Auch das letzte Kriterium versteht sich bei einer traditionsreichen Demonstration im ebenso traditionsreichen Wien von selbst, denn es verlangt „eine möglichst weitreichende Beteiligung von Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen, die dieses Erbe schaffen, pflegen und weitergeben.“
Wenn dann die hässliche Debatte um den WKR- Ball beendet ist und er wieder unbestrittenes Kulturerbe ist, dann wird jedes Jahr in der Ballsaison ein kulturelles Erbe, der WKR- Ball in der Hofburg gegen das andere, die Demonstration dagegen, antreten und das immaterielle Weltkulturerbe wird unter dem Segen der Exekutivkräfte lautstark und reich an schlagenden Argumenten zelebriert! Was für ein Sieg für die österreichische Kultur!
Darüber wird dann im renommierten Kulturteil der anerkannten „Kronen Zeitung“ berichtet.
Ein (großteils) fiktiver und satirischer Artikel von
Muckraker
last time modified: Jan. 26, 2012, 6:29 p.m.

Comments
Matthias Fuchs studiert Journalismus
02/02/2012 · report · direct link · reply
danke, danke! das freut und ehrt.
Machiste
26/01/2012 · report · direct link · reply
Sauber ausgeteilt, chapeau!
Der_Stein
26/01/2012 · report · direct link · reply
herrlich!