Zielscheibe Kirche
Nachdem nun auch noch der Prediger des Papstes die Vorwürfe gegen die Kirche mit dem Antisemitismus vergleicht, brennt die Luft nun endgültig.
- Politics & World Affairs
- 04/04/2010
- 195
- 0
- 0
- http://ngrap.es/pEp
Der persönliche Prediger von Papst Benedikt XVI., Pater Raniero Cantalamessa, hatte tatsächlich den Nerv, die Vorwürfe gegen die katholische Kirche und ihr Oberhaupt im Zusammenhang mit der Missbrauchsaffäre mit dem Antisemitismus verglichen. Die Juden seien in der Geschichte Opfer kollektiver Gewalt geworden, und die Anschuldigungen gegen die Kirche und den Papst erinnerten an die (wörtlich zitiert) „schändlichsten Aspekte des Antisemitismus", sagte Cantalamessa bei einem Karfreitagsgottesdienst im Vatikan in Anwesenheit Benedikts. Sogar ein jüdischer Freund habe ihm geschrieben, dass er die „gewaltsamen und konzentrierten Angriffe" auf die Religionsgemeinschaft und ihr Oberhaupt mit Abscheu verfolge.
Zugegeben, manche Menschen übetreiben es momentan mit der Kritik an der katholischen Kirche. Ich selbst bin auch nicht gerade ein Fan der Institution, da mir so manche Werte und moralische Grundsätze nicht in meine Weltanschauung passen, und Kritik an veralteten Werten ist wichtig für den Fortschritt, aber alle Repräsentanten des Katholizismus nun als „Kinderficker" zu degradieren und zu verurteilen ist nicht nur übertrieben, sondern auch beleidigend für jeden gläubigen Anhänger, der bei seinem Pfarrer, Priester oder Seelsorger Trost und Beistand gefunden hat.
Nichts desto Trotz, die momentane Situation mit dem früher extrem ausgeprägten Antisemitismus zu vergleichen ist dennoch sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Kein Wunder also, dass die Gemüter erhitzt und die Reaktionen größtenteils negativ waren.
Sprecher des Judentums aus der ganzen Welt meinen, der Vergleich sei beleidigend, eine regelrechte Frechheit und schlicht und ergreifend unpassend. „Ich habe bisher weder den Petersdom brennen sehen noch Gewaltausbrüche gegen katholische Priester", bringt es der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, auf den Punkt.
Als Reaktion auf die messerscharfe Kritik distanzierte sich die Kirche von den Aussagen. Ein solcher Vergleich könne „zu Missverständnissen führen", verteidigte Vatikansprecher Federico Lombardi den umstrittenen Cantalamessa einigermaßen, seine Aussagen seien aber nicht die offizielle Position des Vatikans.
Tja,
die eigene Institution verteidigen wollen und sich dann ein solches
Eigentor schießen. Ironie des Schicksals. Dermaßen aufsehenerregend
und umstritten gelingt dies allerdings selten. Dazu war aber auch
überaus viel Sensibilität und rhetorisches Geschick notwendig. Man
darf also gratulieren, Signore Cantalamessa, da ist das italienische
Temperament wohl mit Ihnen durchgegangen!
Eure Gwen
last time modified: July 13, 2011, 12:55 p.m.

Comments