Weltuntergang auf Raten
Eine von höherer Macht gesteuerte Apokalypse wird es nicht geben. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Menschheit in absehbarer Zukunft an ihrem eigenen Wachstum zu Grunde gehen wird.
- Politics & World Affairs Education
- 31/05/2011
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War wohl nix. Zum zweiten Mal hat der US-Radioprediger Harold Camping beim Voraussagen des Weltuntergangs falsch gelegen. Am 21. Mai 2011 um 18:00 Uhr hätte ein Erdbeben von biblischen Ausmaßen stattfinden und die gesamte Menschheit auslöschen sollen. Passiert ist bekannterweise nichts. Herr Camping hatte natürlich auch sofort eine Erklärung dafür parat: Eine kleine Misskalkulation. Am 21. Mai wäre lediglich das jüngste Gericht eingeleitet worden, die Apokalypse würde effektiv in 5 Monaten beginnen. Dann aber mit Mega-Erdbeben und allem was so dazu gehört, wie zuvor angekündigt.
Nun steht neben der geistigen Gesundheit des 89-jährigen Radiomoderators auch sein Verständnis von Plattentektonik zu bezweifeln. Ein weltweites Erdbeben von den prophezeiten Ausmaßen ist überhaupt nicht möglich. Die einzige Naturgewalt, die das Potential hätte, ein globales Massensterben einzuleiten, wäre ein Asteroideneinschlag, ähnlich dem, der für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich war. Ob 2012 so etwas passieren wird? Schließlich wird auch dieses Jahr gerne als Anwärter auf den Zeitpunkt des Endes der Menschheit gehandelt. Ein Blick durch die Weltraum-Teleskope gibt die Antwort: Nein. Es ist momentan einfach nichts im All unterwegs, das uns in den nächsten Jahren gefährlich werden könnte. Das dürfte die Jünger der Apokalypse aber nicht davon abhalten, an neuen Endzeit-Visionen zu basteln. Fast alle Weltuntergangs-Prognosen, die in den letzten Jahrzehnten für Furore sorgten, stützten sich auf bloßen Aberglauben, oft religiös „untermauert“, und entbehrten jeglicher rationaler, geschweige denn wissenschaftlicher Grundlage. Warum finden sich dennoch immer wieder erstaunlich viele Leute, die gewillt sind, solchen Hirngespinsten Glauben zu schenken? Der Gedanke eines von höherer Macht gesteuerten Weltuntergangs hat für sie vermutlich etwas Tröstliches, getreu dem Motto: „Unsere Welt geht zu Ende, aber es gibt immerhin jemanden, der einen Plan für uns hat.“ Eine schöne Vorstellung, so romantisch wie irrational. Die viel wahrscheinlichere, und gleichzeitig unschönere, Variante ist, dass der Mensch sein Ende selbst herbeiführen wird. Vielleicht schon in 50 bis 100 Jahren, wenn die Bevölkerungszahl endgültig explodiert ist, und die Ressourcen der Erde aufgebraucht sind.
Peak oil
So rasant wie die Technologie in den letzten Jahrzehnten etwa in den Bereichen Telekommunikation und Medizin fortgeschritten ist, so erschreckend wenig hat sich im Energiesektor getan. Seit 200 Jahren ist die Menschheit von Kohle und Öl abhängig. Die einzige Energieform, die heute mit fossilen Brennstoffen in puncto Effizienz mithalten kann, ist die Atomkraft. Dass die keine zukunftsträchtige Alternative sein kann, führte die Reaktorkatastrophe von Fukushima der Welt wieder schmerzlich vor Augen. Der Mensch bleibt also noch für längere Zeit von nicht erneuerbaren Energiequellen abhängig - und die werden knapp. Laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur IEA ist „peak oil“, die maximale Fördermenge konventionellen Erdöls, bereits 2006 eingetreten. In den darauf folgenden Jahren ist der weltweite Ölverbrauch schneller gestiegen als die Produktion. Das bedeutet, dass das Ende der Ölreserven langsam, aber sicher näher rückt. Wenn die bisherige Abhängigkeit von diesem Rohstoff unverändert bleibt, dann könnten große Ressourcenkriege die Folge sein. Die Wirtschaftsmächte von USA bis China würden dann versuchen, die letzten verbleibenden Erdölquellen zu besetzen, um einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten zu erhalten. Der Irakkrieg war bereits ein klassischer Ressourcenkrieg. An diesem Konflikt waren allerdings ungleiche Gegner beteiligt, der Irak hatte nicht die militärische Stärke, um große Vergeltungsschläge gegen die USA auszuüben. Wenn das Öl knapper wird, ist es wahrscheinlich, dass die Kämpfe zwischen ähnlich starken Gegnern stattfinden werden, und daher gleichsam brutaler und vernichtender ausfallen werden. Zur Erinnerung: Es gibt noch immer genug Kernwaffen auf der Welt, um den Planeten mehrfach zu zerstören.
Doch auch wenn die Vernunft siegt, es zu keinen Kriegen kommt, und die Förderung von alternativen Energiequellen vorangetrieben wird, so steht die Menschheit noch immer vor nahezu unlösbaren Herausforderungen für die kommenden Jahrzehnte. Schuld daran ist das viel zu schnelle Wachstum der Weltbevölkerung.
„2050 brauchen wir 3 Planeten“
In den 60er-Jahren lebten drei Milliarden Menschen auf der Erde, heute sind es knapp sieben. Die 10-Milliarden Grenze wird spätestens 2050 erreicht sein. Es scheint ausgeschlossen, dass all diese Menschen ausreichend ernährt werden können, es funktioniert schon jetzt nicht. Laut einer Studie des WWF (hier ein Artikel der "Presse" zu dem Thema) hatten 2010 900 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Im Jahr 2025 könnten laut Prognosen 5,5 Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen sein. Die Erde ist für eine derartige Explosion der Bevölkerungszahl einfach nicht gerüstet. "Derzeit dauert es eineinhalb Jahre, damit die Erde ersetzen kann, was wir ihr in nur einem Jahr abringen.“, so der WWF-Report. Bis 2050 wären demnach die Ressourcen von 3 Planeten wie der Erde nötig, um heutige Standards halten zu können. Wälder werden in noch größerem Umfang gerodet werden, um neue Agrarflächen zu gewinnen. Die Klimakatastrophe lässt grüßen.
Die Menschheit sieht äußerst schwierigen Zeiten entgegen. Die Forschung an Technologien für eine Energiewende müsste eigentlich mit allen verfügbaren Mitteln vorangetrieben werden. Das wird aber von mächtigen Konzernen und Regierungen, die von der Ausbeutung der Erde nach wie vor profitieren, vehement blockiert. Eine dramatische Systemänderung in der Energiepolitik ist bitter notwendig. Andernfalls geht die Welt zwar wahrscheinlich nicht in fünf Monaten unter, wie es der amerikanische Radio-Prediger prophezeit; die Menschheit wäre aber in wenigen Generationen nicht mehr überlebensfähig.
hyder out.
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last time modified: July 14, 2011, 3:05 p.m.

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